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Verlagsspezial

: Die Zukunft der Städte ist smart

  • -Aktualisiert am

Bild: bingdian/iStock/Thinkstock

Auf dem Subkontinent sollen einhundert Smart Cities entstehen. Das Mittel der Wahl sind privat-öffentliche Partnerschaften. Für ausländische Unternehmen können sich daraus lohnende Investitionschancen ergeben.

          Rund zwei Drittel der 1,27 Milliarden Inder leben heute noch auf dem Land. Doch die urbanen Zentren des Subkontinents wachsen bereits in Rekordtempo. Jede Minute wandern 25 bis 30 Menschen vom Land in die Stadt. Im Jahr 2050, so offizielle Schätzungen, wird sich die Stadtbevölkerung auf über 800 Millionen mehr als verdoppelt haben. Indiens Städte stehen vor großen Herausforderungen. Vor allem die Infrastruktur kann bei dem Wachstumstempo kaum mithalten.

          Vor einem knappen Jahr hat Premierminister Narendra Modi deshalb angekündigt, den Urbanisierungsprozess aktiv zu gestalten: Einhundert sogenannter Smart Cities will die Regierung mit Hilfe ausländischer Investoren in den nächsten Jahren bauen. Schon jetzt sieht es so aus, als würde die Initiative einen gewaltigen Modernisierungsschub auslösen.

          Smart Grid managt die Infrastruktursysteme

          Kennzeichen sogenannter Smart Cities ist die Symbiose städtischer Infrastruktur mit IT-Technologie. Um Ressourcen effizient zu nutzen, Prozesse besser zu managen und mehr Nachhaltigkeit zu gewährleisten, werden alle Infrastruktursysteme in einem Smart Grid vernetzt. Sensoren, Kameras oder intelligente Stromzähler liefern permanent Daten über Wasserverbrauch, Elektrizität, Abfall, Verkehr und mehr.

          Während Südkorea mit Songdo oder China mit der Tianjin EcoCity Beispiele einer Smart City auf der grünen Wiese verwirklicht haben, wird sich Indien bei seinen einhundert geplanten Projekten vor allem auf bestehende Großstädte konzentrieren und hier versuchen, die Infrastruktur zu modernisieren und zu erweitern. Aber immerhin neun Satellitenstädte sollen ganz neu gebaut werden.

          Stadt als Geschäftsmodell

          Bei der Modernisierung der indischen Städte warten gigantische Infrastrukturaufgaben. Straßen, Autobahnen und U-Bahnen müssen neu errichtet und ausgestattet werden, Strom- und Wasserversorgung sind oft in schlechtem Zustand oder nur rudimentär vorhanden. Neue Kraftwerkskapazitäten von rund 30 000 Megawatt werden Indiens Stromnetz bereits bis 2017 hinzugefügt. Um den Energieverbrauch effizienter zu gestalten, ist bis 2021 dann auch die Installation von 130 Millionen Smart Metern geplant – nur ein Beispiel für die Ziele und Erwartungen Indiens.

          Amerikanische Technologiekonzerne wie Cisco, IBM oder Microsoft engagieren sich schon länger sowohl in Indien als auch im Bereich der Smart City. Cisco etwa zeichnete für die IT-Infrastruktur im südkoreanischen Songdo verantwortlich. Der Ort in der Nähe von Seoul gilt als Prototyp der Smart City. Das gilt auch für die ökonomische Idee der neuen Superstädte: Private Investoren und international agierende Immobilienentwickler betrachten Neu- und Ausbau der asiatischen Megacities als lukratives Geschäftsfeld. Die Regierungen freuen sich über fremdes Kapital, das in den Städtebau fließt.

          Wettrennen der Investoren

          Ähnliche Überlegungen treiben Premierminister Narendra Modi an. Er sieht die neuen Smart Cities als Public Private Partnerships und hofft auf das Interesse des Auslands. Diese Rechnung scheint aufzugehen. Anfang Januar, im Rahmen eines hochrangigen Treffens amerikanischer und indischer Politiker und Unternehmen, sicherte US-Präsident Barack Obama Premier Modi seine Unterstützung zu. 

          In Europa signalisierten Spanien, Frankreich und Deutschland ebenfalls großes Interesse. Der indische Stadtentwicklungsminister M. Venkaiah Naidu und Entwicklungshilfeministerin Barbara Hendricks verabredeten ein gemeinsames Komitee, um das Smart-Cities-Programm zu begleiten. Die europäischen Unternehmen dürften das gerne sehen. Schneider Electric, ABB, Alstom oder ThyssenKrupp haben bereits begonnen, ihre Indien-Aktivitäten neu aufzustellen. Auch Siemens wird nicht fehlen, wenn in Neu-Delhi die konkreten Projekte ausgeschrieben werden.

          Doch viele andere Unternehmen könnten ebenfalls von der indischen Initiative profitieren. In den kommenden zwei Jahrzehnten benötigt Indien nach eigenen Angaben 1,2 Billionen US-Dollar an Infrastrukturinvestitionen. Die Pläne dafür werden demnächst konkret: Ende Mai will Indien auf einer großen Konferenz in Neu-Delhi modellhafte Lösungen für seine Smart Cities vorstellen und diskutieren.

          Topmeldungen

          : Auf Entwicklung eingestellt

          Indien ist ein Land der Widersprüche: Riesige Märkte stehen einem bislang unzureichend ausgeschöpften Potential gegenüber. Die neue Regierung will dies ändern.

          : Premium gibt es ab 6500 Euro

          Der indische Automarkt folgt eigenen Gesetzen. Mit unterschiedlichen Strategien behaupten sich VW, Mercedes und BMW in ihren Segmenten.

          : Gut vorbereiten

          Wer nach Indien expandieren möchte, braucht einen langen Atem. Die Kenntnis über die gängigen Vorschriften erleichtert den Unternehmensstart vor Ort enorm.

          : Schlummerndes Potential

          Mit einer Erneuerbare-Energien-Offensive will Indien seine Sonnen- und Windressourcen besser nutzen. Die Projekte können auch für deutsche Firmen interessant sein.