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Dauerleihgabe Ein Schiff kommt gefahren: Die Sammlung Rau geht im Arp-Museum in Rolandseck langfristig vor Anker

Ein größeres Konvolut der 743 Kunstwerke umfassenden Sammlung von Gustav Rau (1922 bis 2002), die der Stuttgarter Arzt, Philanthrop und Millionenerbe eines Autozulieferunternehmens dem Kinderhilfswerk Unicef vermacht hat, wird als Dauerleihgabe das Arp-Museum in Rolandseck bestücken.

Die Spatzen pfiffen es im Rheintal, zumindest zwischen Mainz und Remagen, schon von den Dächern, und so kommt das "fait accompli" nicht ganz überraschend: Ein größeres Konvolut der 743 Kunstwerke umfassenden Sammlung von Gustav Rau (1922 bis 2002), die der Stuttgarter Arzt, Philanthrop und Millionenerbe eines Autozulieferunternehmens dem Kinderhilfswerk Unicef vermacht hat, wird als Dauerleihgabe das Arp-Museum in Rolandseck bestücken. Heute wollen Vertreter der Landesstiftung Arp-Museum, von Unicef und Ernst Haug, der Nachlassverwalter Raus, den Vertrag unterzeichnen.

Andreas Rossmann Folgen:    

Frei geworden ist der Weg dafür erst in diesem Sommer, nachdem das Landgericht Konstanz den jahrelangen Streit um die Rechtmäßigkeit des Testaments von Gustav Rau beendet und Unicef als Alleinerben bestätigt hatte (F.A.Z. vom 13. August). Schon davor hatte es Kontakte zwischen Unicef und dem Kultusministerium von Rheinland-Pfalz gegeben, die innerhalb weniger Wochen Verhandlungen geführt und erfolgreich abgeschlossen haben. Unicef kommt damit dem Letzten Willen des Mäzens nach, der verfügt hat, dass die Kernsammlung, bestehend aus 153 Gemälden und Skulpturen, bis 2026 öffentlich gezeigt wird, während die übrigen Objekte nach und nach - zugunsten des Kinderhilfswerks - verkauft werden können. Mit der Präsentation in einem Museum dürfte der Wert der Werke weiter steigen, während der Leihgeber die Lager- und Versicherungskosten spart.

Der größere Gewinner dieser "win-win-Situation" aber ist das Arp-Museum, dem der zwar temporäre, doch langfristige Zuwachs nach den belastenden Querelen, die es mit dem privaten Arp-Verein um postume Güsse führte (zuletzt F.A.Z. vom 23. Oktober), neue Möglichkeiten eröffnet. Denn die Dauerleihgabe mit Werken von Fra Angelico, Guido Reni, Canaletto, Tiepolo, Cranach, Boucher, El Greco, Cézanne, Manet, Degas, Renoir, Pissarro, Monet, Liebermann oder Macke führt es aus seiner monographischen Enge und setzt den Patron des Hauses auf ein breites, von einem halben Jahrtausend europäischer Kunst gefestigtes Fundament.

Nach Informationen dieser Zeitung konnten Klaus Gallwitz, der Gründungsdirektor des Museums, und sein designierter Nachfolger Oliver Kornhoff nicht 153, sondern 230 Gemälde, Fresken und Skulpturen auswählen, darunter religiöse Kunst und Historienmalerei, Stillleben, Porträts und Genrebilder. Um sie als "Perlenkette" von Meisterwerken aneinanderzureihen, aber bräuchte es kein Museum, und so wird es darauf ankommen, was das Institut mit der nicht nach kunsthistorischen, sondern nach den subjektiven Kriterien eines Liebhabers zusammengetragenen Sammlung anfängt: wie es die Werke miteinander und zu Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp in Beziehung setzt, wie und ob es sie mit der Architektur von Richard Meier und der umgebenden Rheinromantik in Dialog treten lässt.

Die Chance, die sich dem umstrittenen Projekt, das bis heute einen Unterausschuss des Mainzer Landtags beschäftigt, auftut, ist so außerordentlich wie aussichtsreich: Ein Museum, das auf einem eher schmalem Grat gegründet wurde, hat plötzlich ein Pfund, mit dem es wuchern kann. Und genügend Zeit, um sich eigenständig zu entwickeln.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 28.10.2008, 17:05 Uhr