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Marktausblick : Geopolitische Ungewissheit und die Weltwirtschaft

  • Aktualisiert am

Bild: Pimco

So beurteilen Ben Bernanke und PIMCOs Global Advisory Board die Aussichten für das weltweite Wirtschaftswachstum, China und Brexit.

          FRAGE: Welche geopolitischen Risiken beunruhigen Sie am meisten?

          ANTWORT: Sowohl staatliche als auch nicht-staatliche Akteure tragen zu einem internationalen Umfeld bei, in dem größere Turbulenzen und Instabilität zur Norm werden.

          Betrachten wir die einzelnen Staaten, so stellen wir fest, dass es eine zunehmende Multipolarität gibt: Die USA ziehen sich aus ihrer weltweiten Führungsrolle bei Diplomatie, Sicherheit und Handel zurück, und aufstrebende Mächte wie China und Russland schließen die Lücke. Neue Mächte entstehen, insbesondere im Nahen Osten, wo der Rückzug der USA es dem Iran und Russland ermöglicht hat, eine aktivere Rolle zu spielen, und wo auch die Türkei einen aktiveren Part anstrebt.

          Nordkorea ist weiterhin eine Region, die große Sorgen bereitet. Sowohl China als auch die USA erkennen, dass sie eine diplomatische Lösung finden müssen, aber China hat Gründe, einen Beschluss aufzuschieben, und die Präsenz Russlands verkompliziert die Lage. Eine solch waghalsige Politik erhöht das Risiko von Fehleinschätzungen. Nicht-staatliche Akteure bringen eine zusätzliche Ebene von Komplexität ein: Insbesondere Terrornetzwerke sind weiterhin eine Bedrohung, und Cyber-Attacken gehören immer mehr zur Tagesordnung. Zudem können das Wetter (man denke an die Hurrikan-Saison 2017) und Epidemien weitreichende Auswirkungen haben, die die Handlungsfähigkeit des internationalen Systems infrage stellen.

          FRAGE: Wie haben sich diese Risiken in den vergangenen zehn Jahren verändert?

          ANTWORT: Eine der bedeutendsten Veränderungen ist das stetige Aufkommen populistischer Anti-Globalisierungs-Bewegungen. In der Politik fördern diese Tendenzen den Nationalismus und schwächen die internationale Zusammenarbeit. In der Wirtschaft behindern sie Handel, Immigration und wirtschaftliche Integration, während sie die Nutzung fiskalpolitischer Maßnahmen für politische Zwecke fördern, auch wenn die konjunkturellen Bedingungen derartige Maßnahmen gar nicht erfordern.

          Auch wenn er mal stärker und mal weniger stark ausgeprägt ist: Der Populismus wird in den entwickelten Wirtschaften und auch in einigen Schwellenländern wahrscheinlich eine bedeutende politische Kraft bleiben.

          FRAGE: Wie sehen die Aussichten für Chinas Wirtschaft nach dem 19. Parteikongress aus?

          ANTWORT: Präsident Xi Jinping hat seine Position als der alles überragende Herrscher Chinas zementiert. Während er die bestehenden Formen der politischen Führerschaft in China respektiert, hat er in der Praxis weitere Macht angesammelt, was erhebliche Folgen für die Wirtschaft und die Finanzmärkte hat.

          Seine Regierung verfolgt zwei übergeordnete Ziele: Bis 2035 soll China eine weltweite Führungsposition bei Innovation und der Ausübung von Soft Power nach rechtsstaatlichen Prinzipien innehaben, und bis 2049, also zum 100. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik China, soll das Reich der Mitte ein vollständig entwickeltes, reiches und mächtiges Land sein. Wachstumsziele sind weiterhin wichtig, aber diese breiter angelegten qualitativen Ziele haben nun höhere Priorität.

          Ob diese Ziele erreicht werden, hängt davon ab, ob es gelingt, nicht in die „Thukydides-Falle“ zu tappen, nach der eine aufsteigende Macht zwangsläufig die vorherrschende Macht (in diesem Fall die USA) herausfordern muss. Der friedliche Aufstieg Chinas ist heute gleichermaßen im Interesse auch dieses Landes wie der Weltgemeinschaft, was die wirtschaftliche und politische Stabilität unterstützt. Handelsungleichgewichte werden weiterhin ein politischer Knackpunkt sein, aber ein ausgewachsener Handelskrieg ist unwahrscheinlich. Denn seitdem die USA stärker nach innen gewandt sind, springt China als wichtige Stütze des weltweiten Handelssystems ein, wie auch in anderen Bereichen, etwa bei der Bekämpfung des Klimawandels.

