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Land der Pharaonen Das vergessene Mittelägypten

Nachdem der Nil in manchen Teilen lange für die Schifffahrt gesperrt war, sind die kultur- und religionsgeschichtlichen Zeugnisse, endlich wieder zugänglich.

© Viking Flusskreuzfahrten Vergrößern

Eintauchen in die pharaonische Zeit – aber mit modernem Komfort
Wer sich auf die 15-tägige „Große Königsroute“ durch Ägypten begibt, kommt nicht hauptsächlich wegen des pulsierenden Kairo, des Ägyptischen Museums und der Pyramiden von Memphis, die nur den – wenn auch eindrucksvollen – Auftakt dieser Reise bilden. Es sind vielmehr die abgelegenen Gegenden Mittelägyptens mit ihren fast vergessenen archäologischen Funden, mit ihren fruchtbaren Oasen und den dramatischen Sonnenuntergänge über den Bergrücken der Libyschen Wüste, die den Gast gefangen nehmen und tief eintauchen lassen in das alte Ägypten.

Vom Flughafen Kairo aus kann mit einem nur 30-minütigen Transfer bequem das Schiff erreicht werden, das für die gesamte Reise von Kairo bis Assuan als schwimmendes Ho-tel dient. Das Schiff ist der komfortable Ausgangs- und Endpunkt zahlreicher spannender Exkursionen – zum Beispiel zu der Pyramide von Medum, deren eigenartiger Stufenturm schon von Ferne in der Sonne weißglänzend sichtbar ist. Sie vereinigte einst drei Pyramiden in einer, da die erste siebenstufige Form nach Fertigstellung mit einer höherer 8-stufigen Ummantelung und schließlich der dritten, glattkantigen „reinen Form“ überbaut wurde – wovon der größte Teil jedoch heute einen imposanten Geröllgürtel um das Bauwerk bildet. Aus der ihr angeschlossenen ausgedehnten Nekropole wurden einige Meisterwerke altägyptischer Kunst geborgen wurden – so z.B. die naturalistisch gemalten Medum-Gans, die heute im Ägyptischen Museum Kairos ausgestellt sind.

Egypt © Viking Flusskreuzfahrten Bilderstrecke 

In der grünen Oase Fayum – zu Pharaonenzeiten erstreckte sich hier eine ausgedehnte Lagunenlandschaft mit großem Krokodilbestand – führt ein Ausflug zur Pyramide von Hawara. Ihr war einst ein mit Statuen und Reliefs geschmückter Tempelbezirk angeschlossen, den antike Autoren als „das Labyrinth“ zu den antiken Weltwundern zählten. Heute lässt sich die einstige Form freilich nur erahnen – granitene Säulenfragmente sind die einzigen Überreste.

In den Gräbern von Gaufürsten und Gouverneuren in den Berghöhen von Beni Hassan sind thematisch sehr umfangreiche, besonders lebensnahe Wandmalereien zu bewun-dern, die als Schätze der altägyptischen Flachbildkunst gelten. Mittels archäologischer Spezialverfahren wurden sie für die heutigen Besucher wieder sichtbar gemacht. Szenen aus Landwirtschaft und Handwerk sowie von Kriegs-, Jagd- und Opferhandlungen ver-mitteln einen eindrucksvollen Einblick in das damalige alltägliche und religiöse Leben der alten Ägypter.

Der Sohn des Aton und die Schönheit der Nofretete
Zu einem der absoluten Reisehöhepunkte zählt Tell el Armana. Als Geburtsstätte des monotheistischen Sonnenkultes um den Gott Aton ließ Echnaton diese mächtige Stadt in kürzester Bauzeit aus dem Boden stampfen.  Echnaton, dessen selbstgewählter Name „Sohn des Aton“ bedeutet, verbreitete von hier aus seinen neuen Glauben an nur einen einzigen Gott, mit dem er sich gegen alle früheren ägyptischen Traditionen stellte. Aufschluss über das höfische Leben in der Sonnenstadt geben vor allem die Reliefs in den Grabkammern, in denen – damals revolutionär – der Pharao in sehr weltlicher, lebens-naher Weise beim Essen, Trinken oder sogar beim Spiel mit seinen Kindern dargestellt ist. Selbst seine füllige Körperform wurde kaum geschönt.
Nicht unbedingt diese kultur- und religionsgeschichtlich bedeutenden Zeugnisse verhal-fen dem Ort jedoch zu größter Berühmtheit, sondern der Fund einer Büste der sagen-umwoben schönen Gemahlin des Echnaton – Nofretete. Sie steht heute im Ägyptischen Museum in Berlin.

Abydos und Dendera sind weitere Highlights dieser Reise, bevor der wohlbekannte und vielbefahrene Nilabschnitt Luxor – Assuan mit den vielen berühmten Tempeln in schneller Abfolge ein furioses Finale bildet. Den vielen Kurzreisenden auf diesem populären Nilabschnitt kann sich freilich die komplizierte Schönheit der Gedankenwelt der alten Ägypter niemals soweit erschließen, wie sie sich den Gästen der „Großen Königsroute“ in ihrer 15-tägigen Zeitreise durch das Altertum offenbart.

Weitere Informationen zu Reisemöglichkeiten mit dem Schiff.

 
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Veröffentlicht: 19.11.2012, 17:20 Uhr