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Verlagsspezial

: 60 Jahre Wärmedämmverbundsysteme

Bild: sima/fotolia

1957 kam ein Malermeister in Berlin erstmals auf die Idee, sein Haus mit Polystyrol-Platten zu dämmen. Anfangs eher belächelt, steht das Thema Wärmedämmung heute ganz oben auf der Liste von Altbausanierern und Bauherren. Und auch beim Material hat sich viel getan.

          Wenn man es sehr genau nimmt, ist das Thema Wärmedämmung nicht erst 60 Jahre alt, sondern eher so alt wie die Menschheit. Seitdem der frühe Mensch die Höhlen verließ und begann, sich selber festere Unterkünfte zu bauen, ging es auch immer darum, Wärme im Inneren der Behausungen zu halten und die Kälte draußen. Den Iglus der Inuit, Lehmziegelbauten etwa der alten Ägypter oder Fachwerkkonstruktionen aus Holz, Lehm, Reisig und Stroh bronzezeitlicher Bauern in Europa ist diese Eigenschaft durchaus gemein – und heute erinnert man sich wieder an diese Techniken. Später allerdings bei großen Bauten aus Stein und Beton ging es eher um Stabilität, und lange Zeit war es dann schlicht in der Nähe des Kamins oder der Heizung am wärmsten und an manch einer Außenmauer eher kalt.

          Vor 60 Jahren hatte ein Einzelner dann eine zündende Idee: „Ein Malermeister aus Berlin war 1957 der erste, der Styroporplatten an der Außenwand anbrachte und mit einem Putz versah. Zunächst handelte es sich um einen rein empirischen Einsatz von Polystyrol-Dämmstoffplatten mit einer im Verbund aufgebrachten Oberflächenbeschichtung als Witterungsschutz“, erklärt Hans-Joachim Riechers, Hauptgeschäftsführer des Verbands für Dämmsysteme, Putz und Mörtel (VDPM). Damit hatte der Handwerker aus Berlin-Dahlem an seinem eigenen Haus das Erste Wärmedämmverbundsystem (WDVS) entwickelt, wie man die auf der Außenfassade direkt befestigte Kombination aus Dämmstoff, Putzträger und Oberflächenschicht nennt.

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          Hygienischer Mindestwärmeschutz

          Lange Zeit blieb Energiesparen aber eher ein Fremdwort. In der 60er Jahren seien nur sehr vereinzelt Wohnhäuser mit verbessertem Wärmeschutz ausgestattet worden. Lediglich einen „hygienischen Mindestwärmeschutz“ kannte man in Form der damaligen Industrienorm DIN 4108, sagt Riechers. „Dieser soll eine Mindestoberflächentemperatur der Wandinnenseite garantieren, um Schimmelbildung in Räumen zu verhindern. Die Erstfassung der Norm ist übrigens bereits 1952 erschienen“, sagt der Experte. „Allerdings wiesen 1962 bereits Fachleute wie der Architekt Leopold Sutter, ein Experte in Sachen Wärme- und Schallschutz, in einer Studie darauf hin, dass besser gedämmte Wände bei Bau- und Heizkosten die kostengünstigere Lösung sind, und empfahl den doppelten bis vierfachen Wärmeschutz gegenüber der Norm DIN 4108.“

          Die ersten kommerziellen WDVS-Produkte, die Firmen in den 60er Jahren entwickelten, dienten allerdings vornehmlich der Dämmung von Betonsilos, in denen etwa Zucker und Mehl gelagert wurde. „Dabei ging es um die Anhebung der inneren Oberflächentemperaturen, um eine Kondensatbildung zu vermeiden und somit Verklumpen des Lagerguts zu verhindern“, sagt Riechers. Ein breites Umdenken in Sachen Wärmeschutz und Energiesparen habe dann erst mit der Energiekrise im Jahr 1973 eingesetzt, als der Ölpreis plötzlich über Nacht von 10 auf 16 Pfennig pro Liter angestiegen sei. „Damals kam dann auch global die Forderung nach Energieeffizienz im Gebäudebereich auf“, sagt Ralf Pasker vom VDPM. 1977 sei dann die erste Wärmeschutzverordnung in Kraft getreten, um den Energieverbrauch beim Bauen und Wohnen zu senken. In der Folge gab es mehrere „Energieeinsparverordnungen“. Dieses in Kombination mit der steten Verteuerung des Faktors Energie habe das Interesse an Wärmedämmung stetig wachsen lassen, sagt er. „Und gerade in jüngster Zeit rücken auch weitere Vorteile wie höherer Wohnkomfort durch warme Innenwände und der Beitrag effizienter Gebäudehüllen zum Klimaschutz in den Fokus“, sagt Pasker.

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