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Burma ruft Notstand aus

Gewalt zwischen Muslimen und Buddhisten dauert an

fäh. Singapur, 22. März. Der burmesische Präsident Thein Sein hat nach gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Buddhisten und Muslimen am Freitag den militärischen Notstand in dem betroffenen Gebiet ausgerufen. Einem Bericht der Nachrichtenagentur AFP zufolge zog nach Ablauf der nächtlichen Ausgangssperre wieder ein wütender Mob durch die Straßen der Stadt Meiktila etwa 150 Kilometer südlich der Regionalhauptstadt Mandalay. Die Zahl der Toten lag nach Presseberichten bei mehr als 20. Dutzende Menschen wurden verletzt. Bildmaterial, das aus der Stadt stammen soll, ließ das Ausmaß der Zerstörung durch die Unruhen erahnen, in deren Verlauf offenbar ganze Wohnviertel dem Erdboden gleichgemacht worden waren. Die Aufnahmen zeigten brennende Häuser, verkohlte Leichen und flüchtende Menschen, die mit Steinen beworfen wurden.

Die Unruhen waren am Mittwoch ausgebrochen, nachdem ein Kunde mit einem muslimischen Goldhändler in dessen Geschäft in Streit über den Verkauf eines Schmuckstücks geraten war. Mindestens 200 Menschen waren danach auf das Geschäft und die benachbarten Häuser losgegangen und hatten sich Straßenschlachten geliefert. Später hatten sich die Auseinandersetzungen auf andere, teilweise von Muslimen bewohnte Gebiete ausgeweitet. Mindestens eine Moschee wurde in Brand gesetzt. Der Berichterstattung des amerikanischen Senders „Radio Free Asia“ zufolge hatte es schon seit längerem unterschwellige Spannungen zwischen der buddhistischen Mehrheitsbevölkerung und den Muslimen in der Stadt gegeben. Schätzungen nach leben in Meiktila etwa 100000 Menschen. Etwa ein Drittel sind Muslime.

Beobachter wurden mit den Worten zitiert, dass sie eine Ausbreitung der Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern der verschiedenen Religionen wie bei einem Flächenbrand befürchteten. Die Ausschreitungen erinnerten an die Gewalttätigkeiten zwischen Angehörigen der buddhistischen Rakhaing-Bevölkerungsgruppe und muslimischen Rohingyas im vergangenen Jahr im Westen des Landes mit 180 Toten und mehr als 100000 Vertriebenen. In den betroffenen Gebieten in Richtung der Grenze zu Bangladesch herrscht seitdem eine Art Rassentrennung. In der Umgebung der Regionalhauptstadt Sittwe leben Zigtausende Rohingyas unter prekären Bedingungen in Flüchtlingslagern.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 22.03.2013, 16:21 Uhr