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Boddenberg trifft Ausbaukritiker

Austausch der Standpunkte bei der CDU-Sachsenhausen

Der kleine Saal des Südbahnhofs war diesmal fast zu klein: Michael Boddenberg (CDU), hessischer Minister für Bundesangelegenheiten, berichtete dort gestern beim Sonntagsgespräch der Sachsenhäuser CDU über den Stand seiner und der Bemühungen der Landesregierung um eine Verringerung des Fluglärms.

Erwartungsgemäß interessierten sich dafür nicht nur Mitglieder des CDU-Stadtbezirksverbands. Unter den ungefähr 100 Besuchern waren etliche Mitglieder verschiedener Initiativen von Flughafenausbaukritikern, von denen ein Großteil aus eben dem Wahlkreis 37 stammt, den Boddenberg bei der vergangenen Landtagswahl für sich gewinnen konnte.

Zum Auftakt forderte der bislang nicht als Ausbaukritiker aufgefallene Stadtbezirksverbandsvorsitzende Jochem Heumann, umgehend die Rückenwindkomponente ganz abzuschaffen, die zu mehr Anflügen aus östlicher Richtung, also über den Frankfurter Süden, und zu weniger aus westlicher Richtung führt. Eine andere Forderung Heumanns lautete, die Nordwestlandebahn gar nicht zu nutzen, solange auf dem alten Bahnensystem „noch Platz ist“. Eine Idee allerdings, die rasch zu Lasten der Rentabilität der Vier-Milliarden-Investition des Flughafenbetreibers Fraport für die Landebahn Nordwest ginge. Denn auch bei noch längst nicht voller Auslastung der neuen Kapazität von bis zu 126 Flugbewegungen je Stunde nutzt Fraport die neue Piste, um die bis zum Ausbau im Vergleich zu anderen Flughäfen schwachen Pünktlichkeitswerte zu verbessern - was auch funktioniert.

Boddenberg hält es nach eigenem Bekunden nicht für sinnvoll, sich nur um Dinge zu kümmern, die Lärm von einem Teil der Betroffenen zu einem anderen umverteilen. Wichtiger seien solche Maßnahmen, die den Lärm an der Quelle reduzierten, beispielsweise durch Veränderungen an Flugzeugen wie der Boeing 737. Tatsächlich hat die Lufthansa bei den Maschinen dieses Typs durch die Montage von „Acoustic Panels“ im Triebwerkseinlauf eine Lärmminderung von bis zu 2,4 Dezibel erreichen wollen. Bei der verbreiteten A320 plant Airbus gerade ebenfalls lärmmindernde Umrüstungen. Auch in der Bundesratsinitiative Hessens, die den Lärmschutz als vordringliches Ziel im Luftverkehrsgesetz verankern soll, sieht Boddenberg Grund zur Hoffnung für vom Fluglärm belastete Bürger.

Abgesehen davon, verspricht er sich viel vom segmentierten beziehungsweise gekrümmten Anflug. Dabei geht es darum, Jets mit Hilfe von GPS-Satelliten und einem Bodenassistenzsystem beim Anflug auf die Landebahn an besiedelten Gebieten vorbei zu steuern und erst sehr spät auf die Endanfluglinie einschwenken, zu lassen als es beim üblichen Landeanflug mit Hilfe des Instrumentenlandesystems der Fall ist. Dass das Verfahren bei Volllastbetrieb nicht in Frage kommt, weiß Boddenberg. Vor allem die Fluglärmkritiker aus Niederrad sehen gerade diesen Vorschlag mit großer Sorge, denn dieser Teil Frankfurts liegt ziemlich genau auf Höhe des Eindrehpunktes der Flugzeuge auf die Endanfluggerade, nämlich gut neun Kilometer oder fünf nautische Meilen vor dem Aufsetzpunkt.

Ganz zufrieden wären die Ausbaukritiker ohnedies erst, wenn die Bahn geschlossen würde. Thomas Jühe (SPD), Raunheimer Bürgermeister und Vorsitzender der Fluglärmkommission, appellierte an sie, nicht denen zu glauben, die ihnen Dinge versprächen, die nicht zu halten seien. Die Vorhaltung Boddenbergs an die Bürgerinitiativen, man habe die im Mediationsverfahren gebotenen Gelegenheiten nicht genutzt, sich anhand der ausgelegten Gutachten zu informieren, widersprach Ursula Fechter von der Bürgerinitiative Sachsenhausen entschieden. „Wir haben die Gutachten auseinandergenommen, aber es hat nichts genutzt, weil der Ausbau politisch gewollt war“, sagte Fechter.

jor.

Quelle: F.A.Z.

 
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