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4. September

31.07.2005 ·  Es gibt nur ein "Fernsehduell", dafür auf allen Kanälen

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So, wie es aussieht, kann es nur eines geben: Weil Angela Merkel, die Kanzlerkandidatin der Union, im Wahlkampf zu einem "Fernsehduell" , nicht aber zu zweien antreten will, hat sich das gemeinsame Anliegen der SPD und der vier austragenden Sender ARD, ZDF, RTL und Sat.1 zerschlagen, Angela Merkel und Gerhard Schröder an zwei Abenden in die Arena zu bitten. Seitens der Union heißt es, es handle sich um ein Zeitproblem. Angela Merkel wolle im anstehenden Wahlkampf nicht nur für ein "Duell", sondern für möglichst viele Formate zur Verfügung stehen, also auch für Berliner Runden mit den Spitzenkandidaten, wie sie ARD und ZDF bereits planen. Die Regierung, die in diese Sendungen neben Gerhard Schröder den SPD-Parteichef Franz Müntefering schicken könnte, warf der Opposition Feigheit vor dem Sendetermin vor: Ihr Sprecher Bela Anda meinte, die Union wolle einem Millionen-Publikum offensichtlich etwas verbergen.

Besprochen wurde das Procedere, von dem sich vor allem Schröders Wahlkämpfer viel versprechen, am Samstag mittag im Berliner Westin Grand Hotel bei "Geheimverhandlungen", die so geheim waren, daß die Teilnehmer davon morgens schon in der "Bild"-Zeitung lesen konnten. Am Hotelempfang war, damit sich auch niemand verlaufe, ausgewiesen, wo sich die Arbeitsgruppe Kanzlerduell traf: "Raum Schinkel: N24 GmbH". Daß die Chefredakteure der Sender und die Emissäre der Parteien hernach vor laufende Kameras treten konnten, versteht sich von selbst. Das Gespräch selbst verlief kurz und knapp: Für die Regierung pochte ihr Sprecher Anda auf zwei Treffen; Eva Christiansen, die Sprecherin von Angela Merkel, und Willi Hausmann, der Bundesgeschäftsführer der CDU, machten klar, daß es entweder ein Duell oder kein Duell geben werde, falls der Bundeskanzler auf zwei Terminen beharre. Das aber werde Schröder nicht riskieren, hieß es nach der Runde im Hotel.

So wird es also Anfang September, höchstwahrscheinlich am Sonntag, dem 4. September, zu einem "Duell" kommen, das alle vier Sender gleichzeitig übertragen. Es wird allerdings länger als sechzig Minuten dauern und anders aussehen als die Premiere, die wir vor vier Jahren erlebt haben: Die eine, neunzig Minuten lange Sendung wird nämlich von allen vier großen Sendern gemeinsam produziert und von vier Moderatoren geleitet werden. Sabine Christiansen wird für die ARD, Maybrit Illner fürs ZDF, Peter Kloeppel für RTL und Thomas Kausch für Sat.1 und N24 antreten, nach dem Motto: vier Journalisten fragen, zwei Politiker antworten. Damit daraus nicht ein langweiliger oder gar lächerlich wirkender Marathon wird, müssen sich die Sender etwas einfallen lassen.

Wahrscheinlich, sagt ein Planer der Sendung, werde man Themengruppen bilden, die dann von jeweils zwei Moderatoren vorgestellt werden. "Das Format bieten die Sender an, nicht die Parteien", sagte dazu auf Anfrage der ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender. Es liege an der Kunstfertigkeit der Journalisten, daraus einen spannenden Abend zu machen. "Ein Duell mit vier Moderatoren, das ist nicht die Konstellation, die wir uns als beste journalistische Form vorstellen können", ergänzte der Chefredakteur von RTL, Peter Kloeppel. Jetzt komme es darauf an, "ein Konzept zu schmieden, das für die Zuschauer interessant ist und bei dem sich die vier Moderatoren nicht auch noch untereinander duellieren".

Zuvor hatte es noch geheißen, daß im Fall nur eines Duells vielleicht zwei der vier Sender zurücktreten müßten. Doch sind die Ansprüche auf allen Seiten inzwischen derart ausgeprägt, daß niemand verzichten wollte; zwischen den Sendern auszuwählen, das wiederum wollte man den Politikern nun auch nicht zugestehen. Jetzt machen also alle alles gemeinsam. Am Mittwoch treffen sich die Chefredakteure mit den Sprechern der Wahlkämpfer, um sich für das eine große Duell zu verabreden. Daß der Bund doch noch platzen könnte, glaubt niemand. Daß es neben diesem hoch gehandelten Ereignis im Fernsehen Wahlkampfplattformen zuhauf gibt, war indes schon gestern abend zu sehen. Da hatte Sabine Christiansen in ihrer Sendung den Bundeskanzler allein zu Gast. Bis zum 18. September wird es wahrscheinlich täglich auf irgendeinem Kanal ein kleineres oder größeres Duell geben. MICHAEL HANFELD

Quelle: F.A.Z., 01.08.2005, Nr. 176 / Seite 36
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