Meldungen vom 17.3.2002
Artikel-Chronik
Analyse
Grünes Godesberg
Die Grünen haben den Wandel von der Protest- zur Regierungspartei vollzogen. In Berlin haben sie nach 22 Jahren ein neues Grundsatzprogramm beschlossen. Eine Analyse.
Mehr
Rezension: Belletristik
Gabriele Goettle: Deutsche Sitten
Als es zu Beginn der neunziger Jahre plötzlich vorbei gewesen sein sollte mit dem Kalten Krieg, als all die Ängste, die Mühen und das Leid der Teilung Europas mit einem Mal Vergangenheit und sogar Geschichte waren, konnte es kaum jemand so recht glauben. Man blinzelte so hinein in die plötzlich hereingebrochene ...
Mehr
Rezension: Belletristik
W. G. Sebald: Die Ausgewanderten
Es gab diesen Anfangszweifel, wenn man den Buchladen betrat und ein Buch von W. G. Sebald kaufen wollte, das ärgerliche Gefühl, daß man den Namen des Autors möglicherweise nicht richtig aussprach. Sagte man: "Dubbleyoo-Gee Seabought"? Der Autor lebte schließlich im britischen Norwich, und W. G. klang angelsächsisch.
Mehr
Rezension: Belletristik
Ingo Schulze: Simple Storys
Die Deutschen sind anders. Sie warten nicht auf den Frühling, die Sonne oder das Glück, nein, sie warten auf Bücher: auf Den Großen Gegenwartsroman etwa oder auf Den Wenderoman. Und wenn sie ihn endlich haben, dann wundern sie sich nicht mal mehr, daß der Mann, der ihn gebracht hat, aussieht wie ein Sozialkundelehrer ...
Mehr
Rezension: Belletristik
Wolfgang Hilbig: "Ich"
Man kann natürlich auch alles einzeln lesen: Feuilletondebatten über die Verstrickung von Geist und Macht, Stasiaktenberge, Literaturgeschichten und, sofern einem danach ist, Sascha Andersons "Sascha Anderson". Oder eben gleich Wolfgang Hilbigs Roman "Ich", das All-Inklusive-Paket, wo all das und noch viel mehr schon drinsteckt.
Mehr
Rezension: Belletristik
Elfriede Jelinek: Lust
Dieses Buch ist anstrengend und wirkmächtig zugleich, es ist ekelhaft und abstoßend. Doch aus der verbogenen, mißhandelten Sprache dringt die brutale Wahrheit und Schönheit kraftvoller Assoziationen.
Mehr
Rezension: Belletristik
Christian Kracht: Faserland
Christian Krachts Deutschlanddurchquerung "Faserland" ist das am meisten mißverstandene Buch der neunziger Jahre. Es wurde mit den falschen Argumenten gemocht und mit den richtigen Worten kritisiert; in der Kritik steckte kaum etwas Wahres. Das Buch traf seine Leser so unvorbereitet, daß sie erstaunt waren, ...
Mehr
Rezension: Belletristik
Helmut Krausser: Fette Welt
Im Sommer 1992 warfen die achtziger Jahre noch ihre tiefen Schatten ins neue Jahrzehnt, schwarz und glänzend wie die glatte Fassade des Hertie-Hochhauses an der Münchner Freiheit, das bald abgerissen werden sollte, hieß es. An dem hatte man sich in der Jugend, wie die Zugvögel, auf dem Weg in vermeintliche ...
Mehr
Rezension: Belletristik
Jörg Fauser: Rohstoff
Das Leben ist immer da. Hier ist es und hier und hier. Der Rohstoff, das Leben, die Wirklichkeit. Muß nur abgeschrieben werden. Präzise, schnell, schnörkellos. Lebensmitschrift, Wirklichkeitserfassung, ganz unten, authentisch, ehrlich, ich. Mein Erleben, meine Welt.Jörg Fauser war vierzig Jahre alt, als sein autobiografischer Roman "Rohstoff" erschien.
