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Veröffentlicht: 20.02.2016, 12:32 Uhr

Zum Tod von Umberto Eco Er las die Zeichen der Zeit

Als Schriftsteller, Intellektueller und Zeichendeuter stand Umberto Eco für das Beste der italienischen Gegenwartskultur. Sein Tod im Alter von 84 Jahren hinterlässt eine tiefe Lücke.

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© dpa Umberto Eco 1932 - 2016

Ach, man soll nicht jammern, wenn ein großer Mann und Autor im Alter von 84 Jahren stirbt. Man soll lieber dankbar sein, dass er so lange unter uns war – und dass der Abschied von Umberto Eco trotzdem so sehr schmerzt, liegt einerseits daran, dass er, je länger er lebte, einem um so lieber wurde; selten hat ein Intellektueller seine eigene Intellektualität so souverän als freundliche Einladung an alle, mitzudenken oder zu widersprechen, begriffen, als eine Haltung, die sich dem Publikum ganz grundsätzlich zuwandte, ohne den geistigen Anspruch aufzugeben. Und es liegt andererseits an Italien, dem geliebten Land, das in den traurigen Berlusconi-Jahren auf Eco unbedingt angewiesen war: man hätte ja sonst den Glauben an den Fortbestand einer italienischen Kultur ganz verlieren können.

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Eco, der Semiotiker, der nicht nur die Schriftzeichen entziffern konnte, wusste ganz genau, welche Botschaft er formulierte, wenn er sich, bärtig, sinnlich und sehr gut aussehend und angezogen, in seiner Bibliothek fotografieren ließ – es war das Bild eines Italieners, dessen Gegenwart sich eben nicht von den historischen Wurzeln abschneiden ließ, das Bild eines Professors, dessen Gelehrsamkeit vom Neuplatonismus bis zum guten Essen reichte, das Bild eines Mannes, dessen unbedingter Glaube an die Vernunft eine Zuversicht ausstrahlte, die ansteckend wirkte.

© AFP, reuters Umberto Eco ist tot

Grenzen der Interpretation

Einer populären Legende zufolge wurde Eco einmal gefragt, mit wem er sich identifiziert habe, als er seinen Bestseller „Der Name der Rose“ schrieb – und Eco, heißt es, habe geantwortet: „natürlich mit den Adjektiven.“ Egal, ob es stimmt, stimmig ist es jedenfalls. Unter den italienischen Schriftstellern war Eco immer der beste Wissenschaftler, unter den Wissenschaftlern war er der beste Schriftsteller. Und im Raum dazwischen, wo der Journalismus und der Essayismus blühen, kannte er sich gut genug aus, um darüber seinen letzten Roman „Nullnummer“ zu schreiben. Er war ein öffentlicher Intellektueller, dem es, wenn er für die Zeitung schrieb, weniger um die heißlaufende Meinungsproduktion als um den analytischen Gedanken ging; und er war doch so populär, dass man fast vergessen konnte, wie gültig beispielsweise sein „Offenes Kunstwerk“ und seine „Einführung in die Semiotik“ noch immer sind.

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Es sind nicht die allersteilsten Thesen, die Eco da hatte, eher schrieb er die pragmatische Zeichentheorie von Peirce und Morris fort, wenn er, einerseits, die Freiheit des Rezipienten ausmaß, ein Werk so zu lesen, wie es sich ihm eben erschloss. Und andererseits, gegen Konstruktivisten, Poststrukturalisten und Derridas Lob der Fehlinterpretation, darauf beharrte, dass man als Leser zumindest eine vage Ahnung von den Intentionen eines Textes haben sollte, bevor man seine eigenen Interpretationen formuliere. Der Monsieur Derrida werde das spätestens in dem Moment merken, da der Text, den er lese, die Einladung zu einer Preisverleihung sei, soll Eco vorgeschlagen haben. Am Freitag ist er gestorben. Er fehlt jetzt schon.

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