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Cerberus : Ein Höllenhund vor den Toren

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Wolfgang Bernhard auf der Detroiter Automesse im Jahr 2004 in seiner Rolle als Chrysler-Vizechef Bild: dpa

Der Geschäftsauftrag des Finanzinvestors Cerberus lautet: Weltweit unterbewertete Unternehmen aufspüren, kaufen und auf Vordermann bringen. Nach einigen Jahren sollen diese Unternehmen wieder gewinnbringend verkauft werden.

          Manche lieben es brachial. Stephen Feinberg offenbar auch, denn sonst hätte er seiner amerikanischen Beteiligungsgesellschaft nicht den Namen Cerberus verpasst. Cerberus ist der dreiköpfige Höllenhund, der in der griechischen Mythologie das Tor zum Hades, also zur Unterwelt, bewacht. Trotz oder vielleicht gerade wegen dieses wenig vertrauenerweckenden Namens hat sich der New Yorker Investor in den fünfzehn Jahren seit Gründung zu den großen Spielern im weltweiten Beteiligungsgeschäft hochgearbeitet: Cerberus Capital Management verwaltet mehr als 20 Milliarden Dollar und besitzt ein Imperium an Unternehmen, das zusammengenommen 60 Milliarden Dollar umsetzt.

          Die Automobilbranche ist in den vergangenen Jahren zu einem neuen Schwerpunkt des ansonsten auf notleidende Kredite, die Finanzbranche und Immobilien spezialisierten Finanzinvestors geworden: Im vergangenen Jahr erwarb die 1992 von Feinberg und William Richter gegründete Beteiligungsgesellschaft gemeinsam mit Partnern die Finanzsparte des Autoherstellers General Motors. Den angeschlagenen Autozulieferer Delphi wollte Cerberus mitfinanzieren und später einen Anteil übernehmen. Nachdem die Gewerkschaft UAW sich Zugeständnissen verweigerte, wollte Cerberus aus dem Investorenkonsortium aussteigen. Der Clinch mit dieser mächtigen Gewerkschaft könnte nun zu einer schweren Hypothek für einen möglichen Chrysler-Kauf werden.

          Mit der Expertise ehemaliger Vorstände

          In Amerika besitzt Cerberus überdies einen kleineren Autozulieferer und den Autovermieter Vanguard Car Rental, zu dem die Marken National und Alamo gehören. Auch in Deutschland ist der Höllenhund in der Automobilbranche aktiv: Cerberus kaufte vor einigen Jahren den badischen Autozulieferer Peguform und rettete ihn mit einem drastischen Stellenabbau vor der Insolvenz. Seit kurzem hat der in Deutschland von dem Amerikaner David Knower geleitete Finanzinvestor zudem einen äußerst automobilaffinen Europa-Chef: den langjährigen Goldman-Sachs-Banker Kenneth Leet, der zuletzt den amerikanischen Automobilhersteller Ford beraten hatte.

          Cerberus interessiert sich nicht nur für Autos

          Cerberus holt sich häufig für Übernahmen die Expertise ehemaliger Vorstände großer Unternehmen. Bei Chrysler gelang es Cerberus sogar, einen der intimsten Kenner des Unternehmens für sich einzuspannen: den Automanager Wolfgang Bernhard, der früher mit der Sanierung von Chrysler betraut war. In Deutschland hatte sich Cerberus einst die Dienste des vormaligen Allianz-Vorstands Rainer Hagemann gesichert, um den Versicherungskonzern Gerling zu kaufen.

          Kontrolle über angeschlagene Unternehmen

          Die Übernahme scheiterte freilich, was mit dem herrischen Auftreten des Cerberus-Gründers Feinberg zusammenhing. Feinberg ist dafür bekannt, von seinen lokalen Stammesfürsten getroffene Vereinbarungen gerne wieder über den Haufen zu werfen. Mit diesem Zentralismus hat er in Deutschland schon den einen oder anderen Mitarbeiter vergrault.

          Cerberus ist ein Sinnbild für die fließenden Grenzen zwischen Hedge-Fonds und Private Equity. Ursprünglich war der Investor als Aufkäufer notleidender Kredite - also Schulden, bei denen der Kreditnehmer im Zahlungsrückstand ist - gegründet worden. Nicht nur wurde das Geschäftsmodell im Laufe der Jahre auf alle Sorten von problematischen Anlagen ausgedehnt, sondern vor allem errang Cerberus dank der Investitionen in faule Kredite auch immer häufiger - durch einen Tausch der Schulden in Eigenkapital - die Kontrolle über angeschlagene Unternehmen.

          Politprominenz in den Diensten des Höllenhundes

          „Warum also immer den Umweg über die Kredite gehen und nicht mal ein Unternehmen direkt kaufen?“, mögen sich Feinberg und Richter gefragt haben. Seither hat der Hedge-Fonds-Private-Equity-Zwitter allein in Deutschland die großen Wohnungsgesellschaften GSW und Baubecon, das Bayer-Plasmageschäft und Debis Air Finance gekauft. In Österreich erwarb Cerberus vor kurzem die einstige Gewerkschaftsbank Bawag.

          Wie kaum eine andere Beteiligungsgesellschaft nutzt Cerberus die Dienste ehemaliger Politiker: Verwaltungsratschef ist seit kurzem der einstige amerikanische Finanzminister John Snow; zu den Vorstandsmitgliedern zählt der ehemalige Vizepräsident Dan Quayle. Auch in Deutschland ist Politprominenz in den Diensten des Höllenhundes aktiv: Der einstige Verteidigungsminister Rudolf Scharping berät Cerberus ebenso wie der vormalige amerikanische Botschafter Daniel R. Coats.

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