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Veröffentlicht: 29.08.2014, 15:45 Uhr

Die Kunstsaison beginnt Die Zeit des Wartens ist vorbei

Die Galerien eröffnen in den kommenden Wochen gemeinsam die Herbstsaison. Für ihre kollektive Feier suchen sie sich oft merkwürdige Namen aus, als hätten sie etwas mit dem Tennisspiel gemein. Von DC Open bis Art Alarm - was erwartet uns?

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Die einen freuen sich auf die Bundesliga, die anderen auf die Galeriesaison, manche auf beides. Am vergangenen Wochenende jedenfalls, wollte Bonn dem Fußball in nichts nachstehen und erklärte den „SaisonstART BONN“. Die Titel der kollektiven Eröffnungsfeiern, die sich in den kommenden vier Wochen aneinanderreihen und stapeln werden, sind in allen Städten ähnlich phantasievoll. Eine Auswahl: DC Open in Köln und Düsseldorf (5. bis 7. September), Open Art in München (12. bis 14. September), SaisonstART in Frankfurt (12. bis 14. September), die Berlin Art Week in Berlin (16. bis 21. September) und dann der Art Alarm in Stuttgart (27. und 28. September). Die Leipziger Baumwollspinnerei eröffnet parallel zu München und Frankfurt, braucht aber naturgemäß keinen aufwendigeren Namen.

Die rheinischen „DC Open“ überfluten vom 5. bis zum 7. September die Städte mit mehr als fünfzig Ausstellungen, worunter eine besonders ins kriminalistisch interessierte Auge fällt: Der Düsseldorfer Galerist Max Mayer zeigt Nicolás Guagnini und Leigh Ledare, die künstlerisch der Frage nachgehen, ob der amerikanische Künstler Carl Andre seine Frau Ana Mendieta vielleicht doch ermordet hat. Vor Gericht wurde er freigesprochen. Und auch in München, das 65 Galerien auf dem Lageplan verzeichnet, gibt es eine Schau, die sich nicht ins Malerei-Skulptur-Video-Standardprogramm fügt: „Lapislazuli und Purpur“ bei Renate Bender. Mitarbeiter einer Pigment-Firma führen vor, wie die wertvollen Farben entstehen. Und die Kunst zeigt, wo sie heute noch vorkommen.

Frankfurt bringt zwar nur 28 Galerien zusammen, doch ist Bewegung in der Szene: Der Osten der Stadt entwickelt sich peu à peu zum neuen Kunstzentrum. Und mittendrin das Atelierfrankfurt mit seinen 130 Ateliers und Ausstellungsräumen. Mit einer Benefizauktion unterstützt Christie’s am 11.September den Umbau dieses alten Lagerhauses zum Künstlerhaus. 250.000 Euro wurden schon über Spenden eingeworben, den Rest der Kosten soll die Versteigerung unter der Leitung des Christie’s-Auktionators Arno Verkade decken. Die Kataloge führen viele bekannte Namen wie Thomas Bayrle, Tobias Rehberger (auch sein neues Atelier liegt im Osthafen), Tomas Saraceno und Johanna Diehl. Von Bayrle wird das Gemälde „Fontana“ aus dem Jahr 1986, dreißig mal 24 Zentimeter groß, mit einem Startpreis von 2000 Euro angeboten. Ins Künstlerhaus selbst sind auch die Galeristen Anita Beckers und Heike Strelow gezogen.

Die Art Berlin Week passt eigentlich, als von der Stadt organisierte Kunstwoche, nicht richtig in diese Reihe, und doch wirkt sie als Zugpferd für viele wichtige Eröffnungen in der Hauptstadt. Teil der Art Week ist natürlich auch wieder die Verkaufsschau abc (art berlin contemporary), an der allein 110 internationale Galerien teilnehmen, die jeweils nur einen Künstler vorstellen dürfen. Das Gesamtprogramm ist unüberschaubar. Da muss man sich auf die eigene Neugier verlassen. Was wohl hinter dem Titel „Some Lesser Known Rituals of Wimbledon“ in der Galerie Soy Capitán steckt?

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