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Anzeigensonderveröffentlichung

: Die Sanitäterin

Bild: Hahn + Hartung

Bettina Wirth, 49, ist Sanitäterin beim Roten Kreuz. Sie kümmert sich im Landkreis Würzburg um Menschen, die einen plötzlichen Verlust erlitten haben. Dass sie blind ist, fällt den meisten nicht auf.

          Bettina Wirth erzählt über ihre Einsätze:

          „Ich werde gerufen, wenn Menschen eine starke Schulter brauchen. Seit zwei Jahren arbeite ich in der Notfallseelsorge. Ehrenamtlich. Dafür habe ich nach der Sanitätsausbildung noch eine Fortbildung beim Roten Kreuz gemacht. Bei Einsätzen treffe ich auf Eltern, deren Sohn bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam, auf die Mutter, deren Baby gestorben ist, oder auf Angehörige, die jemanden durch Suizid verloren haben. Man darf dabei keine eigenen Gefühle zulassen. Es hilft Menschen nicht, wenn ich neben ihnen sitze und heule. Kaum jemandem fällt auf, dass ich blind bin. Die Betroffenen haben genug mit sich selbst zu tun. Ist doch mal jemand verunsichert, spreche ich das offen an. Ich habe jeweils eine Woche lang, sieben Tage und 24 Stunden Bereitschaft. Wenn ein Anruf kommt, muss ich zehn Minuten später startklar sein. Ich bin mit einem Pfarrer aus der Nachbarschaft unterwegs. Er warnt mich, wenn eine Treppe oder ein Absatz kommt.

          Ich war nicht immer blind. Als ich elf war, bemerkte man, dass ich nur noch 35 Prozent sehe, wohl die Folge einer unbehandelten Scharlacherkrankung. Heute liegt meine Sehstärke bei unter zwei Prozent. Ich erkenne Konturen, mehr nicht.

          Sanitäterin wurde ich auf Umwegen. Ich habe Altenpflegerin gelernt. Als die Kinder groß waren, wollte ich noch mal was Neues lernen. 2012 machte ich das Rettungsschwimmabzeichen in Silber und den Sanitätskurs. Mein Mann fuhr mich zu den Kursen und kam so selbst zum Roten Kreuz. Seitdem kennen uns viele Leute im Ort und grüßen. Das ist schön, denn nach unserem Umzug nach Rimpar vor über zehn Jahren waren wir lange ziemlich isoliert. Durch den Verein haben sich viele Freundschaften entwickelt. Bei den Diensten verbringt man viel Zeit zusammen. Es entsteht eine besondere Gemeinschaft.

          Ich wollte immer gern anderen helfen. Vielleicht macht gerade meine Einschränkung mich besonders sensibel für diese Arbeit. Ich kann Emotionen nicht an Gesichtern ablesen, ich spüre und höre sie am Klang der Stimme. Wenn jemand lacht, obwohl es ihm schlecht geht, merke ich das sofort.“

          Aufgezeichnet von Christine Luz.

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