21.07.2006 · Schon lange hat Kubas Revolutionsführer Fidel Castro sein Inselreich nicht mehr verlassen, und als er es jetzt doch wieder einmal tat, kam die Bestätigung erst, daß er am Gipfeltreffen der Mercosur-Staaten in der argentinischen Stadt ...
Schon lange hat Kubas Revolutionsführer Fidel Castro sein Inselreich nicht mehr verlassen, und als er es jetzt doch wieder einmal tat, kam die Bestätigung erst, daß er am Gipfeltreffen der Mercosur-Staaten in der argentinischen Stadt Cordoba als Ehrengast teilnehmen würde, als er schon in der Luft war. Nach dem achtstündigen Flug wirkte der "Coman- dante en jefe" in seiner olivgrünen Uniform müde, aber aufgeräumt, fast heiter (unser Bild). Aber er ließ sich sofort ins Hotel fahren und erschien nicht zu dem Abendessen, das Argentiniens gastgebender Präsident Nestor Kirchner für alle angereisten Staats- und Regierungschefs hatte anrichten lassen. Die Beziehungen zwischen Argentinien und Kuba sind allerdings belastet. Castro hat bis dato nicht einen Brief beantwortet, in dem Kirchner ihn darum bat, einer kubanischen Ärztin die Ausreise zu ermöglichen, um ihre argentinischen Enkel zu besuchen.
Für Castro lohnt sich die Reise schon deshalb, weil er aus Cordoba einen für Kuba äußerst vorteilhaften Handelsvertrag mit nach Hause nehmen kann, die wichtigste Vereinbarung mit einem Handelsblock seit dem Ende der Sowjetunion, wie kubanische Diplomaten betonen. Die Übereinkunft sieht die Befreiung von Abgaben für 2700 Produkte vor und vereinheitlicht die Handelsbedingungen zwischen den einzelnen Mercosur-Staaten und Kuba. Mit ihr wird das von den Vereinigten Staaten gegen Kuba verhängte Embargo in mancherlei Hinsicht demonstrativ unterlaufen.
Außer Castro blieben auch die Präsidenten Brasiliens und Venezuelas, Luiz Inacio Lula da Silva und Hugo Chavez, dem Galadinner fern. Lula paßt offenbar die Protagonistenrolle nicht, die Chavez sich selbst und dem Mercosur-Neuling Venezuela zumißt. Während Chavez nach seiner Ankunft unterstrich, in Cordoba werde das Bündnis neu gegründet, bekräftigte Lula, Argentinien und Brasilien seien im Mercosur das, was Frankreich und Deutschland in der EU seien. (oe.)