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Der neue Knut

08.01.2008 ·  Jetzt hat auch Nürnberg ein Eisbärchen

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Einen Namen hat der neue Star des Boulevards noch nicht, aber schon viele Freunde: der kleine Eisbär im Nürnberger Tiergarten, der am Dienstag von seiner Mutter getrennt wurde. Nicht nur die Spezies der Bärenfreunde, die seit der wunderbaren Kindheitsgeschichte des berühmtesten lebenden Berliners - in der ganzen Welt als "Knut" bekannt - in die Millionen geht, ist um sein Wohl bedacht; auch mediale Fachleute wie der CSU-Politiker und bayerische Europaminister Markus Söder sind an seiner Seite.

Söder hatte in gewohnter Präzision am Dienstag die Zeichen der Zeit erkannt und dem Nürnberger Geschehen um den kleinen Eisbären einen drehbuchtauglichen Titel gegeben: "Absolut herzlos". Gemeint war damit die Leitung des Nürnberger Tierparks, die sich bei einem doppelten Mutterglück in ihrer Eisbärenpopulation zunächst für eine Anti-Knut-Linie entschieden hatte. Die Eisbärendamen Vera und Vilma, die beide vor einigen Wochen Nachwuchs zur Welt gebracht hatten, sollten zunächst ungestört ihre Mutterinstinkte erproben können. Eine Aufzucht durch Tierpfleger - wie sie in Berlin nötig war, nachdem Knuts Mutter ihren Nachwuchs verstoßen hatte - sollte in Nürnberg möglichst vermieden werden. Die Frage der Handaufzucht, sonst eher für Fachgespräche unter Artenschutzexperten geeignet, stieg allerdings in den medialen Pegeln unaufhörlich nach oben - bis sie die Söder-Marke erreichte, als die Sprösslinge von Vilma nicht mehr auffindbar waren. Die Öffentlichkeit erfuhr nicht nur, dass nicht auszuschließen sei, dass Vilma ihren geschwächten Nachwuchs aufgefressen haben könnte. Bärenfachleute für die Handaufzucht von Bären wie Söder prangerten Versäumnisse der Tiergartenleitung an, mag unter Fachleuten auch die Handaufzucht von Eisbären umstritten sein: "Man hätte die Kleinen retten müssen." Die so Attackierten handelten schließlich, als Vera ihren Nachwuchs aus der Wurfhöhle holte und durch das Gehege trug - der kleine Eisbär wurde zum Adoptivfall für Tierpfleger erklärt. "Wohlauf und hervorragend ernährt" ist nach Angaben des Tierparks der "neue Knut". (ff.)

Quelle: F.A.Z., 09.01.2008, Nr. 7 / Seite 7
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