10.07.2005 · FRANKFURT. Ehemann Ralf hat sie wirklich zweimal angefeuert, doch zum ganz großen Coup hat es nicht gereicht. Nina Eggert, die derzeit beste deutsche Langstreckentriathletin, muß den Traum vom Sieg eines Ironmanrennens weiter träumen.
FRANKFURT. Ehemann Ralf hat sie wirklich zweimal angefeuert, doch zum ganz großen Coup hat es nicht gereicht. Nina Eggert, die derzeit beste deutsche Langstreckentriathletin, muß den Traum vom Sieg eines Ironmanrennens weiter träumen. Wieder kam sie als Zweite in den Zielkanal auf dem Frankfurter Römerberg, wieder war eine Athletin stärker als sie. Diesmal war es Lisa Bentley, die bei der vierten Auflage des Opel Ironman Germany ihre läuferische Dominanz auf der abschließenden Marathonstrecke ausspielte und die lange Zeit führende Nina Eggert nach zwölf Kilometern überholte. Genau sieben Stunden und drei Minuten dauerte es, dann war die Solovorstellung der 28 Jahre alten Deutschen aus Schöneck-Kilianstädten beendet.
Als Erste im Frauenfeld war sie am frühen Morgen nach 49:26 Minuten den gar nicht so kühlen Fluten des Langener Waldsees entstiegen, und als Erste hatte sie auch den 180 Kilometer langen Radparcours durch Frankfurt und die Wetterau hinter sich gebracht. Dann jedoch kam das Laufen, und "ich wußte, daß Lisa von der Papierform her stärker ist als ich", sagte die professionelle Triathletin Nina Eggert, die bemüht ist, sich als angehende examinierte Sportwissenschaftlerin ein zweites berufliches Standbein aufzubauen (F.A.Z. vom 9. Juli).
Es war eine mehr als realistische Einschätzung ihres aktuellen Laufvermögens, denn die 36 Jahre alte Kanadierin, mit der jüngsten Empfehlung eines Ironmansieges in Australien nach Frankfurt zum weltweit am besten organisierten Ironman gekommen, hatte mit kraftvollen, dynamischen Schritten Nina Eggert am Mainufer überholt und der Illusion eines perfekten Tages beraubt. Zwei Langstreckentriumphe 2003, zwei weitere 2004 und auch 2005 die beiden Ironmanerfolge in Australien und nun eben in Frankfurt nach 9:15:31 Stunden: Lisa Bentley ist derzeit das Maß aller Dinge im Frauentriathlon, und spätestens im Oktober, wenn wieder Vollmond ist über Big Island, will sie dem Werben ihres Freundes Dave Cracknell nachgeben und nach dem Ironman-Klassiker unter hawaiianischer Sonne heiraten.
Nina Eggert hat diesen Schritt schon hinter sich. Sie hatte sich vor Jahresfrist Ralf Eggert geangelt, den PR-Direktor des Ironman Germany. Und sie ist überhaupt nicht traurig darüber, daß sie wieder "nur" Zweite geworden ist. "Ich habe das total genossen, daß ich so lange vorne gewesen bin und Lisa mich erst so spät eingeholt hat. Ich habe so viel Spaß gehabt und das Rennen genossen." Was an der Strecke deutlich zu sehen war. Gerade in Hochstadt, am gefürchteten "The Hell" genannten Kopfsteinpflasteranstieg, jubelten ihr die Massen zu - und die stets fröhliche Nina Eggert winkte freudig zurück. "Mit dieser guten Laune bin ich auch ins Ziel gekommen", versicherte die in Hessen heimisch gewordene Kielerin. Beste Schwimmzeit (49:26 Minuten), drittbeste Radzeit (5:15:02 Stunden), zweitbeste Laufleistung (3:17:39 Stunden): "Auf Platz zwei bin ich irgendwie abonniert." Und überhaupt nicht unglücklich.
Höchst glücklich zeigte sich auch Imke Schiersch. Die Multisportlerin (F.A.Z. vom 9. Juli) aus Jever, die sich als Teilzeitmodel beim Reiten, auf der Tartanbahn und eben auch beim Triathlon so wohl fühlt, "weil ich diesen Sport einfach mag", blieb auch diesmal ihrem Ruf als Strahlefrau treu. Dritte 2004 nach 9:52:56 Stunden, Dritte 2005 nach 9:36:03 Stunden: Frankfurt, das ist ihr Rennen, "denn da bin ich nie alleine". Durch ihr einnehmendes Wesen weiß sie die Zuschauer an ihrer Seite.
350000 Triathlonfreunde, so die offizielle Zahl der Polizei, sollen es bei der vierten Auflage des Ironman Germany entlang der Strecke zwischen Langener Waldsee im Süden und Bad Nauheim im Norden gewesen sein. Eine Zahl, die Bürgermeister und Sportdezernent Achim Vandreike mit Stolz erfüllte. "Sportstadt Frankfurt, doch, doch, das ist schon richtig so", erwiderte er Ironman-Moderator Andreas Richter beim Pressetalk. Ein "Sportfest der Superlative" gar wollte Vandreike gesehen haben an einem Tag, "an dem ich mich wie an einem autofreien Sonntag gefühlt habe". Bekanntlich ist das Frankfurter Ironmanrennen das einzige weltweit, das mit einer komplett abgesperrten Radstrecke die Athleten anzulocken weiß. Athleten wie Nina Eggert und Imke Schiersch, bei denen sich Organisator Kurt Denk für ein abermals in jeder Beziehung sonniges Rennen bedankte. "Und bei Petrus. Denn Petrus ist ein Ironman." RALF WEITBRECHT