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Automobile Autos aus Fernost für Europa

21.06.2005 ·  China hat Deutschland voriges Jahr als drittgrößte Autonation abgelöst, allein, indem Autos für den riesigen Heimatmarkt produziert wurden. Europas Automärkte sind das nächste Ziel chinesischer Konzerne.

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Es war ein viel beachtetes Debüt: Auf der Leipziger Autoschau AMI (Auto Mobil International) Mitte April zeigte der chinesische Autohersteller Brilliance sein Mittelklasseauto Zhonghua, mit dem er den europäischen Markt erobern will. Die Stufenhecklimousine kam in Leipzig im Format der Mercedes-E-Klasse daher, dürfte aber zum Preis eines mager ausgestatteten VW Golf zu haben sein.

Das Messe-Beispiel macht Schule. Schon vor Beginn der weltgrößten Automesse, der Frankfurter IAA im September, sorgen die Chinesen wieder für Gesprächsstoff. Neben Brilliance werden auch Geely und Landwind sowie acht chinesische Zulieferer erstmals auf der IAA vertreten sein. "Das große Selbstbewußtsein, der Ehrgeiz und Leistungswille sowie die Dynamik der Chinesen lassen auf vielen Gebieten erkennen, daß sie den Weg zum Global Player suchen", sagt Bernd Gottschalk. Der Präsident des Verbands der Autoindustrie (VDA) ist vom Auftritt der Chinesen nicht überrascht: "Das ist ein Signal für einen immer bedeutenderen Wettbewerber, den man nicht ernst genug nehmen kann."

Saic wird Interesse an Fiat nachgesagt

Europas Automärkte sind das nächste Ziel chinesischer Konzerne. Und der Markteintritt der Chinesen kommt früher, als westliche Automanager erwartet haben. China hat Deutschland voriges Jahr als drittgrößte Autonation abgelöst, allein, indem Autos für den riesigen Heimatmarkt produziert wurden. "Der Export ist ein logischer Schritt, weil der lokale Markt die vorhandenen Kapazitäten nicht abnimmt", sagt Thomas Sedran, Autoexperte der Unternehmensberatung Roland Berger. Er bezweifelt, daß Marken wie Brilliance oder Geely hierzulande sofort reüssieren, und erinnert an den langen Weg, den die Japaner und Südkoreaner gehen mußten.

Eine Abkürzung könnte der Kauf einer etablierten Automarke sein. Vor allem Chinas größtem Autokonzern, der Shanghai Automotive Industries Corporation (Saic), wird Interesse am angeschlagenen Fiat-Konzern nachgesagt. Saic hatte schon im vorigen Jahr die Mehrheit am koreanischen Geländewagenbauer Ssangyong für rund 500 Millionen Dollar gekauft. Es war die erste Auslandsübernahme eines chinesischen Autokonzerns überhaupt. Saic ist der chinesische Partner von Volkswagen und General Motors. Von beiden hat Saic gelernt, Autos zu bauen. Eigene Saic-Entwicklungen gibt es noch nicht. Bisher beschränkt sich der Konzern auf VW- und GM-Lizenzen - oder auf die kürzlich erworbene Lizenz von MG Rover zum Bau der Mittelklasselimousine Rover 75. Doch das Saic-Management kündigte jetzt die Entwicklung eigener Autos an. Im Jahr 2007 soll es soweit sein.

Quelle: hpe., F.A.Z., 22.06.2005, Nr. 142 / Seite 14
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