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Interview mit Dr. Andreas Windel : „Der MINT-Bedarf wächst“

  • Aktualisiert am

Dr. Andreas Windel ist Geschäftsführer der Dr. Windel & Partner Gesellschaft für Management und Personalberatung mbH mit Sitz in Bonn. Weitere Informationen unter www.dr-windel.de. Bild: Dr. Windel & Partner Gesellschaft für Management und Personalberatungs mbH

Absolventen der sogenannten MINT-Fächer werden dringend gesucht – das gilt auch für Automobilhersteller und -zulieferer. Im Gespräch mit Personalberater Andreas Windel.

          Herr Dr. Windel, wie sehr trifft der Fachkräftemangel im MINT-Bereich den deutschen Mittelstand?
          Je nach Region recht hart, insbesondere Gegenden außerhalb der Ballungszentren wie Odenwald, Westerwald, Eifel oder das Sauerland sind schon heute davon betroffen. Ein weiterer Aspekt: Je weniger sexy die Produkte sind, desto größer ist das Problem. Ein waffenproduzierendes Unternehmen bewegt sich da am untersten Ende des Spektrums, während Porsche in Stuttgart wahrscheinlich kaum betroffen ist. Denn es gibt ja Nachwuchskräfte im MINT-Bereich – derzeit etwa 41 000. Doch zugleich scheiden immer mehr Arbeitnehmer aus, so dass der Bedarf schon deshalb wächst. Und die MINT-Kräfte sind Voraussetzung für mehr Wertschöpfung in Deutschland.

          Mit welchen Maßnahmen reagieren Mittelständler hierauf?
          Sie besuchen zum Beispiel die Bondingmessen der Hochschulen mit einem eigenen Stand und versuchen dort, Studenten direkt anzusprechen. Das geht auch. Nur: Diese Messen finden in der Regel etwas außerhalb des normalen studentischen Lebens statt und teilweise an Randterminen, etwa freitags. Dadurch ist die Resonanz oft eher enttäuschend, zumal viele Unternehmen keine zielgruppenspezifische Informationen vorbereiten. Wer auftritt wie auf einer Kundenmesse, muss sich aber über mangelndes Interesse der Studenten nicht wundern. Man muss heute beispielsweise viel mehr auf Aspekte der Work-Life-Balance eingehen, um die Absolventen für sich zu interessieren. Generell sind Messen oder klassische Stellenanzeigen zwar sinnvoll. Aber das reicht oft nicht.

          Sollten Mittelständler verstärkt unter Absolventen aus anderen EU-Staaten rekrutieren?
          Das wird bereits versucht, doch ist nur begrenzt möglich. Teilweise stehen kulturelle Gründe im Weg – der Unterschied zwischen einem Leben in Madrid oder Barcelona und in ländlichen Gebieten Deutschlands ist doch sehr groß. Da gibt es viel Enttäuschungspotential auf beiden Seiten. Zudem ist unser Arbeitsmarkt nicht so liberal wie etwa in Großbritannien. Wir kommen nicht darum herum, das Potential der rund 15 bis 20 Prozent MINT-fähigen pro Jahrgang besser zu nutzen und schon in den Schulen stärker für die Naturwissenschaften zu werben.

          Das wird allerdings dauern. Was können die Unternehmen heute konkret tun?
          Sie können sich beispielsweise verstärkt darüber Gedanken machen, wie sie jungen Frauen bessere Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie schaffen können – da sind wir vielerorts noch längst nicht am Ende der Fahnenstange. Es gibt Beispiele für Unternehmen, die gemeinsam Kindergärten und Kinderhorte betreiben, deren Öffnungszeiten an die Bedürfnisse der Firmen angepasst sind und wo die Erzieherinnen so gut bezahlt werden, dass man wirklich gute Kräfte hierfür findet. Diese Unternehmen können dann auch anders auf den Nachwuchs zugehen. Das kostet natürlich Geld. Aber noch teurer ist es, eine Stelle nicht besetzen zu können.

          Mit der von Ihnen gegründeten Fördergesellschaft „Jugend und Technik“ wollen Sie mittelständische Unternehmen dabei unterstützen, sich in der Personalgewinnung gegenüber den Großkonzernen zu behaupten und wettbewerbsfähig zu bleiben. Wie gehen Sie dabei vor?
          Eine Besonderheit: Wir gehen direkt auf die Studenten und die Studentenvertretungen, also etwa Fachschaften, zu. In Absprache mit den Studentenvertretern organisieren wir dann Promotionstage für Unternehmen und bieten dabei beispielsweise auch Kurzcoachings im Bereich der Karriereberatung an, inklusive Insidertipps von Bewerbungsexperten. Zudem berichten Mitarbeiter aus den Unternehmen aus ihrem Arbeitsalltag. Bei entsprechendem Interesse organisieren wir dann Firmenbesichtigungen und fahren die Studenten unter dem Motto „Mit der Technik von gestern die Technik von morgen erfahren“ mit historischen Fahrzeugen von den Hochschulen zum Unternehmen.

          Wie reagieren die Studentenvertreter auf Ihre Anfragen?
          Das ist völlig unterschiedlich. Tendenziell ist bei kleineren Fächern die Bereitschaft höher, sich für die Studenten einzusetzen. So kommt man sicher leichter mit den Materialwissenschaftlern an der RWTH Aachen ins Gespräch als mit der dortigen Maschinenbaufakultät. Auch Fachhochschulen sind generell interessierter als renommierte Universitäten.

          Welche Erfolge konnten Sie bislang erzielen?
          Bei einem Spezialgerätehersteller im Siegerland ist es uns so gelungen, sieben Studenten zu gewinnen. Dort hatte man zuvor für einige Jahre auf die Einstellung älterer Mitarbeiter gesetzt, um dem Arbeitskräftemangel zu begegnen – doch damit gerät das Unternehmen nun schlicht an die Altersgrenze. Es führte also kein Weg an der Rekrutierung von Nachwuchs vorbei, um überhaupt weitermachen zu können.

          Das Gespräch führte Alexander Schneider.

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