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Ein Menetekel

24.06.2009 ·  Schatten auf die Buchmesse: China klagt Liu Xiaobo an

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PEKING, 24. Juni

Nachdem der Literaturwissenschaftler Liu Xiaobo schon seit Dezember vergangenen Jahres in Administrativhaft, also Hausarrest, gehalten wurde, ist er gestern mit der Ankündigung einer Anklage formell festgenommen worden. Das ist auch ein Kommentar dazu, welchen Platz die intellektuelle Debatte nach dem Verständnis der chinesischen Regierung haben soll, mit anderen Worten: zur Frankfurter Buchmesse, auf der China in diesem Jahr Ehrengast sein wird. Lius Plädoyer für Demokratie und Gewaltenteilung in der von ihm unterzeichneten "Charta 08" wird ihm jetzt als "Unterwanderung der Staatsgewalt" ausgelegt.

Gegen den chinesischen Staat als solchen hatte der ehemalige Präsident des inoffiziellen chinesischen PEN aber gar nichts vorgebracht. Liu knüpft vielmehr an die Pekinger "4.-Mai-Bewegung" von 1919 und deren Forderungen nach Demokratie und Wissenschaft an, argumentiert also aus einem spezifisch chinesischen Zusammenhang heraus. Das aber lassen die Behörden nicht gelten. Bei einer Pressereise nach Peking, die die Buchmesse gerade organisiert, hatte in der Behörde für Veröffentlichungen (und Zensur) der zuständige Vizeminister vor zwei Tagen in Hinblick auf mögliche Frankfurter Aktionen der Sekte Falun Gong gesagt: "Wir werden nicht zulassen, dass jemand die Stabilität Chinas unterminiert."

Wird die ganze Messe-Veranstaltung, auf der sich das offizielle China gewiss alle erdenkliche Mühe geben dürfte, einen guten Eindruck zu machen, also zur Farce? So zu denken käme einer Selbstaufgabe aller gleich, die die freie Diskussion für wichtig halten. China wird als Gastland in Frankurt nicht umhinkönnen, seine mit dem Staat eng verwobene, aber nicht identische Kultur unter den Bedingungen des Pluralismus darzustellen. Anders als die Olympischen Spiele ist eine Buchmesse nicht sprachlos: Die Gegensätze und Konflikte Chinas, die vom Sport in den Hintergrund gedrängt wurden, können, auf der Buchmesse formuliert, zum eigentlichen Thema werden; jeder Verlag kann seine Autoren einladen, welche Haltung zu Peking sie auch haben mögen. Wer das aus Angst vor der Propaganda von vornherein ausschließen wollte, ist ihr auf den Leim gegangen: Er setzt, wie die Ankläger Liu Xiaobos das wollen, Partei, Staat und Kultur Chinas in eins. Si.

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