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Chinas Banken leiden an eigenen Schwierigkeiten

23.01.2008 ·  Die Kreditkrise in Amerika beobachten sie genau. Aber hausgemachte Probleme wiegen in der Volksrepublik China noch schwerer als die Folgen der Kreditkrise.

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che. SINGAPUR, 23. Januar. Die von Amerika ausgehende Kreditkrise rückt auch die Banken Chinas wieder ins Rampenlicht. Denn einerseits scheinen sich einige von ihnen stärker verspekuliert zu haben, als bislang bekannt war. Zum anderen wirft eine drohende Rezession in Amerika die Frage auf, wie gut die Banken Chinas wirklich aufgestellt sind. Denn ein Rückgang der Ausfuhren Chinas könnte dessen Überkapazitäten sichtbar werden lassen. Damit aber drohte die immer noch hohe Zahl fauler Kredite zutage zu treten.

Im Mittelpunkt steht derzeit die Bank of China (BoC). Immer lauter wurden in den vergangenen Tagen die Gerüchte, die drittgrößte der vier großen Staatsbanken stürze aufgrund ihrer Fehlspekulationen in Amerika in die Verlustzone. Diesen Spekulationen trat die Bank of China dann in den Nacht auf Mittwoch entgegen: Sie werde für das vergangene Geschäftsjahr einen Gewinn nach Steuern ausweisen, der über den 47,15 Milliarden Yuan (4,5 Milliarden Euro) des Vorjahres liege. Zuvor hatten die Analysten von Credit Suisse gewarnt: "Von Chinas großen Banken dürfte die BoC den größten Gewinneinbruch erleiden. Ihr Aktienkurs könnte weiter unter Druck kommen." So viel ist klar: Die BoC selber hat eingeräumt, mit 7,95 Milliarden Dollar in nachrangigen Immobilienkrediten in Amerika engagiert zu sein. Dafür haben die Chinesen Ende September eine Rückstellung von gerade einmal 483 Millionen Dollar vorgenommen. BNP Paribas warnte nun, BoC werde 4,8 Milliarden Dollar abschreiben müssen.

Sosehr die Sorgen in Amerika nun aber auch die chinesischen Banken drücken, ihre Sorgen auf dem Heimatmarkt sind noch um einiges größer. Die Hongkonger Tageszeitung "South China Morning Post" bringt es auf den Punkt: "Es ist das Kreditbuch in China selber, das die größte Gefahr darstellt, es sind nicht die Auslandsinvestitionen."

Die günstigen Bedingungen, unter denen die chinesischen Banken in den vergangenen Monaten arbeiteten, werden weiter schwinden. Denn zweifelsohne greift die Politik noch stärker als bislang in das volkswirtschaftliche Geschehen ein. So schraubt Peking die Reserveanforderungen an die Geldinstitute weiter herauf, wodurch deren Margen sinken. Erst vergangene Woche stiegen die Rücklagenforderungen auf 15 Prozent der Einlagen - den höchsten Stand seit mehr als 20 Jahren. Zeitgleich aber kühlen sich Immobilien- und Aktienmarkt im Gleichklang ab und mindern so einen bislang lukrativen Strom von Einnahmen. Der Anteil der Gebühren aus privaten Aktiengeschäften an den gesamten Gebühreneinnahmen bei Marktführer Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) war während der Aktieneuphorie in der ersten Hälfte vergangenen Jahres auf 43 Prozent gestiegen.

Im ersten Halbjahr 2006 hatten die Wertpapiergeschäfte aber nur den "normalen Anteil" von 25 Prozent beigetragen. "Wir rechnen damit, dass sich diese Gebühreneinnahmen in diesem Jahr halbieren werden", sagt Dorris Chen, Analyst von BNP Paribas. Chen räumt die Fehleinschätzungen der eigenen Branche ein: "Beim aggressiven Hochschrauben der Preisvorstellungen von Bankaktien seit Juli 2007 wurden negative Entwicklungen in Schlüsselbereichen übersehen, einschließlich eines langsameren Kreditwachstums aufgrund strafferer Regeln und höherer Zinsen, signifikanter Rückgänge bei den Gebühreneinnahmen und einer Abnahme der Qualität von Anlagen." So stieg die Erwartung an die Gewinne zwischen Juli und November für die Branche in China um 24 Prozent, die Zielkurse hoben die Analysten im selben Zeitraum aber um 57 Prozent an.

Angesichts des Desasters im Westen kommt nun auch die Frage auf, ob diejenigen Banken, die sich verspekuliert haben, ihre Bilanzen durch den Verkauf ihrer Anteile an chinesischen Instituten aufbessern werden. Immerhin verzeichnen sie nach der Rallye des vergangenen Jahres immer noch hohe Buchgewinne, und die ersten Haltefristen beginnen abzulaufen. Die Bank of America hat schon angekündigt, ihren Anteil an der China Construction Bank (CCB) verringern zu wollen. 3 Milliarden Dollar hatten die Amerikaner 2005 dafür gezahlt - auch nach dem jüngsten Kursrutsch in China ist er noch gute 10 Milliarden Dollar wert.

Singapurs Staatsfonds Temasek Holdings hat seine Beteiligungen an CCB und der BoC schon verringert. Zwar dürfte es manchem Bankier nun reizvoll erscheinen, verbleibende Gewinne in China zu realisieren, um Verluste in Amerika zu decken. Langfristig aber brauchen die Ausländer die Anteile, um im Wachstumsmarkt China mithalten zu können. So betont denn auch Richard Stanley, China-Chef der Citibank, seine Wachstumspläne in der Volksrepublik seien durch die Schwäche des eigenen Hauses nicht gefährdet.

Inzwischen warnen aber auch chinesische Experten: Der Chef der Bankenaufsicht, der hochangesehene Liu Mingkang, warnte vor einer wachsenden Verletzlichkeit der chinesischen Finanzinstitute. "Die Finanzkrise in Amerika ist eine klare Lektion für uns. Die Banken mit einer besseren Unternehmensführung werden in dieser makroökonomischen Situation weniger leiden." Die Linie zwischen den Banken verlaufe nicht zwischen "größer" und "kleiner", sondern zwischen "besser" und "schlechter", mahnte Liu. Die Regulierungsbehörden erklärten, chinesische Banken hätten im vergangenen Jahr die enorme Summe von 860 Milliarden Yuan (82,13 Milliarden Euro) irregulär verwendet. Dies entspricht dem Siebzehnfachen dessen, was die Analysten von BNP der BoC als Verlust in ihren Amerika-Geschäften unterstellen.

Quelle: F.A.Z., 24.01.2008, Nr. 20 / Seite 16
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