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Der Herr der teuersten Steine

21.12.2008 ·  Laurence Graffs Weg von der elterlichen Einzimmerwohnung im Londoner East End in die exklusive Bond Street ist mit Brillanten gepflastert. Seine Biographie liefert den Stoff, aus dem Märchen sind: vom Toilettenputzer zum führenden Diamantenhändler der Welt.

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Laurence Graffs Weg von der elterlichen Einzimmerwohnung im Londoner East End in die exklusive Bond Street ist mit Brillanten gepflastert. Seine Biographie liefert den Stoff, aus dem Märchen sind: vom Toilettenputzer zum führenden Diamantenhändler der Welt. Als Sohn russisch-jüdischer Einwanderer geboren, wurden ihm allenfalls Lebensweisheiten in die Wiege gelegt. Sein Vater war ein armer Schneidermeister, der mit geliehenem Geld ein Geschäft gründete, das schiefging. Er brachte dem Sohn bei, dass Rückschläge nicht einfach hinzunehmen seien, sondern mit Fleiß zu überwinden. Als Graff mit vierzehn Jahren die Schule verließ, verschaffte ihm die Mutter eine Lehrstelle bei einem Juwelier, wo er, wie er sich später lachend erinnerte, lediglich lernte, Fußböden zu scheuern, Toiletten zu reinigen und Botengänge zu machen.

Nach wenigen Monaten gab man ihm den Laufpass. Graff fand eine andere Stelle, als Handwerksbursche. Als die Firma in Konkurs ging, machte sich der Siebzehnjährige selbständig. Mit Reparaturarbeiten hielt er sich über Wasser - und entwarf nebenbei Ringe mit Halbedelsteinen nach viktorianischem Geschmack. Anfang der sechziger Jahre eröffnete er in Hatton Garden, dem Londoner Juwelenviertel, einen Laden. Das Geschäft lief zäh, und so versuchte Graff mit einem Koffer voller Probestücke als Handlungsreisender im Fernen Osten sein Glück. In Singapur entdeckte ihn der Sultan von Brunei, damals noch Kronprinz des ölreichen Staats. Seitdem hat Graff nie mehr zurückgeschaut: Die bedeutendsten Steine der Welt sind durch seine Hände gegangen. Sie klingen wie exotische Blumen oder romantische Romantitel: "The Idol's Eye", "The Emperor Maximilian", "The Hope of Africa", "The Pink Orchid". Und jetzt besitzt er eben auch den "Blauen Wittelsbacher", jenen indischen Diamanten, der einst die bayerische Krone zierte und seit kurzem der teuerste Stein ist, der je zur Auktion gelangte (F.A.Z. vom 10. und 11. Dezember). Den bisherigen Rekord hatte freilich auch Graff aufgestellt, 1995 in Genf.

Sein Unternehmen hat mehr als 25 Niederlassungen, er zählt Scheichs, Könige und Stars zu seinen Kunden, besitzt ein Immobilienportfolio, das von Mayfair über Südfrankreich bis New York reicht, eine Yacht, ein Privatflugzeug, eine Sammlung moderner Kunst und was sonst noch zum Milliardärsdasein gehört. Vor einigen Jahren hat er eine südafrikanische Diamantenmine in sein Imperium eingegliedert, so dass er vom Rohdiamanten bis zur Fassung jedes Stadium überwachen kann. Vor allem aber verfügt Laurence Graff über ein Auge für Qualität, den Mut zum Risiko, ein flottes Mundwerk und die Einstellung, dass jeder Tag eine neue Gelegenheit bringt. GINA THOMAS

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