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Banken Die Unicredito zieht es ins Ausland

05.05.2005 ·  Für Italiens erfolgreichste Bankengruppe Unicredito Italiano bietet das Ausland die interessanteren Wachstumschancen. Dies hat der Chief Executive von Unicredito, Alessandro Profumo, bei der Hauptversammlung seiner Aktionäre betont.

Von Tobias Piller
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Für Italiens erfolgreichste Bankengruppe Unicredito Italiano bietet das Ausland die interessanteren Wachstumschancen. Dies hat der Chief Executive von Unicredito, Alessandro Profumo, erst vor vier Tagen bei der Hauptversammlung seiner Aktionäre betont. Wer deshalb die Münchener Hypo-Vereinsbank (HVB) als möglichen Partner für Unicredito ins Gespräch bringt, erntet zur Zeit dennoch in der Mailänder Hauptverwaltung von Unicredito nur ein mitleidiges Lächeln. Daß sich der HVB-Chef in einem Zeitungsgespräch öffentlich den Italienern als Partner angeboten hat, wertet ein Unicredito-Manager wie das Verhalten einer "alternden Jungfer", die verzweifelt auf sich aufmerksam zu machen versucht, weil ihre bisherige Partnersuche vergeblich war.

Daß Profumo dem deutschen Bankenmarkt nicht abgeneigt ist, wurde bereits 2001 klar, als Unicredito sich eine Übernahme der Frankfurter Commerzbank überlegte. Allerdings schien die deutsche Bankengruppe den Italienern schon bald zu teuer im Verhältnis zu ihrer mangelhaften Ertragskraft. Ähnliche Kalküle und Zweifel kann man der Spitze von Unicredito ohne Bedenken auch gegenüber der Hypo-Vereinsbank unterstellen. Dabei ist die Münchener Bank nach dem früheren Größenmaßstab für den Bankenvergleich - der Bilanzsumme - deutlich größer als Unicredito: In der Bilanz für 2004 hat die Hypo-Vereinsbank eine Bilanzsumme von 467 Milliarden Euro ausgewiesen, Unicredito dagegen nur 266 Milliarden Euro. Während aber die Hypo-Vereinsbank einen dicken Nettoverlust von 2,3 Milliarden Euro hinnehmen mußte, brillierte Unicredito mit einem Nettogewinn von 2,1 Milliarden Euro. An der Börse schlägt sich dies damit nieder, daß Unicredito mit einer Kapitalisierung von 27 Milliarden Euro mehr als doppelt so hoch bewertet ist wie die Hypo-Vereinsbank mit 13 Milliarden Euro.

Vorerst sammelt Profumo erst einmal Erfahrungen in Deutschland als Aufsichtsrat der Deutschen Börse und begnügt sich mit allgemeinen Erklärungen. Das Bekenntnis vor der Hauptversammlung zum Wachstum im Ausland war dabei nicht unbedingt eine Antwort auf "heiratswütige" Banker in Deutschland. Zwischen den Zeilen ist darin zunächst einmal eine Absage an weitere Großfusionen und große Übernahmen in Italien zu lesen. Denn während der vergangenen beiden Jahren brodelte in Mailand und Turin immer wieder die Gerüchteküche über Italiens drei größte Bankengruppen. Viele Analysten glaubten darin schon eine Fusion von Unicredito und Banca Intesa oder von Banca Intesa und der Turiner Bankengruppe San Paolo Imi zu sehen. Als vor wenigen Wochen die spanische BBVA und die niederländische ABN Amro Übernahmeangebote für zwei mittelgroße italienische Banken ankündigten, wurde ebenfalls gefragt, ob nicht Unicredito ein Gegenangebot abgeben wolle.

Dem obersten italienischen Bankenaufseher und Zentralbankgouverneur Antonio Fazio, aber auch anderen italienischen Kreditinstituten wäre es dabei ganz angenehm, wenn die Italiener unter sich blieben. Man würde weitere Fusionen unter den großen oder Übernahmen von mittleren Banken damit begründen, daß Italiens Kreditinstitute im internationalen Vergleich immer noch klein wären und daher ein nationaler Champion geschaffen werden müsse. Ganz nebenbei würde dann auch die Konkurrenz zwischen den italienischen Banken in Italien abnehmen, womit dort dann auch die hohen Bankgebühren unangetastet blieben.

