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Verlagsspezial

: Schritt für Schritt zum energieeffizienten Eigenheim

Bild: smuki/fotolia

Heizung, Dämmung, Fenster: Eine energetische Sanierung umfasst meistens mehrere Aspekte. Ein vom Energieberater erstellter individueller Sanierungsfahrplan kann die Planung erleichtern. Was der Sanierungsfahrplan Hausbesitzern bringt

          Das Ziel: Unterstützung bei der Sanierungs-Planung

          Die Energiewende ist in aller Munde, doch der Fokus lag bislang auf der Stromerzeugung. Dabei entfallen rund 40 Prozent des deutschen Energieverbrauchs und 30 Prozent der Treibhausgasemissionen auf Gebäude. Die energiepolitischen Ziele der Bundesregierung sind auch in diesem Bereich sehr ambitioniert: Bis 2050 soll der Gebäudebestand hierzulande nahezu klimaneutral sein, also bei der Wärmeerzeugung per saldo praktisch kein CO2 mehr ausstoßen. Ein Großteil des deutschen Gebäudebestands müsste dafür energetisch auf Vordermann gebracht werden. Doch die Sanierungsquote hinkt weit hinter den Erwartungen zurück: Derzeit wird jedes Jahr gerade mal ein Prozent der Gebäude energetisch saniert. Bleibt es dabei, würde nicht einmal die Hälfte des ausgegebenen Ziels erreicht.

          Doch viele Besitzer in die Jahre gekommener Immobilien wissen gar nicht, wo sie anfangen sollen: Häufig ist die Heizung veraltet, eine Außenwanddämmung nicht oder kaum vorhanden, die Fenster sind zugig und Dächer und Kellerdecken ungedämmt. Angesichts der Fülle an Aufgaben den Überblick zu behalten und sich für eine sinnvolle Reihenfolge der anstehenden Einzelmaßnahmen zu entscheiden fällt schwer. Zumal man auch keine pauschale Aussage darüber treffen kann, ob zuerst die alten Fenster ausgetauscht, die Wände gedämmt oder die veraltete Heizungsanlage rausgeschmissen werden sollte – das ist immer eine Frage des Einzelfalls.

          Um Hausbesitzern bei der Entscheidungsfindung zu helfen, hat die Bundesstelle für Energieeffizienz im Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) gemeinsam mit der Deutschen Energie-Agentur (Dena), dem Institut für Energie- und Umweltforschung (Ifeu) und dem Passivhaus-Institut (PHI) den individuellen Sanierungsfahrplan für Wohngebäude ins Leben gerufen. Dabei handelt es sich um ein Beratungskonzept, das Energieberatern an die Hand gegeben wird. Diese können damit ihre Sanierungsempfehlungen einheitlich und leicht verständlich darstellen und den Immobilienbesitzern auf diese Weise eine wertvolle Hilfestellung bei der Planung ihrer energetischen Sanierung bieten.

          Die Besonderheiten: Unterteilung in nachvollziehbare Einzelschritte

          Der individuelle Sanierungsfahrplan wird über ein softwaregestütztes Tool vom persönlichen Energieberater erstellt. Neben Möglichkeiten des Energiesparens und des Einsatzes erneuerbarer Energien werden auch die nötigen finanziellen Investitionen sowie die zu erwartenden Einsparungen im Energieverbrauch abgeschätzt. Die Darstellung der Ergebnisse einer Energieberatung wird dadurch bundesweit standardisiert. Die Methode wurde in Feldtests geprüft, um die Anforderungen und Wünsche der Energieberater und ihrer Kunden zu berücksichtigen.

          Energieberater können das Instrument freiwillig anwenden. Bieten sie es nicht von sich aus an, sollten interessierte Immobilienbesitzer ausdrücklich danach fragen. Denn die Methode ist für die Immobilienbesitzer sehr wertvoll: Der individuelle Sanierungsfahrplan ermöglicht nämlich eine ganzheitliche Betrachtung des Gebäudes – vom Dach bis zum Keller, von der Gebäudehülle bis zur Anlagentechnik. Daraus wiederum entsteht ein ganzheitliches Sanierungskonzept.

          Durch das standardisierte Verfahren wiederum entsteht Vergleichbarkeit: Die Ergebnisse einer ausführlichen Energieberatung können einheitlich dargestellt werden, die Immobilienbesitzer erhalten konkrete Empfehlungen zu den notwendigen Sanierungsmaßnahmen. „Durch die Einheitlichkeit und das standardisierte Vorgehen stellen wir sicher, dass alle Bereiche analysiert werden und auch zu allen Bereichen Handlungsempfehlungen gegeben werden“, erläutert Dena-Experte Christian Stolte.

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