Meldungen vom 3.11.2001
Artikel-Chronik
Rezension: Belletristik
Auf schwankenden Planken
Seit je umweht die Freibeuter der Meere eine romantische Aura. Denkt man an Piraten, glitzern Berge aus Gold vor den Augen, und die Lippen schmecken nach Salz. Generationen von Kindern haben sich sehnlich gewünscht, unter der Totenkopf-Flagge über die Meere zu segeln. Doch womöglich hätten sie im Kreis der wilden Gesellen schnell ihre Illusionen verloren.
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Rezension: Belletristik
Das Mondlicht steckt im Schlüsselloch
Im phantasmagorischen Naturland der Sarah Kirsch mit seinen vielen mythischen, märchenhaften und folkloristischen Rückbezügen hat das Motiv des Schwans seit langem seinen Platz. "Schwanenliebe", ihr neues Buch, ist ein über ein Jahr geführtes, lyrisches Tagebuch, das an den schwebenden Tonfall des vor fünf Jahren erschienenen Gedichtbandes "Bodenlos" anknüpft.
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Rezension: Belletristik
Die Ruhe selbst
Hilmer, ein sechzehn Jahre alter Schüler, ist verschwunden. Um ihn zu finden, müssen heikle Fragen gestellt werden, die am Lack der idyllischen schwedischen Kleinstadt kratzen. Eine Arbeit, der man besser ohne falsche Rücksichtnahme nachgehen sollte. Darum sind die Kollegen erleichtert, daß der neue Mann aus Stockholm, Kommissar Fors, den Fall übernimmt.
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Rezension: Sachbuch
Kann man hier nicht endlich mal seine Ruhe haben?
In der Philosophie wird der Wert des Privaten zumeist stiefmütterlich behandelt. Obwohl Beate Rössler, wie es das Thema erwarten läßt, ihre Zelte im Haus des politischen Liberalismus aufschlägt, genauer gesagt: unter der Hegemonie des Liberalismus als politischer Philosophie, dürfte der ein oder andere Liberale verwundert sein, wie sich Beate Rössler ein Zusammenleben vorstellt.
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Rezension: Belletristik
Der Moment vor dem Haufengipfelzipfel
Was passiert, bevor ein Mensch in einen Hundehaufen tritt? Der Fuß schwebt über dem Malheur, gleich ist es soweit: Mr. Macks Schuh wird, Sohle voran, da landen, wo jeder Städter schon mal stand. Seit Laurence Sternes Tristram Shandy gehört das Spiel mit Erzählzeit und erzählter Zeit zu den Glanznummern angelsächsischer Prosaartistik.
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Rezension: Belletristik
Ein schlichtes Herz
Wenn man Gustave Doré nach dem Geheimnis seiner Produktivität fragte, dann pflegte er zu antworten: "Je me souviens." - "Ich erinnere mich." Van Gogh hat Dorés Losung zitiert, wodurch sie in den Kanon der Selbstbeschreibungen der Moderne gelangt ist, das Axiom einer Kunst, die keine Axiome mehr kennt, ...
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Rezension: Belletristik
Wie der Djinn durch die Wüste wirbelte
"Höck", sagte das Kamel, nur "Höck", als der Hund es aufforderte, in der funkelnagelneuen Welt mitzuarbeiten wie alle anderen. Es dachte nicht daran, den Trott mitzumachen, sondern fraß in aller Seelenruhe weiter Disteln und Tamariskenzweige. Auch für das Pferd und den Ochsen hatte es nur ein "Höck" übrig.
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Rezension: Sachbuch
Urbane Meister der Provinz
Die Katastrophe ereignete sich im Jahr 1878. Als die internationale Kritik die auf der Weltausstellung in Paris gezeigten Werke dänischer Maler begutachtete, war das Urteil ebenso einstimmig wie vernichtend: "vieux style" - veraltet! Verwunderlich sei, daß man die künstlerischen Entwicklungen der letzten Jahre im Norden des Kontinents offenbar völlig ignoriert habe.
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Rezension: Sachbuch
Die Krankheit heißt Emma Bovary oder Lolita
Die Literatur ist eben doch mehr als das Leben. Wer das alles wirklich aushalten müßte, was er als Leser bequem in der Sofaecke erleben kann, o je! In wie vielen Pfützen müßte der gelegen haben!Dieter Wellershoff, inzwischen fünfundsiebzig Jahre alt, kartographiert für uns einige dieser Pfützen. Ein skeptischer Aufklärer, versagt er sich jeden falschen Trost.
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Rezension: Belletristik
Das Haus dreht sich um den Apfel
Im Jahr 1689 brach der Dichter Basho zu einer Reise in den Norden Japans auf, die ihren Niederschlag in dem Buch "Auf Pfaden durch das Hinterland" fand. Beschreibungen wechseln mit Haiku-Gedichten, und auch noch in der Übersetzung schimmert die durchwanderte Landschaft in momentanen Details, als zeige sich alles gerade zum erstenmal.
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Rezension: Sachbuch
Wartezeit nicht unter Jahrzehnten
Wer die Wirklichkeit festhalten will, braucht nicht unbedingt eine Kamera, aber der Blick auf ein Foto kann hilfreich sein, um das Empfundene als wirklich zu erkennen. Für die Kultur eines nicht mehr existenten Landes bedeutet der Blick auf die Bilder seiner Vergangenheit Einsicht in die Gegenwart. Die toten Seelen haben ihr Leben in der Erzählung.
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Leben wie ein Bettler, sterben wie ein König
Wenig läßt sich der Wiener mehr angelegen sein als eine "schöne Leich". Das enge Verhältnis zum Tod, das in der Donaumetropole gegenwärtiger sein mag als anderswo, spricht selbst aus Heurigenliedern.
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