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Verlagsspezial

: Der schlafende Riese

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Historische Einigung in Paris: Der Jubel war groß, als der Weltklimavertrag von Paris endlich ausgehandelt war. Auf 2,0 Grad Celsius solle die Erderwärmung begrenzt werden, möglichst sogar auf 1,5 Grad. Bild: IakovKalinin/iStockphoto

Die Gebäudesanierung gilt als eine der effektivsten Maßnahmen des Energiesparens. Der Häuserdämmung kommt für das Erreichen der Ziele des Pariser Weltklimavertrages jetzt eine zentrale Rolle zu.

          So deutlich wird die Bundeskanzlerin selten. „Wir werden Wege finden, wie wir bis 2020 unser 40-Prozent-Ziel einhalten. Das verspreche ich Ihnen!“, sagte Sie im September in der ZDF-Sendung Klartext. Dieses Bekenntnis zum Klimaschutz hat es in sich. Denn nach heutigem Stand kann Merkel ihr Wort nicht halten.

          Das 40-Prozent-Ziel, das in direktem Zusammenhang mit dem Pariser Weltklimaabkommen steht, bedeutet konkret, dass die deutschen CO₂-Emissionen bis 2020 im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent sinken sollen. In den folgenden Jahren soll es dann noch weitergehen. In Zahlen ausgedrückt, bedeutet die Merkelsche Klimawende: 1990 hat Deutschland insgesamt 1251 Millionen Tonnen CO₂ in die Atmosphäre geblasen, 2020 dürften es nur noch 751 Millionen sein. Doch davon sind wir bislang weit entfernt.

          In den vergangenen knapp drei Jahrzehnten hat Deutschland eine Reduktion um gerade mal 28 Prozent geschafft – und die gehen zum großen Teil auf den Zusammenbruch der besonders schmutzigen DDR-Industrie zurück. In den letzten Jahren gab es kaum noch einen Fortschritt. Heute emittiert Deutschland etwa so viel CO₂ wie 2009, nämlich 906 Millionen Tonnen. Der Fortschritt ist mittlerweile eine Schnecke, die kaum noch kriecht.

          Das Versprechen der Bundeskanzlerin bedeutet, dass sie in den kommenden drei Jahren sehr schnell Möglichkeiten finden muss, um noch 154 Millionen Tonnen (oder 13 Prozentpunkte) CO₂ einzusparen. Das gelingt nur mit einer weiteren radikalen Wende. Denn die Verkehrsemissionen haben zuletzt sogar zugenommen. Außerdem hat Merkel mehrfach versichert, dass es den Verbrennungsmotor noch „Jahrzehnte“ geben werde. Aber wenn das Auto geschont wird, was bleibt dann?

          Ein gangbarer Weg könnte die bessere Wärmedämmung der Häuser sein. Für die Energie- und Klimapolitik spielen die rund 40 Millionen privaten Haushalte in Deutschland spielen eine wichtige Rolle. Auf einer Fläche von insgesamt 3,4 Milliarden Quadratmetern sorgen sie für etwa 28,5 Prozent des Endenergieverbrauchs. Die Wohnungen werden zurzeit überwiegend mit Gas und Öl beheizt. Drei Viertel des Wohnungsbestands sind mehr als 25 Jahre alt – sie verbrauchen rund 90 Prozent der Heizenergie und mehr als doppelt so viel Energie, wie der Gesetzgeber bei Neubauten erlaubt. „Der Gebäudesektor kann einen großen Beitrag zur Reduzierung deutschen CO₂-Emissionen leisten“, bilanziert Peter Ahmels, Leiter Energie und Klimaschutz bei der Deutschen Umwelthilfe (DUH) . Denn die Einsparpotenziale seien hier so groß wie in keinem anderen Sektor. „Altbauten können ihren Energiebedarf nicht nur um bis zu 85 Prozent senken, sondern der Gebäudesektor bietet außerdem zahlreiche Möglichkeiten für den Einsatz von erneuerbaren Energien für die Wärmeversorgung“, ist der Umweltexperte überzeugt.

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