06.02.2012 · Der russische Konzern Gasprom hat eingestanden, die Gaszufuhr in die EU gedrosselt zu haben. Seit dem Wochenende haben sich die Lieferungen wieder verbessert. In Italien ist die Lage hingegen weiter „kritisch“.
Die EU-Kommission hat am Montag die Aussage des russischen, staatlich kontrollierten Erdgaskonzerns Gasprom bestätigt, dass sich die Lieferungen russischen Erdgases in die Länder der EU am Wochenende verbessert haben. Am Samstag hatte Gasprom zum ersten Mal eingestanden, dass es tatsächlich eine vorübergehende Reduktion der Gasexporte um rund 10 Prozent gegeben habe. Vertreter des russischen Konzerns sagten zudem, es werde wieder die normale Menge geliefert. Gasprom sei aber nicht in der Lage, die Nachfrage nach zusätzlichem Gas zu bedienen, hieß es.
Laut der EU haben sich die Lieferungen nach Deutschland, Italien und Rumänien zwar erhöht, sie hätten aber noch nicht das normale Volumen erreicht. Bulgarien, die Slowakei, Österreich, Ungarn, Polen und Griechenland würden wieder voll beliefert werden. Es gebe keinen Notstand in Europa. In Italien bezeichnete die Regierung die Lage jedoch als „kritisch“. Ausfälle russischer Lieferungen wurden bisher durch algerisches Erdgas und Entnahmen aus Gasspeichern kompensiert.
Sein Unternehmen bereite sich auf „schwierige Augenblicke“ vor, sagte Paolo Scaroni, der Vorstandsvorsitzende des Energiekonzerns Eni, am Sonntag. Aufgrund des frostigen Klimas war der Eigenverbrauch an Gas in Russland gestiegen, was zu einer geringeren Exporttätigkeit geführt hatte. Ministerpräsident Wladimir Putin forderte am Samstag von Gasprom zwar, die Nachfrage der ausländischen Kunden zu befriedigen. Er sagte jedoch auch, der Heimmarkt habe Priorität.
Dem Eingeständnis Gasproms war zuvor eine etwas verwirrende Kommunikation vorangegangen. Zunächst hatte es geheißen, der russische Konzern liefere sogar mehr Gas als üblich, bis dann am Samstag eine Reduktion der Lieferungen eingeräumt wurde. Zudem wurde die Ukraine beschuldigt, mehr Erdgas als vertraglich vereinbart zu verbrauchen. Gasprom deckt rund ein Viertel des Gasbedarfs der EU-Länder, rund 80 Prozent der Lieferungen laufen über das Territorium der Ukraine.
Laut der EU-Kommission erlauben die Langfristverträge von Gasprom mit den europäischen Abnehmern eine gewisse Flexibilität. Die Kürzung der Exporte zeigt jedoch auch, dass Gasprom die Produktion nicht zügig anpassen konnte. Der Staatskonzern berichtete, die Produktion betrage derzeit 1,6 Milliarden Kubikmeter Erdgas täglich, was eine Steigerung um bis zu 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeute. Vor einigen Jahren hatte Gasprom jedoch zu dieser Jahreszeit eine höhere Förderung als jetzt. Gasprom gibt an, die Produktion an Bedarfspläne anzupassen. In außergewöhnlichen Situationen kann diese Planung über den Haufen geworfen werden. Zudem bezieht Gasprom seit 2009 weniger Erdgas aus Zentralasien, das als Ausgleich zwischen Produktion und Nachfrage gedient hatte.
Mit der Wirtschaftskrise war insgesamt der Gasbedarf zurückgegangen. Kritische Stimmen werfen dem russischen Erdgas-Riesen aber auch vor, zu viel in Pipelines und zu wenig in die Förderung zu investieren. In diesem Jahr soll zumindest ein großes Erdgasfeld auf der Halbinsel Jamal ans Netz gehen, um den Produktionsrückgang auf den reifen, westsibirischen Feldern aufzufangen. Putin brachte die Lieferprobleme aber mit fehlenden Pipeline-Kapazitäten in Verbindung, die gesichert sein müssen, bevor die Produktion ausgebaut wird.