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Der deutsche Mittelstand erholt sich

05.10.2004 ·  Geschäftslage bessert sich / Aber abgeschwächte Umsatzerwartungen / Investitionen kommen nicht in Bewegung

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him. MÜNCHEN, 5. Oktober. Der zaghafte Wirtschaftsaufschwung kommt nach Ansicht des Verbandes der Vereine Creditreform auch dem Mittelstand zugute. Die 2002 erreichte Talsohle sei wohl verlassen, sagte Helmut Rödl, der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, zur Präsentation der Herbstumfrage in München. "Ein bißchen Dur, ein bißchen Moll, aber kein Grund für Deutschland, in Sack und Asche zu gehen." Etwas mehr als ein Viertel der befragten kleinen und mittleren Unternehmen hätten zuletzt ihre Lage als gut oder sehr gut beschrieben. Vor einem Jahr waren es 22,7 Prozent gewesen. 26,6 (Vorjahr 23,3) Prozent berichteten von steigenden Umsätzen.

Die Aussichten beurteilt der deutsche Mittelstand aber verhaltener als im Herbst 2003: Nur noch 20,9 (22,1) Prozent der Unternehmen erwarten zunehmende Erlöse. Mit einer besseren Ertragslage rechnen allerdings 23,8 (19,8) Prozent. Rödl begründete dies vor allem mit den gesenkten Kosten in den Unternehmen. Die Lage der Branchen faßte er mit den Worten zusammen: "Verarbeitendes Gewerbe und der Großhandel geben Anlaß zur Hoffnung, mit dem Einzelhandel und dem Bau geht es dagegen weiter abwärts."

Lichtblicke erkennt Creditreform auf der Personalseite. 9,5 (7,8) Prozent der Befragten kündigten das Schaffen neuer Stellen an, aber immerhin noch 19,7 (22,9) Prozent planen den Abbau von Arbeitsplätzen. "Der Mittelstand versucht, Arbeitsplätze zu halten", berichtete Rödl. "Das ist schon eine positive Nachricht." Auf dem Arbeitsmarkt wirkt sich dies bisher nach den Daten des Verbands jedoch nicht aus. Creditreform rechnet damit, daß in diesem Jahr 600000 Arbeitsplätze von Insolvenzen zumindest bedroht sind, 50000 weniger als 2003. Neu gegründete Unternehmen werden dagegen in diesem Jahr nach Rödls Schätzung nur rund 300000 Stellen schaffen. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen wird sich nach der Prognose von Creditreform mit 39000 bis 41000 in diesem Jahr im Vergleich mit 2003 nur wenig verändern. Wegen der Zunahme der Insolvenzen von Privatpersonen rechnet der Verband aber insgesamt mit einem Anstieg von 100000 auf bis zu 115000.

Zurückhaltend bleibt der Mittelstand mit seinen Plänen für die Zukunft. "Die Investitionen kommen leider nicht in Bewegung", sagte Rödl. Der Anteil der Investitionswilligen sei seit Herbst 2003 nur um einen halben Prozentpunkt auf 34,9 Prozent gestiegen. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr legten die Unternehmen nun ein größeres Gewicht auf Ersatz- und weniger auf Erweiterungsinvestitionen. Als Branchen mit der größten Investitionsbereitschaft nannte Rödl die Informationstechnik sowie die Forschung und Entwicklung.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2004, Nr. 233 / Seite 11
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