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Verlagsspezial

: Unterschätztes Potential

  • -Aktualisiert am

Befragt wurden 364 finanzaffine Privatanleger aus Deutschland Bild: MC4MS.

Privatanleger können dem ETF-Markt zu weiterem Wachstum verhelfen. Dabei sind nicht nur die Selbstentscheider interessant.

          Finanzaffine Privatanleger, die ihre Kapitalanlagen weitgehend selbst und ohne Anlageberatung tätigen, sind als Zielgruppe in den Fokus der Anbieter von Exchange Traded Funds (ETF) geraten. Nicht ohne Grund: Dieser Anlegertyp hat sich bereits von sich aus für die Anlageform interessiert, als die ETF-Anbieter selbst noch vor allem institutionelle Anleger im Visier hatten, und macht immerhin rund ein Drittel aller privaten Investoren in Deutschland aus. Eine empirische Studie der Unternehmensberatung MC4MS in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Bankbetriebslehre der Universität Mainz und dem Magazin „Börse-Online“ hat hierzu ergeben, dass mehr als die Hälfte der ETF-Erstkäufe deutscher Privatanleger schon in den Jahren 2006 bis 2009 erfolgte. Nur ein Drittel hat in den Jahren danach erstmals auf dieses Anlagevehikel gesetzt.

          Indexfonds haben sich bei informierten Anlegern durchgesetzt
          Hauptgründe für den ETF-Kauf von Privatanlegern sind laut dieser Befragung aus dem Jahr 2012 die geringen Kosten beim Erwerb sowie die niedrigeren jährlichen Managementgebühren, gefolgt von den gezielten Anlagemöglichkeiten in Länder, Sektoren und Themen. Durch diese Motivatoren sind börsengehandelte Indexfonds heute fester Bestandteil der Anlagestrategie vieler informierter Privatanleger. Die Produktanbieter intensivieren folgerichtig im umkämpften Markt ihre Bemühungen um sie. Dennoch hat auch innerhalb dieser finanzaffinen Privatkunden ein Teil noch nie in ETFs investiert.
          Welche Gründe nennt diese Gruppe hierfür? Rund die Hälfte (49 Prozent) sagt, dass sie ETFs zwar kenne, sich aber noch nicht mit den Anlagemöglichkeiten beschäftigt habe. Fast ein Drittel (29 Prozent) hingegen gibt an, ETFs nicht zu kennen. Ein geringer Anteil (16 Prozent) steht ETFs kritisch gegenüber. Finanzaffine Anleger haben insofern in der Regel schon von ETFs gehört, ihnen sind aber die Vorteilhaftigkeit und die Anlagemöglichkeiten noch nicht genügend bekannt.

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          Befragt wurden 364 finanzaffine Privatanleger aus Deutschland :

          Die Marken sind teilweise noch unbekannt
          Deutliche Unterschiede ergeben sich in der Bekanntheit von ETF-Anbietern: Während bei ETF-Anlegern die Bekanntheit der Anbieter – zum Teil deutlich – über 50 Prozent liegt, kann lediglich db X-trackers (Deutsche Bank) und Comstage (Commerzbank) auch eine signifikante Bekanntheit bei finanzaffinen, aber noch nicht in ETF anlegenden Privatanlegern aufweisen. Für die ETF-Anbieter bedeutet dies, nicht nur den Nutzen der Anlageform ETF herauszustellen, sondern vor allem auch in die eigene Markenbekanntheit zu investieren, um neue private Anleger für sich zu gewinnen. Dabei erfordert die Entscheidung einiger Institute, mit einer eigenen, unabhängig agierenden Marke im ETF-Markt präsent zu sein, entsprechend mehr Investitionen. Unter diesem Aspekt ist es einfacher, im Markt die Hauptmarke auch für ETF-Produkte zu nutzen (zum Beispiel „UBS ETF“) – oder zumindest eine Kombination von Unternehmens- und ETF-Marke.

          Mittelfristig dürfte für die ETF-Anbieter auch das hybride Kundensegment interessant sein, welches zwischen dem reinen Selbstentscheider und dem delegierenden Beratungskunden liegt. Damit ist der je nach Anlageanlass und Produkt variierende, aber insgesamt zunehmende Bevölkerungsanteil gemeint, der sich selbst über Anlagemöglichkeiten informiert und Beratungsempfehlungen von Banken und Sparkassen als Hilfestellung für die eigene beziehungsweise gemeinsame Anlageentscheidung nutzt.

          Es liegt nicht nur an der Beratung
          Um mit ETFs eine breitere Bevölkerung zu erreichen, bedarf es laut den in der Studie befragten Anlegern zunächst einmal, ETF als Anlagevehikel in der Bevölkerung bekannter zu machen (32 Prozent) und die Bekanntheit und das Renommee der ETF-Anbieter zu erhöhen (18 Prozent). Der Vermutung, dass vor allem die zu geringe Empfehlung von ETFs durch Banken und Sparkassen die Etablierung von ETFs bei deutschen Privatanlegern verhindert, stimmen finanzaffine Anleger nur zu einem geringen Teil zu (16 Prozent). Durch geeignete Kommunikations- und Marketingmaßnahmen haben es ETF-Anbieter demnach selbst in der Hand, neben den finanzaffinen Privatanlegern, die immerhin rund ein Drittel aller Privatanleger ausmachen, auch einen nicht geringen Teil aus dem hybriden Kundensegment für sich gewinnen zu können. Eine Ausrichtung vor allem auf institutionelle Anleger unterschätzt dieses Potential.

          Marc Ahlers, Managing Director der Unternehmensberatung MC4MS, Wiesbaden

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