Home
http://www.faz.net/-1v0-wff9
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Aktuelle Nachrichten online - FAZ.NET

Anlegen mit Sicherheitsnetz

18.02.2008 ·  Neue Formen der Garantiezertifikate erobern den Markt. Sie versprechen unbegrenzte Gewinnmöglichkeiten bei höchstem Absicherungsniveau. Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein.

Artikel Lesermeinungen (0)

Lange waren Garantiezertifikate als zu kompliziert und schlecht vergleichbar verschrien, doch inzwischen bringen immer mehr Banken eine neue und vereinfachte Form der Garantiezertifikate an den Markt: Safe Zertifikate.

Das Funktionsprinzip von Safe Zertifikaten ist leicht nachzuvollziehen: Zunächst wird bei Emission ein Mindestrückzahlungsbetrag festgeschrieben. Liegt am Ende der Laufzeit der Aktienkurs unterhalb dieser Schwelle, erhält der Anleger den vereinbarten Betrag. Notiert die Aktie darüber, bekommt der Privatanleger das zugrunde liegende Wertpapier geliefert. Sollte dabei der Basiswert keine Aktie, sondern ein Index sein, erhält der Anleger einen sogenannten Barausgleich, also den Gegenwert des Index. Somit reduziert sich das Verlustrisiko bei diesen Papieren auf die Differenz zwischen Kaufpreis und Barbetrag. Je nach Ausstattung kann der Kaufpreis ober- oder unterhalb der garantierten Mindestrückzahlung liegen. Ist er am Laufzeitende unterhalb des Barbetrags, trägt der Anleger kein Verlustrisiko.

Basiswert und Put beeinflussen Wert

Um zu verstehen, was den Wert des Zertifikats während seiner Laufzeit beeinflusst, ist es hilfreich, das Zertifikat in seine Bestandteile zu zerlegen. Zum einen besteht das Safe Zertifikat aus dem jeweiligen Basiswert, beispielsweise einer Aktie, die zur Berechnung dividendenbereinigt in die Formel eingeht. Der Grund: Dividenden werden deshalb nicht berücksichtigt, weil sie zum Erwerb der zweiten Komponente, einer Put-Option, genutzt werden. Darunter versteht man das Recht, den Basiswert innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu einem vereinbarten Preis zu verkaufen. Je höher nun der Ausübungspreis dieser Verkaufsoption ist, das heißt, je höher das Absicherungsniveau gelegt ist, desto teurer ist das Safe Zertifikat.

Auch ein Ansteigen des Basiswerts führt zu einer Verteuerung des Produkts. Nur wird das Zertifikat nicht immer eins zu eins den Anstieg des Basiswerts abbilden: Steigt der Basiswert des Zertifikats, verliert die Put-Option an Wert - und zwar umso mehr, je weiter sie sich vom Basiswert entfernt. Sie übt somit eine dämpfende Wirkung auf den Kursanstieg des Safe Zertifikats aus. Allerdings kann der Wert des Zertifikats auch während der Laufzeit ansteigen, zum Beispiel wenn die erwarteten Kursschwankungen des Wertpapiers (Volatilität) zunehmen und damit direkt die Verkaufsoption verteuern.

Abgeltungssteuer fördert Boom

Der Wunsch nach Sicherheit ist bei Anlegern ungebrochen. Haben doch viele nach ersten Versuchen am Aktienmarkt, nach dem Platzen der Internetblase zur Jahrtausendwende hohe Verluste hinnehmen müssen. Nicht zuletzt deswegen avancierten Garantiezertifikate trotz steuerlicher Benachteiligung zu einer der beliebtesten Produktkategorien. Rund ein Drittel der Gelder, die in Anlagezertifikate investiert wurden, sind in Garantiezertifikaten angelegt. Mit der Einführung der einheitlichen Abgeltungssteuer in Höhe von 25 Prozent am 1. Januar 2009 wird die bisherige steuerliche Benachteiligung aufgehoben. Dadurch werden Garantiezertifikate einen neuen Boom erleben: Nicht mehr als Finanzinnovation eingestuft und dem persönlichen Einkommensteuersatz unterworfen, sondern mit allen anderen Anlageformen gleichgestellt, sollte die Nachfrage deutlich zunehmen.

Vielfältige Auswahl

Bei Garantiezertifikaten haben die Anleger schon heute eine vielfältige Auswahl. Neben Produkten auf den Dax 30 und den DJ Euro Stoxx 50 sowie auf alle Dax-30-Einzelwerte stehen dem sicherheitsbewussten Anleger inzwischen eine Reihe von Mid-Cap-Aktien zu Verfügung. Zudem bauen die Banken ihr Angebot kontinuierlich weiter aus: Die Vielfalt für Privatanleger nimmt durch Safe Zertifikate auf unterschiedlichste Basiswerte weiter zu, gleichzeitig entstehen immer neue Garantiezertifikate mit interessanten Auszahlungsprofilen und Mindestrenditen. So sind bereits Bonuszertifikate mit Kapitalgarantie am Markt erhältlich oder Lock-In-Strukturen, bei denen das Erreichen bestimmter Schwellen die Mindestrendite sichert. Auch der Rohstoff-Bereich bietet vielversprechende Möglichkeiten für Garantiezertifikate mit Sicherheitsnetz.

GERRIT WEBER, Fachbereichsleiter Produkte, Commerzbank Private Banking

Quelle: F.A.Z., 19.02.2008, Nr. 42 / Seite B7
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen