Home
Anzeigensonderveröffentlichung

Die gewebte Wirklichkeit

 ·  Was macht man mit der Leere, die ein abwesendes Bild hinterlässt? Mit dieser Frage beschäftigt sich ein Kunstwerk der Fotografin Katharina Gaenssler.

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Die Sixtinische Madonna, die Fotografin Katharina Gaenssler bei der Aufnahme

Was macht man mit der Leere, die ein abwesendes Bild hinterlässt? Mit dieser Frage beschäftigt sich ein Kunstwerk der Fotografin Katharina Gaenssler.

Für die Jubiläumsausstellung verlässt Raffaels Sixtina zum ersten Mal seit mehr als 20 Jahren ihren angestammten Platz im Obergeschoss der Gemäldegalerie, um sich für drei Monate neben weiteren Meistwerken eine Etage tiefer im Gobelinsaal zu präsentieren.
Den angestammten Platz wird Katharina Gaensslers Arbeit Gobelin Sixtina, 2012 einnehmen, jedoch ohne dem Meistwerk eine Konkurrenz zu sein.

Wie bereits zu Raffaels Zeiten wurde dieser Wandteppich im belgischen Flandern in einer Gobelin-Manufaktur nach den Vorgaben der Künstlerin ausgeführt. Der Würdeform des Ortes angemessen, knüpft Katharina Gaenssler damit an die vergessene Tradition der aufwendig hergestellten und kostspieligen Gobelins an und wählt erstmals eine Tapisserie für eine Rauminstallation.
Katharina Gaensslers Fotografien schaffen neue Raumansichten. Dafür tastet sie mit der digitalen Kamera – einer Spurensuche gleich – Bild für Bild jedes Raumdetail ab. Für Dresden wählte die Künstlerin die Raumflucht der Gemäldegalerie zur Sixtina hin. In der zusammengesetzten fotografischen Raumcollage kann der Besucher in der Form eines Gobelins die Galerie, wie durch ein Prisma gesehen, neu erleben.

Der Museumsbesucher, der den Galerieflügel der Italiener erwartungsvoll betritt, wird auf seinem Weg zu Raffaels Sixtina Schritt für Schritt ent-täuscht. Am Ende der Saalfolge angelangt, führt ihm der Gobelin Sixtina, 2012 dieselbe Raumflucht noch einmal vor Augen. Durch diesen Kunstgriff wird nicht nur die Abwesenheit der Madonna thematisiert, sondern im übertragenen Sinn auch die Unerreichbarkeit der Gottesmutter. Der Besucher bekommt einmalig die Chance, diese Erfahrungen hautnah über eine Intervention der zeitgenössischen Kunst zu erleben.

Am Ende eines jeden fotografischen Raumprojekts schafft Katharina Gaenssler ein Künstlerbuch. Für Dresden hat sie einen großformatigen Bilder-Atlas mit 224 systematisch geordneten Detailaufnahmen der Sixtina angelegt. Er liegt im Sixtina-Saal aus und wird für die Besucher von Zeit zu Zeit weitergeblättert. Auch hier gelingt es der Künstlerin, die Sixtinische Madonna nicht einfach nur abzubilden. In extremer Nahansicht gewinnt der Besucher Einblick in die malerischen Details, die jedes Einzelbild als sensationellen Farbenrausch feiern. Zur Ausstellung erscheint im Buchhandel ein Katalog zur Genese des Gobelins mit der Werkgeschichte des Künstlerbuches.

Quelle: Staatliche Kunstsammlungen Dresden