26.05.2010 · Zu "Qualitätspakete für die Lehre" (F.A.Z. vom 18. Mai): In dem Artikel über die jüngst abgehaltene Bologna-Konferenz in Berlin wird die aktuelle Bildungsmisere an den deutschen Hochschulen, wieder einmal, unter verschiedenem Blickwinkel kritisch unter die Lupe genommen.
Zu "Qualitätspakete für die Lehre" (F.A.Z. vom 18. Mai): In dem Artikel über die jüngst abgehaltene Bologna-Konferenz in Berlin wird die aktuelle Bildungsmisere an den deutschen Hochschulen, wieder einmal, unter verschiedenem Blickwinkel kritisch unter die Lupe genommen. Zu Recht. Denn den einzelnen Überlegungen zum komplexen Inhalt, aber dürftigen Ergebnis dieses auch von studentischen Vertretern begleiteten Bildungsgipfels kann man zwar zustimmen, auch wenn der griffige Titel ("Qualitätspakete") unzutreffend erscheint; auf dieser Konferenz sind nämlich keinerlei "Pakete" gepackt, sondern höchstens einzelne Teilstücke eines noch zu konzipierenden, dann erst herzustellenden Produkts zur Diskussion gelangt.
Aber davon abgesehen fallen zumindest folgende Dinge an dieser Konferenz auf: Die Hochschulrepräsentanten, die Studierendenvertreter sowie auch die die Diskussion steuernden Politiker, insbesondere die Bundesbildungsministerin Schavan, kommunizierten offensichtlich im Nebel eines wechselseitig starken Misstrauens. Ein solches Klima ist einem gruppendynamisch gedeihlichen Gesprächsprozess grundsätzlich abträglich - muss man da nicht allein schon der Ankündigung einer Hochschulfinanzierung der Lehre in Höhe von zwölf Milliarden Euro bis 2013 durch die Politiker misstrauen, und dies besonders im Kontext der heutigen Kürzungsdebatten?
Es ist sicherlich schön und gut, zumindest auf den ersten Blick, nebenbei zu erfahren, dass die Präsidentin der Hochschulkonferenz, Professor Dr. Wintermantel, die nackten Tatsachen der unzureichenden Qualitätssicherungen und studentischen Betreuungsverhältnisse der Bachelor-Studiengänge nunmehr einräumt und dementsprechend jetzt mehr Tutorien sowie mehr Dozentenpersonal einfordert.
Allerdings möchte der geneigte Leser dann auch von Frau Wintermantel, die immerhin eine Professur für Sozialpsychologie bekleidet, echt inhaltsbezogene, sachkompetente Lösungsansätze für die erforderlichen organisatorischen und didaktischen Verbesserungen in der Hochschullehre kennenlernen. Überhaupt fragt man sich, ob und inwieweit - und wann endlich - die Repräsentanten des Hochschulsystems zufriedenstellende Angebote auch und gerade an die Studierenden machen.
Jedenfalls wäre es richtig und wichtig, nicht nur in sozialpsychologischer Hinsicht, wenn die Hochschulrepräsentanten das bei vielen Studierenden zu Recht erschütterte Vertrauen in die Bildungswelt von heute und morgen möglichst bald aufzubessern in der Lage wären. Dafür müsste ein ganz konkretes, sinnstiftendes Maßnahmenbündel erstellt und ehrlich erkämpft werden, welches dann auf den Folgekonferenzen zur Bologna-Reform geeignet vorzustellen beziehungsweise ernsthaft zu diskutieren wäre. Eine schöne neue Hochschulwelt?
Professor Dr. Viktor Sarris, Usingen