          Die erhebliche Verschuldung Chinas könnte Risiken bergen, ebenso wie sein riesiges Schattenbanksystem. Doch es gibt einige ermutigende Anzeichen aus jüngster Zeit für die Verlangsamung und Straffung des Kreditwachstums und die Reform staatseigener Unternehmen. Die chinesischen Führer scheinen sich auch auf die Aufrechterhaltung eines stabilen Wechselkurses zu konzentrieren. Alles in allem deuten diese Entwicklungen auf wirtschaftliche Stabilität für die kommenden zehn Jahre hin, allerdings auch auf geringere Wachstumsraten, da die Wirtschaft sich entschuldet und Maßnahmen ergriffen werden, um eine Neugewichtung zwischen Schwerindustrie und Dienstleistungen herbeizuführen.

          FRAGE: Wie viel weiterer Spielraum bleibt der wirtschaftlichen Expansion in den USA?

          ANTWORT: Es gibt keinen naheliegenden Grund, warum die seit nunmehr neun Jahren andauernde Expansionsphase bald enden sollte. Die US-Wirtschaft ist trotz der jüngsten Schäden durch Hurrikane in einer guten Verfassung. Der Stellenzuwachs ist stark, der Wohnungsmarkt ist weiterhin gesund, und der Wohlstand liegt real deutlich über seinen Spitzenwerten aus der Zeit vor der Krise – all das sind Faktoren, die den Ausgaben der Privathaushalte Auftrieb verleihen werden. Und wie es so schön heißt: Expansionsphasen sterben nicht allein aus Altersgründen.

          In der Geschichte hat es zwei Auslöser für das Ende von Expansionsphasen der US-Wirtschaft gegeben: Inflation, die – wenn sie mit Zinsanhebungen bekämpft wurde – zu einer Rezession geführt hat, und finanzielle Instabilität. Heute liegt die Kerninflation unter dem Ziel der Fed, und die vorsichtige und allmähliche Annäherung der Notenbank an eine Normalisierung der Geldpolitik (über Zinsanhebungen und eine Verringerung der Bilanz) wird sich unter der neuen Führung der Fed wahrscheinlich fortsetzen.

          Finanzielle Instabilität lässt sich schwerer vorhersagen, aber insgesamt sind die USA keine übermäßig verschuldete Volkswirtschaft. So könnte beispielsweise ein Rückgang der Aktienmärkte das Wachstum ein wenig bremsen, dürfte aber für sich genommen wahrscheinlich nicht zu einem markanten Abschwung führen.

          FRAGE: Wie könnten sich Steuersenkungen oder eine Steuerreform in den USA an diesem Punkt der Aufschwungphase auswirken?

          ANTWORT: Wie bereits erwähnt, wird die Fiskalpolitik derzeit eher vom politischen Zyklus als vom Konjunkturzyklus bestimmt, und das ist auch in den USA so. Doch aufgrund politischer Sachzwänge werden sich sowohl eine umwälzende Reform des Steuersystems als auch massive Steuersenkungen nur schwer durchsetzen lassen. Demzufolge dürften die Auswirkungen auf das kurzfristige Wachstum und die geldpolitische Strategie der Fed wahrscheinlich moderat ausfallen.

          FRAGE: Hat der Populismus in Europa seinen Höhepunkt erreicht?

          ANTWORT: Auch wenn populistische Parteien bei wichtigen Wahlen in den Niederlanden, Deutschland und Frankreich Niederlagen hinnehmen mussten, haben sie ihren Stimmenanteil gegenüber früheren Jahren erhöht. Sie mögen kurzfristig hinter den Erwartungen zurückgeblieben sein, aber die grundlegenden Quellen ihrer Unterstützung sind weiterhin vorhanden. Populisten kontrollieren zwar nicht viele Regierungen, aber sie werden auf absehbare Zeit einflussreich bleiben.

