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Darts Selbst Taylor schwärmt vom „Maximizer“

In London beginnt am Freitagabend die Darts-Weltmeisterschaft. Mit dabei ist der erst 16 Jahre junge Max Hopp. Das Talent gilt als größte Hoffnung für einen Aufschwung des Sports in Deutschland.

© PDC-Europe Vergrößern Max Hopp: Hoffnungsträger des deutschen Darts

In den vergangenen Tagen ist Max Hopp des Öfteren in die Sauna gegangen. Das ist für einen 16 Jahre alten Jugendlichen eher ungewöhnlich. Hopp ging es allerdings nicht um Entspannung und Vergnügen bei extremer Luftfeuchtigkeit und hohen Temperaturen. Er wollte sich nur professionell auf den bisherigen Höhepunkt seiner Sportlerkarriere vorbereiten. Denn bei ähnlichen Bedingungen tritt er am Samstagabend zu seinem Vorqualifikationsspiel bei der am heutigen Freitag beginnenden Darts-Weltmeisterschaft in London an (21.15 Uhr deutscher Zeit; Sport1 zeigt das Spiel zeitversetzt um 22 Uhr und beginnt sein 60-Stunden-Programm am Freitagabend um 20.15).

„Im Alexandra Palace, wo das Turnier stattfindet, ist es im Scheinwerferlicht oben auf der Bühne weit mehr als 50 Grad heiß“, sagt der in Idstein lebende Hopp. „In der Sauna wollte ich mich da ein wenig dran gewöhnen.“ Eine weitere Herausforderung bei seiner Partie gegen den Südafrikaner Charl Pietersen wird der Lärm sein, den die 3000 Zuschauer in der liebevoll „Ally Pally“ genannten Veranstaltungshalle im Londoner Norden erzeugen werden.

Die Darts-WM ist nämlich nicht nur ein Turnier für die besten Pfeilewerfer des Erdballs, sondern auch ein bierseliges Volksfest in der Vorweihnachtszeit und zwischen den Jahren. Fast alle Veranstaltungstage bis zum Endspielabend an Neujahr sind seit Wochen ausverkauft, bei dem Kultevent herrscht eine Atmosphäre wie im Oktoberfestzelt.

Zweitjüngster WM-Teilnehmer in der Geschichte des Sports

Für Hopp, der im vergangenen Jahr schon einmal als Zuschauer die Stimmung miterlebt hat, wird das immer neue Runterspielen der 501 Punkte mittels möglichst wertvoller Treffer auf der Dartscheibe vor einer solchen Kulisse eine neue Erfahrung sein. Erstmals hat er sich für die Weltmeisterschaft der PDC, der führenden von zwei konkurrierenden Profivereinigungen, qualifiziert. Neben ihm steht nur noch ein weitere Deutscher, Andrée Welge, im Feld der 72 Teilnehmer.

Dart World Cup 2012 © dpa Vergrößern Lob vom Meister: Phil Taylor hält viel von Max Hopp

Hopp ist mit seinen 16 Jahren zudem der zweitjüngste Spieler in der Geschichte dieses Turniers, weshalb selbst Phil Taylor, mit 15 Titelgewinnen Rekordweltmeister und in seiner dartsverrückten Heimat England als Sportlegende anerkannt, in höchsten Tönen von dem jungen Deutschen schwärmt. „Max ist außergewöhnlich. Er ist gut und dabei erst 16 Jahre alt“, sagt der 52 Jahre alte Brite. „Man weiß nie, was bei der Weltmeisterschaft passiert. Ich denke, dass er sich gut schlagen wird. Wer auch immer gegen ihn spielen muss, wird schlaflose Nächte haben. Ich freue mich sehr darauf, ihn bei der WM wiederzusehen.“

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Tatsächlich gilt der junge Deutsche in der Szene als ein hoffnungsvolles Talent in dem Spiel mit den Pfeilen, bei dem es in einzelnen Spielen und Sätzen darum geht, aus 2,37 Metern Entfernung mit weniger Versuchen als der Gegner die 501 Punkte herunterzuspielen. Das wertvollste der 82 Felder ist dabei das Dreifach-20-Feld, das den Spieler stets gleich um 60 Punkte dem Ziel näherbringt.

Vorschusslorbeer für den „young german teenager“

Den kürzesten Weg zur „0“ mit neun Würfen haben bei einer WM freilich erst zwei Spieler geschafft. Statt mit einem sogenannten „Nine-Darter“, der einen Stellenwert wie ein „Ass“ im Golf besitzt, werden Spiele meist eher nach dem zwölften bis 18. Pfeil beendet. Als zusätzliche Erschwernis muss der letzte der 501 Zähler mittels eines Treffers in ein Doppelfeld erzielt werden. Hopps Lieblingsfeld für das sogenannte „Auschecken“ ist die Doppel-16. „Aber es ist etwas völlig anderes, ob man das im Training treffen will oder auf der Bühne“, sagt Hopp, der mit seinem Drei-Wurf-Schnitt von 93 derzeit noch mehr als sieben Zähler hinter der Weltelite liegt.

Bei der Auslosung für die WM wurde er dennoch mit Vorschusslorbeer überschüttet und wegen seines jugendlichen Alters als „young german teenager“ besonders hervorgehoben. Für die deutsche Darts-Szene könnte Hopp gar seinem an den Vornamen angelehnten Spitznamen „Maximizer“ gerecht werden und nicht nur das Maximale aus seinen Möglichkeiten machen. Zudem könnte er gar der seit langem ersehnte Spieler sein, der den Sport in Deutschland in der öffentlichen Wahrnehmung aus dem Nischendasein in Kneipen und Hinterhöfen hervorholt.

Zwar wächst die Szene der ambitionierten Wettkampfspieler seit Jahren, der Durchbruch mit einem Überraschungserfolg bei den meist von Taylor und seinen englischen Landsleuten dominierten Turnieren blieb den älteren Landsleuten der aktuellen deutschen Nummer eins indes verwehrt.

Erstes Dartboard zu Weihnachten

Der junge Rechtshänder aber verfolgt sein Ziel nun mit aller möglichen Konsequenz. Neben seiner kaufmännischen Ausbildung konzentriert er sich derzeit voll auf seinen Sport, den er im Alter von 12 Jahren nach einem folgenschweren Handballunfall für sich entdeckte. „Ich habe damals erstmals die WM im Fernsehen gesehen und mir direkt zu Weihnachten ein Dartboard und Darts gewünscht“, sagt er. Wenig später gewann Hopp schon erste regionale Jugendturniere, dann machte er international beim Nachwuchs auf sich aufmerksam.

Starke Auftritte im Herbst, als er in den Niederlanden zwei ehemalige Spitzenspieler geschlagen hat, und der Sieg im WM-Qualifikationsturnier in Bielefeld im November bescherten ihm schließlich das letzte Ticket für die Weltmeisterschaft. „Das wird eine Riesenerfahrung für mich. Und es ist für mich ein erster Erfolg auf meinem Weg zum ersten Zwischenziel“, sagt der Idsteiner. „Ich möchte möglichst schnell unter die Top 32 der Weltrangliste kommen.“

Diese Plazierung würde ihm die Teilnahme an den großen Turnieren sichern, die allesamt in England im Fernsehen übertragen werden und entsprechend lukrativ sind. In einem Trailer für den deutschen Dart-Sender Sport1 formuliert Max Hopp sein Karriereziel indes schon etwas mutiger: „Ich will Weltmeister werden.“

Quelle: F.A.Z.

 
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