Mehr
Rezension: Belletristik
Thomas Meinecke: The Church of John F. Kennedy
Als jenes kurze Wort in die Literaturkritik einzog, jenes Wort, das auch auf diesen Seiten immer wieder vorkommt, jenes Wort also, das einmal, weil es so fremd war im Reich des Erhabenen und Tiefen, so wohltuend kurz und ungenau alles bezeichnete, was auf einmal anders war, zwischen den Buchdeckeln; ...
Mehr
Rezension: Sachbuch
Comme des Artistes
Das Buch "Chic Clicks" verwischt vorsätzlich die Grenzen zwischen Kunstfotografie und Modefotografie. Die Übergänge sind unscharf: Letzten Sommer präsentierte die Londoner Galerie "White Cube" einige "Versace-Shots" des Fotografen Steven Meisel; ein Jahr zuvor erhält der Modefotograf Norbert Schörner ...
Mehr
Rezension: Belletristik
Sten Nadolny: Die Entdeckung der Langsamkeit
Langsamkeit ist nicht Stillstand. Aber wie schnell ist dann Langsamkeit? Wo hört sie auf? Wo fängt sie an? Und kann man dann immer noch erfrischenden Fahrtwind spüren?Fragen über Fragen, von denen man seit fast zwanzig Jahren glaubt, daß in diesem Buch gründlich darüber nachgedacht wird. Das muß man ...
Mehr
Rezension: Belletristik
Michael Kleeberg: Der saubere Tod
Vakuum. "Leerer Raum, luftleerer Raum, Leere." Sagt das Fremdwörterlexikon. Vakuum ist die Metapher, die in Michael Kleebergs erstem Roman "Der saubere Tod" in genauer Dosierung auftaucht. Die Leere liegt dort in der Gegenwart, und die Luft, die nicht hereinströmen kann, müßte aus Zukunft und Vergangenheit ...
Mehr
Rezension: Belletristik
Jenny Erpenbeck: Geschichte vom alten Kind
Kein Witz. Nicht mal Ironie. Überhaupt nicht cool, und vor allem ohne Barbour-Jacke - also eigentlich vollends aus der Zeit gefallen, läßt Jenny Erpenbeck 1999 ihr "altes Kind" mit seiner Geschichte aufmarschieren. Dabei ist die Autorin damals 32 und aus Berlin. Aus Berlin! Aber kein Wort von Clubs ...
Mehr
Rezension: Belletristik
Feridun Zaimoglu: Abschaum
Der erste Gradmesser für die Durchschlagskraft eines Textes ist die Originalität seiner Sprache. Feridun Zaimoglu brachte mit "Kanak Sprak" den Sound des Türken von der Straße in die deutsche Literatur. Nach dem Erscheinen seines ersten Buches wurde er zum Sprecher der zweiten und dritten Generation türkischer ...
Mehr
Rezension: Belletristik
Judith Hermann: Sommerhaus, später
Von Judith Hermanns Geschichten geht eine ganz eigenartige Stimmung aus. Sie scheinen aus der Zeit gefallen, nirgendwo hinzuwollen, ruhig beginnen sie, ruhig enden sie wieder, und dazwischen geschieht etwas, oft gar nichts Großes, ein Armband zerreißt, eine junge Frau taucht auf und verschwindet wieder, ...
Mehr
Rezension: Belletristik
Joachim Lottmann: Mai, Juni, Juli
Das ist kein Buch, das ist das Leben. Das Leben auf der Suche nach dem Buch. Nach dem guten Buch, dem neuen Buch, dem noch nie, noch nie geschriebenen. Es ist ein Buch zwischen 23 Romananfängen, ein Roman der Romanverwerfungen, der Neuentdeckungen, der Verhinderung. Ein Buch gegen die Wiederholung, ...
Mehr
Rezension: Belletristik
Peter Stamm: Blitzeis
Wer einmal eine Erzählung von Peter Stamm gelesen hat, der wird sie nie wieder vergessen. Es mögen einem bald die Namen der Personen entfallen, später die Orte, vielleicht sogar die Handlung - wie seine Figuren jedoch die Abwesenheit von Biographie, von Sehnsucht und von Geschichte als leisen, dumpfen Schmerz erleben, das vergißt man nimmermehr.