          Der Populismus auf dem europäischen Kontinent richtet sich nicht unbedingt gegen die Europäische Union. So ist beispielsweise das, was in Deutschland als Anti-EUBewegung begann, mittlerweile vorwiegend zu einer Anti-Immigrationsbewegung geworden. Ebenso ist die Unterstützung in der Bevölkerung für den Euro und die Eurozone weiterhin im Allgemeinen solide, wie sich bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich gezeigt hat.

          FRAGE: Kann die Währungsunion die nächste Rezession überleben?

          ANTWORT: Die Sorgen über die Zukunft der Eurozone scheinen übertrieben zu sein. Die Währungsunion hat die Finanzkrise und die darauf folgende Rezession überlebt und ihre Mitgliederzahl in dieser Zeit sogar noch erhöht. Jetzt geht es um die Aussichten auf anhaltendes Wirtschaftswachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen, unterstützt durch Strukturreformen und Geldpolitik. Die Inflation ist nach wie vor gering, aber die Deflationsgefahr besteht nicht mehr.

          Das soll indes nicht heißen, dass alles gut ist: Sollte sich eine neue Rezession einstellen, hätte die Europäische Zentralbank wenig Spielraum für eine weitere Lockerung der Geldpolitik. Zudem ist die Bankenunion bei Weitem noch nicht vollständig realisiert, und im Hinblick auf Einlagensicherung und notleidende Kredite gibt es noch viel zu tun. Die führenden europäischen Politiker werden weiter an strukturellen Reformen arbeiten und vorsichtige Schritte in Richtung einer umfassenderen Fiskalunion machen müssen.

          FRAGE: Welche Auswirkungen wird der Brexit voraussichtlich auf die britische Wirtschaft haben? Und gibt es eine Chance, dass er gar nicht stattfindet?

          ANTWORT: Es ist interessant, wie wenig Menschen trotz einiger ungünstiger wirtschaftlicher Entwicklungen und politischer Unsicherheit seit dem Referendum ihre Meinung geändert haben. Wenn der Brexit noch einmal infrage gestellt werden soll, bräuchten wir einen „Game Changer“, d. h. einen Kompromiss oder eine neue Herangehensweise an eines der vier Themen im Zusammenhang mit der EU-Mitgliedschaft, nämlich Immigrationspolitik, EU-Haushalt, die Rolle der EU-Gerichte und ‑Vorschriften sowie Handelsvereinbarungen. Ein solcher Game Changer scheint kaum zu existieren. Derweil dürfte der Übergangsplan in den kommenden Monaten klarer werden, aber das Vereinigte Königreich wird wahrscheinlich eher Regeln einhalten müssen, als sie selbst vorzugeben.

          Der Brexit übt beachtlichen Einfluss auf die Politik der Bank of England (BoE) aus. Nach dem Referendum im Jahr 2016 ging die BoE davon aus, dass die Wirtschaft schrumpfen würde, und senkte die Zinsen. Heute kann die BoE auf Wachstum, über dem Zielwert liegende Inflation und die nachlassende Schwäche auf dem Arbeitsmarkt als Begründung für eine Zinserhöhung verweisen. Gleichwohl gehen wir davon aus, dass jegliche Zinserhöhung eher eine Nachkalibrierung als der Beginn eines Zyklus von Zinsanhebungen sein wird.

          Das PIMCO Global Advisory Board setzt sich aus folgende Experten zusammen: Ben Bernanke – Vorsitz (ehemaliger Vorsitzender der US-Notenbank), Gordon Brown (ehemaliger britischer Premierminister), Ng Kok Song (Ehemaliger Chief Investment Officer des Staatsfonds Government of Singapore Investment Corporation), Anne-Marie Slaughter (Professor Emerita für Politik und internationale Angelegenheiten der Princeton University und ehemalige Director of Policy Planning im US-Außenministerium) und Jean-Claude Trichet (ehemaliger Präsident der Europäischen Zentralbank).

          Alle Investitionen enthalten Risiken und können an Wert verlieren.

          Äußerungen zu Trends an den Finanzmärkten werden aufgrund der aktuellen Marktsituation getroffen, die aber einem ständigen Wandel unterworfen ist. Es wird keine Garantie dafür gegeben, dass die oben genannten Szenarien bei allen Marktgegebenheiten funktionieren und jeder Investor sollte in der Lage sein, möglichst langfristig zu investieren, insbesondere während Marktabschwächungsphasen.

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