10.09.2003 · Chrysler verdirbt Jürgen Schrempp ein weiteres Mal das Geschäft. Der Grund ist die Rabattschlacht in den Vereinigten Staaten, die trotz gegenteiliger Erwartungen an Schärfe noch zunimmt.
Chrysler verdirbt Jürgen Schrempp ein weiteres Mal das Geschäft. Der Grund ist die Rabattschlacht in den Vereinigten Staaten, die trotz gegenteiliger Erwartungen an Schärfe noch zunimmt. "Die Erhöhungen sind aber erstmals niedriger als angenommen", tröstet sich der Vorstandsvorsitzende von Daimler-Chrysler in Frankfurt. Chrysler verkauft 95 Prozent seiner Autos in den Vereinigten Staaten. Der Rabatt betrug im zweiten Quartal im Durchschnitt 4000 Dollar je Fahrzeug. Die Höhe im dritten Quartal nannte Schrempp in dem Pressegespräch nicht. Chrysler hatte erst in der vergangenen Woche eine neue Rabattrunde in Amerika für neue Modelle eingeläutet. Angesichts der desolaten Marktsituation muß Chrysler weiter kräftig sparen. Das Einsparziel von 8,1 Milliarden Dollar werde deutlich übertroffen, teilte Schrempp mit. Schon im Mai dieses Jahres war eine zusätzliche Milliarde angekündigt worden.
"Eine schwarze Null zu erreichen, wird nicht einfach werden", sagte der Daimler-Chef zur Ergebnisentwicklung von Chrysler im laufenden Jahr und ergänzte: "Ich schließe einen weiteren Personalabbau nicht aus." Alles in allem soll es aber bei 5 Milliarden Euro Gewinn für den Gesamtkonzern in diesem Jahr bleiben. Dies bezieht sich auf die Basis "Operating Profit" und vergleicht sich mit dem Ziel von 8,5 bis 9,5 Milliarden Euro gemäß der "Meilensteine" für Daimler-Chrysler, die Schrempp in der Krise des Jahres 2001 formuliert hatte.
Bei Chrysler steht daher neben der geplanten Produktoffensive das Sparen auf der Aktionsliste ganz oben. "Letztlich müssen wir erreichen, daß die Kosten schneller sinken als bei den Wettbewerbern", sagte Chrysler-Chef Dieter Zetsche dieser Zeitung. Er hat viele Stellschrauben ausgemacht, wo noch die Ausgaben gedrückt werden können. Eines ist für Zetsche aber wichtig: "Die Beschäftigung bei uns wird tendenziell sinken, aber nicht dramatisch abgebaut." Damit reagiert der Chef der amerikanischen Automobilsparte von Daimler-Chrysler äußerst sensibel auf jüngste Spekulationen über drohende Entlassungen in Amerika. Sie erhalten eine besondere Schärfe, weil auch Verhandlungen mit den Gewerkschaften über Gehaltserhöhungen laufen, die das Klima zusätzlich aufheizen.
Chrysler ist in diesem Jahr erneut unter Druck gekommen. Allein im zweiten Quartal wies der drittgrößte Automobilhersteller in den Vereinigten Staaten - hinter General Motors und Ford - einen Verlust von 948 Millionen Euro aus. Ursache dafür waren nicht nur schwache Verkäufe, sondern auch die Belastungen aus den Preisnachlässen beim Autoverkauf. Daraufhin mußte die Absicht begraben werden, in diesem Jahr einen nennenswerten Gewinn zu erzielen.
Auch bei den geplanten zusätzlichen Einsparungen von 1 Milliarde Dollar in diesem Jahr wird es zunehmend schwieriger, die Vorgaben einzuhalten. "Wir werden den Löwenanteil dieses Volumens erreichen, aber vielleicht nicht komplett", schränkt Zetsche vorsorglich ein. Trotz der Sanierungsaufgaben stellt er aber klipp und klar fest, daß Chrysler in seiner Existenz nicht bedroht sei und dank der Zugehörigkeit zu Daimler-Chrysler die stabilste Ausstattung verglichen mit Wettbewerbern habe.
Kosten müßten in allen Feldern gesenkt werden, verkündet Zetsche. Dies betrifft den Materialeinkauf, aber auch die Personalausgaben. Diese könnten sich angesichts der schwachen Geschäftslage und drohender höherer Gehaltsaufschläge als Folge der Tarifverhandlungen noch ungünstiger entwickeln. Der Druck, die Produktivität zu verbessern steigt damit. Im vergangenen Jahr wurde sie bei Chrysler um 8 Prozent verbessert. In diesem Jahr, so Zetsche, werde eine ähnliche Größenordnung erreicht. Auch die Investitionen bleiben nicht verschont. "Wir untersuchen, ob es weitere Chancen gibt, ohne Abstriche beim Produktprogramm Ausgaben einzusparen", sagte er. Das Investitionsbudget wurde für die geplante Modelloffensive mit insgesamt 21 Neuheiten in der laufenden Planungsperiode kräftig von 42 auf 30 Milliarden Dollar gekürzt, wobei Chrysler sogar sechs zusätzliche Modelle entwickeln werde. Die Einsparungen gehen nur durch die enge Zusammenarbeit mit Mercedes und dem Mutterhaus in Stuttgart. Dabei dürfe es aber nicht zu Kopien kommen. "Wir brauchen innerhalb des Konzerns die Markendifferenzierung." Der Anteil der Gleichteile von 40 Prozent beim Sportcoupé Crossfire, das dieses Jahr Premiere hatte, ist für Zetsche das höchste der Gefühle. "Bei den anderen Modellen wird der Anteil wesentlich geringer ausfallen."
Über den Zeitpunkt der Wende bei Chrysler will sich Zetsche nicht äußern, nachdem in den zurückliegenden drei Jahren so manches anders gekommen ist, als prognostiziert worden war. "Wir glauben aber, daß die Wettbewerbsfähigkeit mit den neuen Produkten im nächsten Jahr noch weiter steigen wird", gibt sich der Chrysler-Chef zuversichtlich. Insgesamt neun Neuheiten will Chrysler 2004 auf den Markt bringen, darunter den PT Cruiser Cabriolet und den neuen Jeep Grand Cherokee.
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