06.04.2008 · Am Wochenende waren Entwürfe für den Eltzer Hof in Mainz zu sehen. Das "Atelier 30 Architekten" hat den Wettbewerb gewonnen.
sug. MAINZ. Vor die Wahl gestellt, den Eltzer Hof eher behutsam oder aber radikal umgestalten zu lassen, hat sich das Preisgericht einstimmig für die moderate Variante entschieden. "Alle sieben von uns zu bewertenden Entwürfe hatten zweifellos Qualität", bescheinigten die zur Jury gehörenden Professoren Arno Lederer und Werner Durth ihren Architekten-Kollegen bei der Präsentation der eingereichten Wettbewerbsarbeiten, die am Wochenende im Kurfürstlichen Schloss zu sehen waren. Doch nicht in allen Fällen sei es den Büros gelungen, den Charakter des um 1750 entstandenen barocken Stadtpalais - sprich: den Geist des Hauses - zu erkennen und für die Zukunft zu bewahren. Diesen Anspruch habe das "Atelier 30 Architekten" besonders gut erfüllt: Den ersten Platz des mit insgesamt 100 000 Euro dotierten Wettbewerbs verdienten sich die Planer aus Kassel, weil ihr Umbauvorschlag nach Ansicht der Juroren die "Einzigartigkeit und Geschichte des Ortes gebührend berücksichtigt".
Die Mitte des 18. Jahrhunderts im Bleichenviertel errichteten Höfe der Familien Eltz und Dalberg-Hammelburg standen einst ebenso wie die heute zum Landesmuseum gehörenden kurfürstlichen Mar-
ställe und die Reithalle nicht nur funktional, sondern auch städtebaulich mit dem nahe gelegenen Schloss in enger Verbindung. Durch die Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs wurden die Adelshöfe bis auf die Fassade und einige Mauerreste zerstört. Anfang der sechziger Jahre machten sich die Mainzer Architekten Heinz Laubach und Günter Müller daran, das Karree wieder aufzubauen, allerdings nicht eben originalgetreu. Später dann wurde der ehemalige Innenhof zur überdachten "Liedertafel", die bis zur Schließung des Hauses vor drei Jahren für Konzerte und Veranstaltungen genutzt wurde. Das Land Rheinland-Pfalz als Eigentümer will das unter Denkmalschutz stehende Stadtpalais nun zum multifunktionalen Veranstaltungs- und Tagungsort machen, an dem unter einem Dach auch Kunst, Kultur sowie nicht zuletzt Relikte aus dem "Goldenen Mainz" ihren Platz finden sollen.
Die Pläne des "Atelier 30 Architekten" sehen vor, die alte Konzerthalle wieder in einen Innenhof zurückzuverwandeln, der dank gläsernem Dach und repräsentativer Freitreppe wie ein großes Foyer wirke und zudem für Konzerte, Empfänge oder Ausstellungen genutzt werden könne. Der Einsatz von rotem Sandstein als prägendem Baumaterial dürfte nach Ansicht des Preisgerichts dazu beitragen, den "Hof zu einer Schatulle" zu machen. Darüber hinaus überzeuge der Entwurf durch neue und reizvolle Blickbeziehungen: So sollen ein gläsernen Haupteingang an der Mittleren Bleiche, aber auch eine Glasfront zur Bauhofstraße hin interessante Ein- und Ausblicke erlauben. Auch von dem in zwei Etagen untergebrachten Café-Restaurant aus werden die Besucher auf das Geschehen im Innern des Gebäudes blicken können.
Bis 2012 soll der Umbau des barocken Stadtpalais nach Möglichkeit abgeschlossen sein, erklärte Renate Kreckel, die als Leiterin der Bauabteilung des Finanzministeriums das etwa 20 Millionen Euro teure Projekt betreut. Bis dahin werde die Umstrukturierung und Aufwertung des angrenzenden Landesmuseums Mainz ebenfalls fertig sein, so dass man anschließend den inmitten des Viertels liegenden großen Innenhof verwandeln könne - zum Beispiel in einen Skulpturen- oder einen Barockgarten. Der nicht ganz billige Architektenwettbewerb für den Eltzer Hof hat sich Kreckel zufolge ausgezahlt, weil nur so die gewünschte hohe Qualität zu garantieren gewesen sei. Und dies, wenngleich nicht alle Vorschläge die Preisrichter begeistern konnten: Vor allem die gleich zweimal entwickelte Idee, den zentralen Veranstaltungsraum aus Platzgründen in das Untergeschoss zu verbannen, traf nicht den Geschmack der Juroren. Ebenso wenig wie die Versuche, einen alles überragenden Neubau respektive eine urbane Piazza in den Adelshof einzufügen - was zwar zum heutigen Mainz passe, nicht aber zu Baustil und Geist der alten Kurfürstenstadt.