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Beck lässt sich von seiner Partei feiern

24.06.2007 ·  Eigentlich geht es in Hannover an diesem Samstag um die Zukunftsfragen der Sozialdemokratie - um den vorbeugenden Sozialstaat, um Globalisierung und Ökologie, um das neue Parteiprogramm. Weit größeres Interesse indes zeigen die mehr ...

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Eigentlich geht es in Hannover an diesem Samstag um die Zukunftsfragen der Sozialdemokratie - um den vorbeugenden Sozialstaat, um Globalisierung und Ökologie, um das neue Parteiprogramm. Weit größeres Interesse indes zeigen die mehr als 2000 Sozialdemokraten beim "Zukunftskonvent Deutschland 2020" an der Machtfrage: Wie reagiert der Parteivorsitzende und mögliche Kanzlerkandidat Kurt Beck auf die miserablen Umfragewerte für sich und seine Partei? Führungsstark, resigniert, nervös oder gelassen?

Beck konzentriert sich in seiner Rede, bei der fast die gesamte Führungsriege hinter ihm auf dem Podium steht, auf eine breite Darstellung des Grundsatzprogramms, den der Hamburger Parteitag Ende Oktober verabschieden wird. Als er bemerkt, zur CSU etwas zu sagen, fehlten ihm die Worte, erntet er Gelächter, bei seinen scharfen Attacken gegen die Linke erhebt sich Raunen im Saal. Dass die vielen kritischen Artikel, die an seiner Führungsfähigkeit zweifelten, Beck getroffen haben, zeigt sein an Gesundheitsministerin Ulla Schmidt gerichteter Satz: "Ich kann Sie in den letzten Monaten vielleicht etwas besser verstehen, als ich es vorher getan habe." Die Delegierten deuten Becks Konzentration auf Sachfragen und Programme lieber als Zeichen der Souveränität denn als Ausweichen und spenden ihm minutenlang Beifall, besonders für jenen Satz: "Ich will meine Aufgabe als Vorsitzender dieser Partei weiterführen - wenn ihr das wollt." Die anfeuernde Begeisterung der Genossen bewegt Beck dazu, noch einmal mit erhobenen Händen an die Rampe der Kongresshalle zu treten.

Auch der aus Brüssel nach Hannover geeilte Frank-Walter Steinmeier genießt strahlend seinen Auftritt vor dem SPD-Volk. Das Forum zu Europa, auf dem der Außenminister die Erfolge, aber auch die schwierigen Verhandlungen beim EU-Gipfel schildert, ist das am besten besuchte unter den achtzehn Foren des Kongresses. Viele im überfüllten Beethovensaal wollen nur von Steinmeier hören, wie die Kanzlerin und er "Europa gerettet" haben. Mehrfach weist der Moderator auf dem Podium darauf hin, dass nur starker Kaffee den Außenminister noch wach halte, nachdem er morgens um sieben nach der Gipfelnacht mit dem Auto losgefahren sei. Müde aber wirkt Steinmeier nicht, fügt auch Scherze ein wie den Hinweis auf eine Beethoven-CD, die ihm die Österreicher zum Abschied geschenkt haben. Denn Beethovens Neunte konnte auch Steinmeier nicht in den neuen EU-Grundlagenvertrag als die verbriefte Hymne Europas retten. (vL)

Quelle: F.A.Z., 25.06.2007, Nr. 144 / Seite 2
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