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Anzeigensonderveröffentlichung

Geschichtenerzählerin : Die Künstlerin Keren Cytter

Keren Cytter „Der Spiegel“, 2007
Keren Cytter is a storyteller. Her work analyzes the construction of mainstream films, and the narrative devices and editing tricks they include. To this end, Cytter draws on numerous mediums, ranging from film noir to „mocumentaries“ to pure cinéma vérité.
Bild: Keren Cytter

Keren Cytter ist vor allem für ihre experimentellen Videoarbeiten bekannt, die Zwischenmenschliches und Privates beleuchten. Ihre Arbeiten beruhen oft auf Vorlagen von literarischen oder filmischen Klassikern und reflektieren gleichzeitig den Einfluss der Medien.

          Keren Cytter, geboren 1977 in Tel Aviv, Israel, studierte am Avni Institute for Art in Tel Aviv Bildende Kunst, bevor sie mittels des De Ateliers Stipendium nach Amsterdam zog. Heute lebt und arbeitet die Künstlerin in Berlin und New York.

          Keren Cytter ist vor allem für ihre experimentellen Videoarbeiten bekannt, die Zwischenmenschliches und Privates beleuchten. Ihre Arbeiten beruhen oft auf Vorlagen von literarischen oder filmischen Klassikern und reflektieren gleichzeitig den Einfluss der Medien. Die Künstlerin beschäftigt sich auch mit Zeichnung, Theaterinszenierung, Performance, Tanz und schreibt darüber hinaus ihre eigenen Drehbücher und Novellen. Im Jahr 2008 gründete Keren Cytter die Tanz-Theatergruppe Dance International Europe Now (D.I.E. Now).

          Zu den wiederkehrenden stilistischen Elementen in Cytters Videos zählen neben den umfangreichen Referenzen an Kino und Fernsehen die oft langen Monologe und zahlreichen Stimmüberlagerungen, die meist nicht mit der jeweils sprechenden Person oder ihrer schauspielerischen Aktion synchronisiert sind. Das Bild eines männlichen Schauspielers kann von einer weiblichen Stimme überlagert sein, der zeitgleiche Untertitel sich wiederum auf etwas anderes beziehen. Cytter, die alle Drehbücher selbst schreibt, verwendet Sprache entsprechend einer bestimmten Stimmung oder Atmosphäre, die sie erzeugen möchte: Französisch wird beispielsweise als Sprache der Liebe eingesetzt, Englisch als pragmatische Sprache. Zeitweise finden auch Anmerkungen zur jeweiligen filmischen Arbeit oder Regieanweisungen einen selbstreferentiellen Eingang in die gesprochene Sprache. Eine weitere, eigenständige Sprachebene bilden die Untertitel, die zeitgleich mit dem Gesprochenen auftauchen, aber inhaltlich davon abweichen können. Auch kürzere Loops und sowohl sprachliche wie visuelle Wiederholungen können innerhalb der meist nicht länger als zehn Minuten dauernden Filme vorkommen.

          Die Künstlerin zerlegt den Film in die Einzelteile, die ihn normalerweise bestimmen, und setzt diese unabhängig voneinander wieder zusammen: (Laien-)Schauspieler, Rolle, Stimme, gesprochener Text, gehörter Text, Sprachwahl und Untertitel werden in einem ungewohnten Mix und meist asynchron zueinander-gesetzt. Mit ihrer Strategie der Dekonstruktion hebt Cytter die Abhängigkeit unserer Wahrnehmung von bestimmten Sprach- und Bildstrukturen hervor und zeigt auf, dass es eine Art intentionales Wahrnehmen gibt, das über die „Zwischentöne“ Inhalte vermittelt.

          Keren Cytter „Vengeance“, 2012/13
<br>„Vengeance“, a video series by Keren Cytter, will consist of 7 episodes to be completed by the end of 2013. In her new work the Israeli artist, who recently moved to New York, takes up the US TV-format of the „daily soap“ and processes classic themes of drama in personal relationships: love, envy, betrayal, and vengeance. Bilderstrecke

          Keren Cytter‘s Videos wurden in zahlreichen Einzelausstellungen gezeigt: Frankfurter Kunstverein und Kunsthalle Zürich (beide 2005), Kunst-Werke Berlin (2006), MUMOK Wien (2007), Witte de With, Rotterdam (2008), Le Plateau Paris und Hammer Museum LA (beide 2009), Kunsthaus Baselland und Moderna Museet Stockholm (beide 2010), Kunstverein München und Stedelijk Museum Amsterdam (beide 2011), Oakville Galleries Canada (2012). Ebenso wurde sie an etlichen internationalen  Gruppenausstellungen und Filmfestivals beteiligt (unter anderen bei „Making Worlds“ kuratiert von Daniel Birnbaum an der Venediger Biennale 2009). 2006 gewann Keren Cytter den Baloise Kunstpreis und 2009 den Absolut Art Award. Im gleichen Jahr war die Künstlerin auch für den renommierten Preis der Nationalgalerie für junge Kunst in Berlin nominiert.

          Die Filme von Keren Cytter finden Sie mit diesem Link auf blinkvideo.

          Christiane Büntgen betreibt die Galerie SCHAU ORT in Zürich.
          www.schauort.com

          Topmeldungen

          Recherche nach Videokunst : blinkvideo

          Anita Beckers und Julia Sökeland sind die beiden Initiatorinnen der Videoplattform www.blinkvideo.de. Die Website versteht sich als eine „lebendige“ Bibliothek für das bewegte Bild. Sie wird dem Medium gerecht, in dem sie über einen temporären Präsentationszeitraum von Ausstellungen oder Screenings hinaus passwortgeschützt künstlerische Arbeiten vollständig zur Sichtung anbietet.
          Susanna Wallin “SOMEONE ELSE”, 2011
Real scenarios and imagined ones are acted out and confused in this capture of adolescent pastime. The empowering and at times disturbing experience of playing yourself and a fictional character and not being sure where they divide or come together, keeps alienating the world and bringing it closer. If here isn’t the place to be, you could always go somewhere different.  And if you are not the one to be, someone else could be invented.

          The films of Susanna Wallin : Someone Else

          Susanna Wallin has long been interested in film’s ability to alter our ways of looking at the world. In her filmmaking she explores and invents some of the building blocks for how our experiences might be constructed.
          Romeo Grünfelder „Desire – the Goldstein reels“,  2006
<br>An old celluloid film is labeled as being from the estate of Jack Goldstein. The unusual S8 footage is nevertheless difficult to interpret. Due to partially missing data, place, time and author cannot be determined and keep the beholder in the dark. The ongoing investigation has not been able to produce a reasonable explanation of the circumstances.

          Portrait : Der Filmemacher und Künstler Romeo Grünfelder

          In dem knapp vier Minuten kurzen Film „Desire – the Goldstein reels“ sieht man Hundsrosen, oder etwas Ähnliches, die an der Abbruchkante einer Steilküste wachsen, im Hintergrund blickt man hinab auf einen steinigen Strand und das Meer und eine nackte Frau, die zügig ins Wasser watet, immer tiefer, bis sie in den Fluten verschwindet. Sie taucht nicht mehr auf. Der Himmel ist bedeckt.