21.06.2006 · F.A.Z. MÜNCHEN, 21. Juni. Braunbär Bruno ist wieder einmal knapp entwischt. Nach einem Bericht des Bayerischen Rundfunks hatten die finnischen Bärenjäger, die seit Tagen im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet nach Spuren Brunos ...
F.A.Z. MÜNCHEN, 21. Juni. Braunbär Bruno ist wieder einmal knapp entwischt. Nach einem Bericht des Bayerischen Rundfunks hatten die finnischen Bärenjäger, die seit Tagen im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet nach Spuren Brunos suchen, das Tier am Mittwoch in Tirol unweit des Achensees gestellt. Doch "JJ1", wie der Bär auch genannt wird, ist ihnen abermals entkommen, berichtete der Sender unter Berufung auf einen ortsansässigen Jäger. Eine Sprecherin der Umweltorganisation WWF bestätigte diese Darstellung. Erst vergangenes Wochenende war Bruno davongekommen, als ihn einer der finnischen Suchhunde nahe Lenggries in Oberbayern erstmals gestellt hatte.
In der Nacht zum Mittwoch war der Braunbär im Bezirk Schwaz in Tirol erschienen. Ein Bewohner des Ortsteils Häusern von Maurach am südlichen Ende des Achensees meldete, daß Bruno um 0.56 Uhr "mit großem Lärm" an seinem Haus vorbeigerannt sei. Der Bär habe den Lichtmelder des Wohnhauses aktiviert und sei für kurze Zeit gut sichtbar gewesen. Danach sei er Richtung Ortsteil Lerchenwiese davongerannt. Östlich des Rofangebirges wurde zudem ein geplünderter Hühnerstall gemeldet. Zuletzt war Bruno am Montag von einem Jäger in Bayern südlich von Wildbad Kreuth gesehen worden. In dem Ort hatte der Bär zwei Schafe gerissen und drei verletzt, zwei Bienenstöcke beschädigt und einen Gartenzaun am Ortsrand zerstört. Der finnische Botschafter in Berlin, Rene Nyberg, erklärte die seit Tagen anhaltenden Mißerfolge der finnischen Bärenjäger mit dem heißen Sommerwetter an der deutsch-österreichischen Grenze: "Die armen, armen Bärenhunde leiden einfach unter der Hitze."
Nach Ansicht von Naturschützern könnten Bruno schon bald Artgenossen folgen. Bereits im kommenden Jahr müsse mit der Ankunft weiterer Bären in Bayern gerechnet werden, sagte Roland Melisch vom WWF am Mittwoch in Frankfurt. Im vergangenen Jahr wurden laut Melisch im Trentino fünf junge Bären geboren. Aus dieser italienischen Region stammt auch Bruno. Der WWF erwartet, daß die neuen Jungtiere auf dem klassischen Bärenweg Richtung Norden und damit Richtung Deutschland ziehen werden. In der zunehmenden Wiederausbreitung von Raubtieren wie Bären, Wölfen und Luchsen in Deutschland sieht der WWF übrigens ein positives Signal. Geschäftsführer Peter Prokosch sagte, Bär Bruno sei ein Symbol dafür, daß sich diese Tierarten gut entwickelten. Man habe schon länger damit gerechnet, daß ein Bär nach Deutschland komme. "Für die Bären ist Bayern offensichtlich reif gewesen", sagte Melisch. Für ihn sei es aber auf gewisse Weise tragisch, daß sich ausgerechnet der erste zurückgekehrte Bär als "Problembär" entpuppe.
Skeptisch zeigten sich die Fachleute am Mittwoch über den Vorschlag eines Tiertrainers aus Hannover, Bruno mit Hilfe einer brünftigen Bärin in die Falle zu locken. Dieter Kraml hatte dafür seine 13 Jahre alte Bärin Nora angeboten. Dagegen wendete der WWF ein, die Bärin sei nicht nur viel zu alt - Bruno sei auch zu jung, nämlich noch gar nicht geschlechtsreif. Bären erreichen erst in einem Alter von etwa fünf Jahren ihre Geschlechtsreife - Bruno ist aber erst zwei.