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Kommentar : Was können Anleger von einer Powell-Fed erwarten?

Bild: Pimco

Donald Trump hat Jerome Powell für den Vorsitz des Federal Reserve Board nominiert. Wir erklären, was dies für Zinssätze, Regulierung und Banken bedeutet und warum wir meinen, dass er eine kluge Wahl für den Fed-Vorsitz ist.

          Am 2. November war es soweit: US-Präsident Donald Trump stellte mit dem Fed-Gouverneur Jerome Powell seinen Kandidaten für den Vorsitz des Federal Reserve Board vor. Powell , der seit 2012 dem Führungsgremium der US-Notenbank angehört, wurde zweimal vom US-Senat bestätigt. Und er dürfte ohne größere Auseinandersetzungen wohl auch als Vorsitzender rechtzeitig bestätigt werden, damit er im Februar 2018, wenn die Amtszeit der derzeitigen Fed-Chefin Janet Yellen endet, den Vorsitz der US-Notenbank übernehmen kann. "Jay" Powell, ein ausgebildeter Jurist, arbeitete in den 1990er Jahren als leitender Beamter im US-Finanzministerium und war, bevor er Fed-Gouverneur wurde, im Vorstand der Carlyle Group.

          Powell, der während seiner Amtszeit als Gouverneur nie gegen eine geldpolitische Entscheidung gestimmt hat, wird voraussichtlich den Rahmen der geldpolitischen Normalisierung, der von der Fed unter der Leitung von Janet Yellen gesetzt wurde, beibehalten. Für 2018 bedeutet die aktuelle Guidance der  Fed, dass die Leitzinsen weiter schrittweise ansteigen werden. Die Median-Prognose der US-Notenbank sieht vor, dass drei Zinserhöhungen im kommenden Jahr angemessen sind, sofern sich die Wirtschaft entsprechend der Vorhersage entwickelt.

          Das Gleiche erwarten wir für den derzeitigen Plan der Fed zur Reduzierung ihrer Bilanz, ein Prozess, der im Oktober begonnen wurde. Dieser Plan - an dessen Entwicklung Powell mitgewirkt hat - wurde gegenüber den Märkten gut kommuniziert und hat bisher kein erneutes Taper Tantrum wie im Jahr 2013 ausgelöst. Aktuell sieht er eine vorhersehbare monatliche Reduzierung der von der Fed gehaltenen Bestände an US-Staatsanleihen und Hypothekenpapieren vor.

          Soweit es die Finanzmarktregulierung betrifft, hat Powell eingeräumt, dass vieles dafür spricht, dass es zu einer Änderung der Volcker-Regel kommt und es für kleinere Banken einfacher wird, die jährlichen Stresstests der Fed zu bestehen.

          Im Jahr 2019 und auch darüber hinaus wird die Fed unter der Leitung von Powell wichtige Entscheidungen  - die während der Amtszeit von Yellen nicht geklärt wurden - treffen müssen. Zum Beispiel wann und wie der Prozess der geldpolitischen Normalisierung beendet wird. Genauer gesagt wird die Fed an einem bestimmten Punkt entscheiden müssen, wann sie damit aufhört, die Zinsen zu erhöhen, und wann sie die Reduzierung ihrer Bilanz beendet. Seinen öffentlichen Äußerungen zufolge, scheint Powell PIMCOs Konzept des ‚New Neutral‘ nahe zu sein, wonach die Zielsetzung für die US-Leitzinsen während dieses Zinserhöhungszyklus viel niedriger sein wird, als es vor der globalen Finanzkrise der Fall war. Allerdings sind sich die Fed-Vertreter nicht einig darüber, wo dieses ‚neue neutrale Niveau‘ ist. Irgendwie wird Powell hier einen Konsens finden müssen.

          Ähnlich sieht die Geschichte bei der Normalisierung der Fed-Bilanz aus. Heute sind sich alle Fed-Offiziellen einig, dass die Bilanz kleiner sein sollte. Aber es gibt keine Einstimmigkeit über die optimale finale Größe. An irgendeinem Punkt muss Powell als Vorsitzender der Fed auch für diese geldpolitische Entscheidung einen Konsens schaffen.

          Unserer Ansicht nach ist Jerome Powell eine kluge Wahl für den Fed-Vorsitz. Auch wenn die Fed unter seiner Führung längerfristig einige kritische Entscheidungen über die endgültigen Zielgrößen für den Zins und die Bilanz treffen muss, so dürfte er doch für Kontinuität stehen. Das heißt, er wird den von der Fed unter Yellens Leitung entwickelten geldpolitischen Rahmen, der eine allmähliche Normalisierung des Leitzinses und eine vorhersehbare Reduzierung der Bilanz vorsieht, kontinuierlich fortführen. Wir stellen aber auch fest, dass Powell wahrscheinlich empfänglicher für Bedenken ist, dass das Pendel in der Finanzregulierung zu weit ausgeschlagen ist. Und dass er folglich für Vorschläge zu umsichtigen Anpassungen, insbesondere soweit es kleinere Banken betrifft, offener ist.

          Wir sind optimistisch bezüglich des neuen Vorsitzenden und das nächste Fed-Kapitel.

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