Während sich so mancher andere italienische Banker um das einheimische Preiskartell zu sorgen scheint, vertraut Profumo in seinen öffentlichen Äußerungen mehr auf die Anziehungskraft und Konkurrenzfähigkeit von Unicredito. Für ihn sei es nicht sinnvoll, in Italien einen Marktanteil von mehr als 15 bis 20 Prozent zu haben, sagte er kürzlich, wobei Unicredito alleine bereits jetzt in vielen Marktsegmenten auf 10 bis 15 Prozent komme - so viel wie in Deutschland die vier Großen zusammen auf sich vereinen. Eine Fusion mit einer anderen Großbank in Italien ergäbe demgegenüber Marktanteile von 25 Prozent und bedeutete nach Meinung von Profumo, daß sich Effizienzgewinne nur über großen Personalabbau realisieren ließen.

Die Expansion von Unicredito ins Ausland fand erst einmal dort statt, wo man sich die besten Renditen erhoffte, nicht in Deutschland, sondern in Osteuropa, wo Unicredito seit einer ersten Übernahme in Polen 1999 inzwischen zur größten internationalen Bankengruppe aufgestiegen ist, mit 1300 Bankfilialen, 6 Millionen Kunden und 28000 Mitarbeitern. Der besondere Stolz bei Unicredito gilt dabei aber der Rentabilität: Bei der Tochterbank Pekao, Polens zweitgrößter Bank, sei in nur zwei Jahren die Eigenkapitalrendite von 4 auf 21 Prozent gesteigert worden.

Dem Unicredito-Chef kommt dabei zugute, daß er nicht immer nur als Banker gearbeitet hatte, sondern auch als Unternehmensberater und daher früh gelernt hat, die Bankaktivitäten konsequenter zu segmentieren und in "Profit-Center" aufzuteilen. Sein Meisterstück war dabei die völlige Umstrukturierung der Gruppe Unicredito. Diese war früher ein Sammelsurium aus dem ehemals staatlichen Credito Italiano und sechs dazufusionierten Regionalbanken und Sparkassen. Daraus machte Profumo innerhalb von zwei Jahren eine Gruppe mit nur noch einem Markenzeichen, einer Bank für das breite Kundengeschäft, einer Unternehmensbank und einer Privatbank für vermögende Kunden. Die Analysten der Deutschen Bank etwa mußten mittlerweile zugeben, sie hätten nicht geglaubt, daß Unicredito bei dieser Operation die Stammkunden der alten Tochterbanken behalten und diese danach auch noch mit Erfolg auf die drei neuen Tochterbanken aufteilen könne. Doch den Zweiflern kann Profumo nun entgegenhalten, daß die Eigenkapitalrendite seiner Bank 2004 bei 17,9 Prozent gelegen hat.

Der Erfolg der Vergangenheit wird nun allerdings zur Last, weil die Erwartungen der Börse an Unicredito groß sind. Der Aktienkurs von Unicredito, der in früheren Jahren schneller in die Höhe schoß als der von anderen Banken oder die Börsenindizes, ist im vergangenen Jahr hinter der allgemeinen Entwicklung zurückgeblieben, weil viele Anleger eine Überbewertung der Aktie fürchteten. Damit stünde Profumo auch bei einer Übernahme in Deutschland der Erwartung gegenüber, daß er dort schnell Rekordrenditen vorweisen müßte. Das hielt ihn nicht davon ab, vor wenigen Tagen gegenüber der Lokalzeitung seiner Genueser Heimat zu sagen, er wolle innerhalb von zehn Jahren eine "Bank mit europäischem Profil" führen. In der Hauptversammlung sagte Profumo zudem, er habe ja noch Zeit. "Schließlich bin ich erst 48 Jahre alt."

Quelle: F.A.Z., 06.05.2005, Nr. 104 / Seite 18
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Jahrgang 1962, Wirtschaftskorrespondent für Italien mit Sitz in Rom.

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