Mehr
Rezension: Sachbuch
SCIENCE FACTION
Das Raumschiff Enterprise aus der Fernsehserie Star Trek fliegt mit einem Antimaterie-Antrieb. Was ist das eigentlich, Antimaterie - und existiert sie überhaupt? Antimaterie besteht aus Antiteilchen. Das sind gewissermaßen Doppelgänger der gewöhnlichen subatomaren Teilchen, die sich vor allem durch die entgegengesetzte elektrische Ladung von ihren "normalen" Geschwistern unterscheiden.
Mehr
Rezension: Belletristik
Patrick Süskind: Das Parfum
In der Mitte der achtziger Jahre des soeben vergangenen Jahrhunderts lebte, teils in München, teils in Ambach am Starnberger See, ein Mann, der zu den seltsamsten Figuren dieses an seltsamen Figuren nicht gerade armen Jahrzehnts gehörte. Seine Geschichte kann hier nicht völlständig erzählt werden, da ...
Mehr
Rezension: Belletristik
Benjamin von Stuckrad-Barre: Livealbum
Gibt es irgendwo im Lande wirklich ein jugendherbergsartiges Gästehaus für Künstler auf Tournee, mit "Gemeinschaftsraum", Teppichklopfstangen auf dem Rasen und einem Hausmeisterehepaar, das sich als "typisch-deutsche Vorlage für Grobian Karikaturisten englischer Boulevardzeitungen ein paar Mark dazuverdient"? ...
Mehr
Comme des Artistes
Die Übergänge sind unscharf: Letzten Sommer präsentierte die Londoner Galerie "White Cube" einige "Versace-Shots" des Fotografen Steven Meisel; ein Jahr zuvor erhält der Modefotograf Norbert Schörner von den Künstlern Dinos und Jake Chapman den Auftrag, deren monumentales Szenario "Hell" quasi exklusiv vorab ...
Mehr
Rezension: Belletristik
Jakob Arjouni: Happy Birthday, Türke!
Vielversprechend war das nicht. Weder die Traxler-Zeichnung auf dem Cover noch das klassische schwarzgelbe Design, bei dem jeder an Chandler, Hammett, Highsmith denkt. Wer sollte diese Hypothek abstottern? Noch ein Marlowe-Spade-Epigone, der ausgerechnet in Frankfurt am Main praktiziert, erfunden von ...
Mehr
Rezension: Belletristik
Rainald Goetz: Irre
Von diesem Buch zu erzählen: Das heißt, von seinem Leser viel mehr als von seinem Autor zu erzählen - was, paradoxerweise, auch daran liegt, daß der Autor ja da war, gut sichtbar, nicht in irgendeinem Dichterversteck verborgen, sondern am Rand der Tanzfläche beispielsweise, im damals sogenannten Tanzlokal Größenwahn ...
Mehr
Rezension: Belletristik
Thor Kunkel: Das Schwarzlicht-Terrarium
Es geht hinab, tief hinab, weiter, immer weiter, tiefer, ins Dunkle hinein, im Vergangenheitsraumschiff, im Elendsspacelab hinab ins große Dunkle, wo die Armut ist, die Erwartungslosigkeit, die Langeweile und das Nichts. Ende der siebziger Jahre, Stillstandszeit. Wir sind in "Kamerun", ärmster Teil ...
Mehr
Rezension: Belletristik
Marcel Beyer: Flughunde
Es ist meisterhaft, wie Marcel Beyer das schafft: Einen Roman über einen bizarren Geräuschesammler im Dritten Reich zu schreiben und gleichzeitig ein unglaublich aktuelles Buch, das selbst ein Begleitgeräusch der Gegenwart ist. Auch wenn die heutige Zeit nur kurz aufzutauchen scheint: als man ein vergessenes Schallarchiv findet.
Mehr
Rezension: Belletristik
Maxim Biller: Wenn ich einmal reich und tot bin
Ein Mann, von Beruf Autor (er selbst hat sich den Spitznamen Brille gegeben), hat gerade einen Artikel im "Spiegel" veröffentlicht. Über eine in derselben Ausgabe erschienene Kolumne des Herausgebers Augstein ärgert er sich so sehr, daß er sich hinsetzt, einen Leserbrief zu schreiben. Jedoch: Weiter als bis zur Anrede kommt er nicht.
Mehr