31.03.2010 · Der türkische Ministerpräsident Erdogan fordert von Deutschland die Gründung türkischer Gymnasien (liseler) in Deutschland, an denen nach Vorgaben des türkischen Erziehungsministeriums in türkischer Sprache unterrichtet wird (F.A.Z.
Der türkische Ministerpräsident Erdogan fordert von Deutschland die Gründung türkischer Gymnasien (liseler) in Deutschland, an denen nach Vorgaben des türkischen Erziehungsministeriums in türkischer Sprache unterrichtet wird (F.A.Z. vom 25. März). Er begründet dieses Ansinnen unter anderem mit der Behauptung, dass es in der Türkei auch deutsche Gymnasien gäbe.
In der Türkei gibt es nur ein deutsches Gymnasium, das Alman Lisesi in Istanbul. Dies ist eine Privatschule in der Trägerschaft eines Schulvereins - ein türkischer Verein -, der nicht nur Vertragspartner des Lehrkörpers und der Angestellten, sondern auch der Bundesrepublik Deutschland ist. Die Schule ist dem türkischen Erziehungsministerium unterstellt. Die Mehrzahl der Lehrer sind Deutsche und von den Bundesländern für diese Aufgabe zeitlich begrenzt beurlaubt. Ihre Arbeit wird von Deutschland vergütet. Maximal 15 Prozent der Schüler sind deutsche Staatsbürger. Die Teilnahme an den deutschen Abiturprüfungen ist freiwillig und offen für alle Schüler der Abschlussklassen (G8). Deutsch ist Unterrichtssprache für alle nicht türkischen Schüler, für die türkischen nur in Mathematik, in den Naturwissenschaften und in den Fremdsprachen.
Das staatliche Istanbul Lisesi ist eine koedukative Eliteschule, deren Schülerauswahl nach strengen Leistungs- und Begabungskriterien erfolgt. In deutscher Sprache wird dort Deutsch, Mathematik und Naturwissenschaft von dafür beurlaubten deutschen Lehrern erteilt, die auch von Deutschland besoldet werden. Seit 2002 kann auch dort das deutsche Abitur abgenommen werden. In der Türkei gibt es kein Abitur, sondern nur ein Diplom, das dem oder der Betreffenden bescheinigt, die Abschlussklasse eines Lise besucht zu haben. Dieses Diplom berechtigt nicht zum Studium an einer türkischen Universität, sondern nur zur Teilnahme an den zentralen Universitätsaufnahmeprüfungen. Auch an den auf Betreiben der deutschen Regierung 1987 eingerichteten und subventionierten neun koedukativen Anadolu-Liseleri (Istanbul, Ankara, Izmir, Adana, Erzincan) wird Deutsch von deutschen Lehrern erteilt, die von Deutschland mitbesoldet werden. Diese Schulen wurden eingerichtet (Ausnahme: Çagalogu Anadolu Lisesi in Istanbul), um aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zurückkehrenden Kindern die Übersiedlung zu erleichtern. Eine Erfolgsgeschichte sind sie nicht.
Dr. Gerhard Krüger, Küssaberg