03.09.2011 · Trotz Staatsschulden und Konjunkturangst brummt die Branchenkonjunktur. Die Produktion und der Export erreichen ein neues Rekordniveau. Auf der IAA werden fast hundert „Weltpremieren“ präsentiert.
Von Christoph RuhkampKurz vor Beginn der Automesse IAA in Frankfurt laufen die Geschäfte der deutschen Autoindustrie so gut wie seit langem nicht mehr. Trotz der Besorgnis über die Staatsschuldenkrise in Amerika und Europa haben Produktion und Export ein Rekordniveau erreicht, wie der Verband der Autoindustrie (VDA) meldet. „Für das gesamte Jahr 2011 rechnen wir mit einem Produktionsvolumen von über 5,9 Millionen Autos“, sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann am Freitag in Frankfurt. Das sind 8 Prozent mehr als im Vorjahr und zugleich mehr als jemals zuvor.
Nicht nur in Deutschland legt der Absatz zweistellig zu. Rund drei Viertel der hierzulande hergestellten Autos werden vielmehr ins Ausland verkauft; ein Drittel vom Export geht in den Euroraum. Fast überall auf der Welt gewinnen Volkswagen, Daimler und BMW Marktanteile hinzu: Jeder zweite Neuwagen, der in Europa neu zugelassen wird, stammt von einer deutschen Konzernmarke. Das Gleiche gilt für jeden fünften Neuwagen in China und jeden achten in Amerika. Gerade in China werden die besonders teuren und gewinnträchtigen Limousinen der Deutschen wie die Mercedes S-Klasse und der BMW Siebener stark nachgefragt.
Techniken zur Verringerung des Verbrauchs
Auch in jüngster Zeit ist keine deutliche Abschwächung der Branchenkonjunktur zu spüren. Im Gegenteil: Im August legten Export und Produktion jeweils um etwa 18 Prozent zu. „Die Wachstumsraten werden im weiteren Jahresverlauf zwar kleiner werden. Aber in unserer Industrie rechnet niemand mit einer tiefen Rezession“, sagte Wissmann. Auch wenn das Jahr 2012 vielleicht etwas schwieriger werde, bleibe die Autoindustrie grundsätzlich eine Wachstumsbranche. Der Grund dafür sei der Nachholbedarf in Schwellenländern wie Brasilien, China, Indien und Russland. Während in Deutschland 50 von 100 Bewohnern ein Auto besitzen, sind es in China nicht einmal fünf. Da die langfristigen Aussichten deshalb trotz der Konjunktursorgen gut sind, stellt die Branche auch mehr Leute ein. Allein im zurückliegenden Jahr wurden 18.000 zusätzliche feste Stellen in der Autoindustrie geschaffen. Hersteller und Zulieferer beschäftigen nun insgesamt 724.000 Mitarbeiter.
Die Branche hat vor diesem Hintergrund allen Grund zu feiern, wenn die Automesse IAA am 15. September von Bundeskanzlerin Angela Merkel offiziell eröffnet wird. Die Autohersteller lassen sich das Spektakel einiges kosten: Ihre Fahrzeuge zeigen sie auf einer Fläche von 235.000 Quadratmetern, also etwa 48 Fußballfeldern. Auch das ist ein Rekord. Es kommen gut 1000 Aussteller aus aller Welt und präsentieren fast hundert „Weltpremieren“, die Hälfte davon aus deutscher Produktion. Aus China lässt sich allerdings nur der Hersteller Changan blicken, auch der Weltmarktführer für Elektroautos Nissan aus Japan fehlt auf der IAA – ebenso wie der von der Insolvenz bedrohte schwedische Hersteller Saab.
Im Mittelpunkt der Messe stehen Techniken zur Verringerung des Verbrauchs. Die Spannweite reicht dabei von optimierten Verbrennungsmotoren und Leichtbau über Autogas-Antriebe, Hybridfahrzeuge und Elektroautos bis hin zur Brennstoffzelle. Einziger Wermutstropfen für den Verbraucher: Das einzige Elektroauto einer deutschen Marke, das es tatsächlich jetzt sofort und für jedermann zu kaufen gibt, ist der Opel Ampera. Dieses und andere Elektroautos können Besucher auf der Messe Probe fahren.
Herr Bond
Hartmud Ose (hwarang)
- 06.09.2011, 15:38 Uhr
Herr Wissmann, nicht die Zahl der Autos ist entscheidend,
Paul Banaschak (paul.banaschak)
- 04.09.2011, 09:48 Uhr
@Volker Spielmann: RE-Export und Zwischenhandel
Kevin Bond (00Kevin)
- 04.09.2011, 00:52 Uhr
Eine Wirtschaft, die auf Sand gebaut ist…
Volker Spielmann (Schildwache)
- 03.09.2011, 23:27 Uhr