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Die Zeit der Dollar-Baissiers

02.05.2006 ·  So schwach wie in diesen Tagen war der Dollar schon lange nicht mehr: Deutlich mehr als 1,26 Dollar müssen für einen Euro bezahlt werden, soviel wie zuletzt im Mai 2005. Im Austauschverhältnis zum Yen ist es ganz ähnlich; dort genügen inzwischen rund 113,30 Yen, um einen Dollar zu kaufen.

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So schwach wie in diesen Tagen war der Dollar schon lange nicht mehr: Deutlich mehr als 1,26 Dollar müssen für einen Euro bezahlt werden, soviel wie zuletzt im Mai 2005. Im Austauschverhältnis zum Yen ist es ganz ähnlich; dort genügen inzwischen rund 113,30 Yen, um einen Dollar zu kaufen. Das war zuletzt vor einem halben Jahr der Fall. Und auch weniger prominente Währungen wie der kanadische Dollar oder der koreanische Won verbuchen deutliche Kursgewinne. Der kanadische Dollar wird zu rund 0,90 Dollar gehandelt, so stark wie seit fast drei Jahrzehnten nicht mehr; der Won hat in den vergangenen sechs Monaten 11 Prozent zum Dollar zugelegt und ist damit erstmals wieder soviel wert wie vor der koreanischen Finanzkrise 1997.

Die Verschiebungen im Wechselkursgefüge sind wie immer das Ergebnis einer Vielzahl von Faktoren. Eine nicht unbedeutende Rolle, das hat die vergangene Woche bestätigt, spielen Veränderungen im Zinsausblick in den Vereinigten Staaten und andernorts. Der Chairman der amerikanischen Notenbank (Fed) Ben Bernanke hat die Akteure an den Finanzmärkten in einer Rede vor dem Kongreß darauf eingestellt, daß nach der weithin erwarteten Leitzinserhöhung in der kommenden Woche zunächst einmal Schluß sein könnte mit der geldpolitischen Straffung. Bernanke betonte zwar, daß eine Pause in der Zinsrunde nicht notwendigerweise deren Ende bedeuten müsse; doch zahlreiche Währungsstrategen sind davon überzeugt, daß sich die amerikanische Konjunktur in den kommenden Wochen und Monaten so weit abkühlen wird, daß weitere Zinsschritte nicht notwendig sein werden.

"Herr Bernanke hat das Spiel für die Märkte neu aufgelegt", sagt Ian Shepherdson von der unabhängigen Analysegesellschaft High Frequency Economics in New York. Seiner Ansicht nach haben die "Dollar-Baissiers" nun vorerst die Oberhand gewonnen, nicht zuletzt aufgrund einer Reihe positiver Wirtschaftsdaten aus dem Euro-Raum. In der Tat verleiht dem Euro der Umstand Auftrieb, daß die Europäische Zentralbank in den kommenden Monaten die Geldpolitik weiter straffen und sich der Zinsvorsprung des Dollar-Raums am kurzen Marktende verringern dürfte. Auch der kanadische Dollar profitiert von der Aussicht auf weiter steigende Notenbankzinsen, wenngleich die Stärke des "Loonie" auch mit dem hohen Ölpreis zu erklären ist.

Die Dollar-Baissiers, die im vergangenen Jahr böse auf dem falschen Fuß erwischt wurden, schöpfen ihre neu gewonnene Zuversicht aber nicht nur aus dem Zinsausblick. Sie haben zudem das Gefühl, daß nun sogenannte "strukturelle Faktoren" wieder mehr in den Vordergrund des Geschehens an den Devisenmärkten rücken. Dazu zählen die "globalen Ungleichgewichte" in den Leistungsbilanzen mit dem hohen Defizit der Vereinigten Staaten auf der einen und den hohen und steigenden Überschüssen asiatischer und ölexportierender Länder auf der anderen Seite.

"Die jüngsten Kursbewegungen des Dollar stehen ganz im Einklang mit unserer lange gehaltenen Einschätzung, daß der Dollar zu den Währungen asiatischer und anderer starker Schwellenländer abwerten muß", sagt Mike Buchanan von der Investmentbank Goldman Sachs. Buchanan und andere Ökonomen argumentieren seit langem, daß es auf Dauer zu einer Anpassung der Leistungsbilanzsalden kommen muß, ausgelöst durch eine Aufwertung der Währungen der Überschußländer und eine Abwertung des Dollar. Der Banker verweist in diesem Zusammenhang auch auf die jüngsten Äußerungen der Finanzminister der Siebenergruppe (G 7) und des Internationalen Währungsfonds, welche die Ungleichgewichte und die Notwendigkeit eines gemeinsamen politischen Vorgehens in den Mittelpunkt ihrer Beratungen gerückt hatten. "Die G 7 und der IWF haben die Tür zu einer breitangelegten Dollar-Abwertung ein Stück weiter aufgestoßen", sagt Buchanan. Goldman Sachs setzt darum auf Kursgewinne zum Dollar von Währungen, die in einem von den Strategen der Bank gefüllten "Globalisierungs-Korb" enthalten sind: Darin finden sich der südafrikanische Rand, der mexikanische Peso, der brasilianische Real, der koreanische Won, die indonesische Rupiah, der kanadische Dollar, die indische Rupie und der russische Rubel. CLAUS TIGGES

Quelle: F.A.Z., 03.05.2006, Nr. 102 / Seite 25
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