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Veröffentlicht: 05.04.2017, 08:24 Uhr

Beitrag zur Energiewende Comeback eines Klassikers

Heizöl als Energieträger der Zukunft? Das scheint vielen Menschen zunächst abwegig. Aber wer genau hinschaut, entdeckt überraschende Qualitäten und langfristige Chancen flüssiger Brennstoffe.

© IWO 20 Millionen Menschen beziehen hierzulande ihre Wärme aus Heizöl. Die meisten Ölheizungen stehen in Ein- und Zweifamilienhäusern.

Wer sein Haus energetisch modernisieren möchte, steht irgendwann vor der Frage, wie es künftig beheizt werden soll: mit einer Strom-Wärmepumpe – oder doch lieber mit einer Gastherme? Auch werden erneuerbare Heizsysteme wie etwa eine Holzpellet-Heizung angeboten. Ein „Klassiker“ aber steht recht selten zur Diskussion, weil ihm der Ruf anhaftet, von gestern zu sein: die Ölheizung.

Doch gerade jene völlig aus der Mode gekommene Heizform feiert nun ihr Comeback: Gerade bei Modernisierungen kommen moderne Öl-Brennwertkessel vermehrt zum Einsatz. Das belegen Zahlen des Bundesverbandes der Deutschen Heizungsindustrie (BDH). Demzufolge stieg der Absatz bei Öl-Brennwertgeräten 2015 im Vergleich zum Vorjahr um fast ein Drittel. 2016 gab es, bei einem insgesamt rückläufigen Markt, sogar noch einmal ein Plus von zwölf Prozent auf rund 67.000 Stück. Und dafür gibt es Gründe.

Beitrag zur Energiewende

Längst ist klar: Die vielbeschworene Energiewende kann nur gelingen, wenn nicht nur die Stromversorgung revolutioniert wird, sondern auch der Wärmemarkt einen substantiellen Beitrag leistet. Denn schließlich benötigen die privaten Haushalte hierzulande laut Angaben des Umweltbundesamtes mehr als zwei Drittel ihres Endenergieverbrauchs, um Räume zu beheizen. Die Möglichkeiten, die bewährte, akzeptierte und zugleich auch bezahlbare Technologien wie etwa Brennwertheizungen bei der Wärmeversorgung von Gebäuden bieten, werden daher in vielen Zukunftsszenarien unterschätzt.

Aufmacher2 © IWO Vergrößern Künftig könnten sogenannte Öl-Hybridheizungen dank Power-to-Heat auch überschüssigen Ökostrom in die Wärmeversorgung einbinden.

20 Millionen Menschen beziehen ihre Wärme hierzulande aus Heizöl, die meisten Ölheizungen stehen in Ein- und Zweifamilienhäusern. Vor allem in ländlichen Räumen sind Ölheizungen weiterhin weit verbreitet, denn mancherorts stehen leitungsgebundene Energieträger wie Erdgas erst gar nicht zur Verfügung. Eine Heizungsmodernisierung mit Öl-Brennwerttechnik ermöglicht daher Millionen Menschen einen schnellen und bezahlbaren Einstieg in die Energiewende. Bereits heute setzen immer mehr Eigentümer auf Öl-Brennwertkessel, die höchste Effizienz garantieren.

Einsparpotentiale heben

So ist das Comeback der Ölheizung für Klimaschutz und Energiewende keine schlechte Nachricht, im Gegenteil. Die Mehrzahl der neuen Ölkessel wird in Bestandsbauten eingebaut, wo sie alte Anlagen mit oftmals mehr als 30 Jahren auf dem Buckel ersetzen. Hier liegen enorme Energieeinspar- und damit einhergehend CO2-Minderungspotentiale: Eine Heizungsmodernisierung mit Öl-Brennwerttechnik sorgt für eine Treibhausgasminderung von bis zu 30 Prozent. Denn moderne Brennwertheizungen nutzen auch die im Abgas gebundene Wärme und erreichen dadurch Wirkungsgrade von annähernd 100 Prozent.

Dadurch wird das Heizen umweltschonender, effizienter und letztlich auch kostengünstiger, weil gegenüber älteren Heizkesseln deutliche Brennstoffeinsparungen ermöglicht werden. So ist der Heizölverbrauch auch dank effizienter Brennwerttechnik in den vergangenen zwanzig Jahren bei nahezu konstanter Anzahl an Ölheizungen um mehr als die Hälfte gesunken. „Flüssige Energieträger bieten viele Potentiale, um die Energiewende weiter voranzubringen“, betont Adrian Willig, Geschäftsführer des Instituts für Wärme- und Öltechnik (IWO).

Im Tandem mit erneuerbaren Energien

Zumal sich ein neuer Brennwertkessel auch sehr gut mit erneuerbaren Energien wie Sonne oder auch Holz kombinieren lässt. Knapp ein Drittel aller neuen Ölheizungen wird laut einer IWO-Befragung im Rahmen einer Modernisierung durch eine Solarthermie-Anlage für die Brauchwasserbereitung oder zur Unterstützung der Raumheizung ergänzt. Fast eine Million in Kombination mit Solarthermie betriebene Ölheizungen gibt es hierzulande bereits. Das zeugt davon, dass viele Immobilieneigentümer Ölheizungen als Teil eines nachhaltigen Energiemixes zur Wärmeversorgung betrachten.

Künftig könnten sogenannte Hybrid-Heizsysteme dank Power-to-Heat auch überschüssigen Ökostrom in die Wärmeversorgung einbinden. Die Idee dabei: Stromerzeugungspotentiale, die wirtschaftlich oder technisch nicht sinnvoll nutzbar sind, werden mittels elektrischer Heizeinrichtungen in Wärme umgewandelt. Da heute bereits an sehr windigen Tagen regional mehr Strom produziert wird, als das Netz zu transportieren vermag, müssen immer wieder erneuerbare Stromerzeuger „abgeregelt“ werden. Allerdings: Der nicht produzierte Strom verursacht infolge der gesetzlich verbrieften Entschädigungszahlungen an die Betreiber von Windkraftanlagen dennoch Kosten in dreistelliger Millionenhöhe – und diese müssen über die Netzentgelte von den Verbrauchern finanziert werden.

Durch die gezielte Aktivierung von Power-to-Heat könnte laut IWO-Angaben das erneuerbare Stromerzeugungspotential für Kunden nutzbar werden. Und diese könnten ihr Geld für eine heizölsparende erneuerbare zusätzliche Energiequelle einsetzen. Anders als reine Elektroheizungen wie beispielsweise monovalente Strom-Wärmepumpen benötigen Power-to-Heat-fähige Ölheizungen dabei keine zusätzlichen, teuren Reservekraftwerkskapazitäten für wind- und sonnenarme Zeiten.

Treibhausgasreduzierte Flüssigbrennstoffe

Um die Vorteile eines flüssigen Energieträgers langfristig nutzen zu können, wird zusätzlich zum bereits erhältlichen Bio-Heizöl auch an weiteren Innovationen gearbeitet. So lassen sich beispielsweise synthetische flüssige Kohlenwasserstoffe aus Algen oder auch Rest- und Abfallstoffen gewinnen, die dann anschließend in Ölheizungen Verwendung finden könnten. Die Wärmeversorgung mit Öl-Brennwertheizungen bekäme dadurch langfristig sogar eine klimaneutrale Perspektive.

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