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Zum Tod von Kardinal Lehmann : Ratgeber und Gesprächspartner in allen Lebenslagen

33 Jahre lang war Karl Kardinal Lehmann Bischof von Mainz. Bild: Frank Röth

Karl Kardinal Lehmann ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Eine schier unbegrenzte Wissensbegierde und Schaffenskraft zeichnete ihn aus. Jahrzehntelang war er die Stimme der Mehrheit der deutschen Bischöfe – eine kritische Stimme, die jetzt verstummt.

          Am Pfingstmontag 2016, dem Tag seines 80. Geburtstags, nahm Karl Kardinal Lehmann Abschied als Bischof von Mainz. Mehr als 30 Jahre zuvor war der gebürtige Hohenzoller der jüngste Diözesanbischof in Deutschland geworden, nun war er dem Dienst- wie dem Lebensalter nach der mit Abstand älteste.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Er ging, wie er gekommen war: ohne Pomp und falsches Pathos, auch wenn sich von Bundeskanzlerin Angela Merkel über den ehemaligen EKD-Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber bis Thomas Gottschalk kaum jemand aus Politik und Gesellschaft die Gelegenheit entgehen ließ, Lehmann emphatisch für seinen Dienst als Ratgeber und Gesprächspartner in allen Lebenslagen zu danken.

          Mitten im Geschehen

          Die Töne, die die Kirchenmänner anschlugen, waren da schon deutlich nüchterner. Ihr Respekt galt der Weise, wie Lehmann sich seit den sechziger Jahren in den Dienst der katholischen Kirche in Deutschland hatte nehmen lassen. An der Päpstlichen Universität Gregoriana in Philosophie wie in Theologie promoviert, wurde Lehmann 1968 als Assistent des Konzilstheologen Karl Rahner Zeuge, wie sich die deutschen Bischöfe mit der „Königsteiner Erklärung“ von dem unbedingten Verbot der künstlichen Empfängnisverhütung in der Enzyklika „Humanae vitae“ distanzierten. Der Essener Katholikentag jenes Jahres mündete vier Jahre später in die Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland – der junge Mainzer Theologieprofessor wie selbstverständlich mitten im Geschehen.

          Als es galt, das „Lexikon für Theologie und Kirche“ nach dem II. Vatikanischen Konzil auf den neuesten Stand zu bringen, führte an dem mit schier unbegrenzter Wissensbegierde und Schaffenskraft begabten Lehmann kein Weg vorbei. So war es auch 1987, als ein Nachfolger des Kölner Kardinals Joseph Höffner im Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz gesucht wurde. Gegen jeden Komment ließ sich der junge Mainzer Bischof Lehmann zum Vorsitzenden wählen – der Münchner Kardinal Friedrich Wetter hatte das Nachsehen.

          Fast zwanzig Jahre war Lehmann nach innen wie nach außen das Gesicht und die Stimme der Mehrheit der deutschen Bischöfe, oft irritiert von seinen Antipoden Erzbischof Johannes Dyba und Joachim Kardinal Meisner, aber nie mit ihnen heillos zerstritten. Als streitbar, aber nicht als streitlustig erwies sich Lehmann auch im Streit über den Verbleib der katholischen Kirche in Deutschland in der gesetzlichen Schwangerenkonfliktberatung sowie im Einsatz für die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten. In beiden Fällen wurde der grenzenlos in die Macht des besseren Argumentes Vertrauende eines Besseren belehrt, ohne dass er darüber bitter wurde.

          Die Kardinalswürde, die Papst Johannes Paul II. ihm im Jahr 2001 verlieh, galt daher auch nicht dem Ja-Sager, sondern dem „Mann der communio“. Nach dem krankheitsbedingten Rückzug vom Amt des Vorsitzenden der Bischofskonferenz im Winter 2008 wurde es stiller um Lehmann. Der jahrzehntelange Raubbau an den körperlichen Kräften forderte seinen Tribut. Wer ihn an seinem 80. Geburtstag erlebte, der hörte den alten und sah einen alt gewordenen Lehmann.

          Am frühen Sonntagmorgen ist Karl Kardinal Lehmann im Alter von 81 Jahren gestorben.

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