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: Der Schützenkönig

Bild: Hahn + Hartung

Marcel Dirkx, 31, hat eine körperliche und geistige Behinderung – und ist seit kurzem Schützenkönig der St. Donatus Schützenbruderschaft Füssenich 1910 e. V. am Rande der Eifel.*

          Marcel Dirkx erzählt über seinen Verein:

          „Die Leute grüßen mich nicht mehr mit „Hallo, Marcel“. Sie sagen: „Hallo, Schützenkönig.“ Als König trage ich eine silberne Kette. Sie ist ganz schön schwer. Ich durfte schon auf einem Ball tanzen und habe eine Königin. Sie trägt ein langes Kleid und eine Krone.

          König zu werden, war eine tolle Sache. Eigentlich darf ich nicht schießen. Das ist zu gefährlich. Ich habe eine geistige Behinderung und bin auch nicht sehr geschickt mit den Händen. Beim Königsschießen war das Gewehr an einem Gestell fixiert, und wir waren auf einem Hochstand. Außerdem bekam ich Hilfe von Simone. Sie ist auch im Schützenverein. Simone hat das Gewehr geladen und ausgerichtet. Dann durfte ich abdrücken. Das Ziel war ein bunter Holzvogel. Die meisten Schüsse gingen daneben. Plötzlich sah ich den Vogel nicht mehr. Er lag am Boden. Die Leute um mich herum riefen: Du bist jetzt Schützenkönig. Da musste ich heulen vor Freude. Mein Vater hat mich schon als Kind mit zu den Jungschützen genommen. Dort gefiel es mir immer sehr. Irgendwann hatte er keine Zeit mehr für den Verein, zu viel Arbeit. Ich war todtraurig. Wir zogen dann um, aber die Schützen vergaß ich nie. Unter der Woche arbeite ich in einer Werkstatt. Ich ziehe Gummiringe auf Tankdeckel. Ein Bus holt mich morgens ab und bringt mich abends zurück. Mit meiner Betreuerin gehe ich manchmal in die Stadt. Ich liebe shoppen. Meine Klamotten suche ich mir selbst aus.

          Seit einem Jahr bin ich wieder bei den Schützen. Ich musste bei meiner Familie ganz schön betteln. Jetzt begleiten mich alle, mein Vater, meine Mutter und meine Schwester. Die Leute im Verein sind nett und machen viele Späße. Ich bin gerne in lustiger Gesellschaft. Mithelfen muss ich auch, Gläser wegräumen zum Beispiel, da gibt es für mich keine Ausnahme. Als König habe ich viele Pflichten. Andere Vereine laden uns zu Umzügen ein. Die Menschen klatschen immer ganz laut, wenn ich vorbeimarschiere. Bei unserem Schützenfest nächstes Jahr werde ich in einer Kutsche durch den Ort fahren. Ich freu mich darauf!“

          Aufgezeichnet von Christine Luz.

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          * Das Protokoll entstand mit Unterstützung von Marcel Dirkx’ Mutter. Marcel Dirkx darf nicht auf einem gewöhnlichen Schießstand schießen, weil dies in seinem Fall die Sportordnung verbietet. Das sogenannte Brauchtumsschießen vom Hochstand aus unterliegt der Sportordnung nicht. Das Gewehr ist dabei in eine Lafette eingespannt, sodass kein Schuss am Kugelfang vorbeifliegen kann.

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