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Wohnen wie die Promis

30.04.2006 ·  Das Haus von Calvin Klein am menschenleeren Strand von Long Island - laut einer Umfrage der Traum der Deutschen. Der Alltag sieht bescheidener aus: die meisten leben zur Miete.

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Das Haus von Calvin Klein am menschenleeren Strand von Long Island - laut einer Umfrage der Traum der Deutschen. Der Alltag sieht bescheidener aus: die meisten leben zur Miete.

FRANKFURT. Nein, so ganz genau wissen sie nicht, wie der Modeschöpfer Calvin Klein wohnt. Ein Foto haben sie jedenfalls nicht gesehen. Die Teilnehmer der Umfrage mußten Worte auf sich wirken lassen: "Wo würden Sie am liebsten leben?" hat die Planet Home AG 1449 Kunden befragt und zehn Immobilien prominenter Zeitgenossen beschrieben. Calvin Kleins Anwesen am einsamen Strand von Long Island bei New York weckte die größten Begehrlichkeiten. Immerhin 30 Prozent der Befragten favorisierten das Haus des New Yorkers als Wohntraum. "Den eigenen Strand vor der Haustür und trotzdem nahe einer Großstadt - so stellen sich die Deutschen ihre ideale Immobilie vor", faßt Annette Siragusano von der HypoVereinsbank-Tochtergesellschaft das Ergebnis zusammen. Überraschend ist das nicht, nur eine Bestätigung dessen, was der Dichter Tucholsky schon in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts über die perfekte Lage eines Hauses zu sagen wußte: "Vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße."

Die Planet Home AG, deren Geschäft die Maklerei und die Immobilienfinanzierung ist, fragte aber noch etwas detaillierter nach. Schließlich will man die Wünsche der Kunden möglichst genau kennen. Herausgekommen ist, daß es vor allem die Frauen und die Jungen sind, die von der Strandvilla träumen. Überhaupt: Frauen lieben die ruhige, idyllische Lage, Männer, so lautet das Ergebnis der Umfrage, schätzen das offensichtlich Teure. Wellness versus Status könnte man sagen. "Jeder zehnte Mann will sich im Schweizer Schloß von Michael Schumacher einquartieren", berichtet Annette Siragusano und vergißt nicht zu erwähnen, daß das Anwesen über ein eigenes Trophäenzimmer verfügt, 63 Quadratmeter groß. Das Schloß des Rennfahrers landet bei der Suche nach der Traumimmobilie allerdings nur auf dem vierten Platz.

Vielleicht ist ein Herrensitz schon ein wenig zu exotisch und der Traum vom Leben als Prinz oder Prinzessin irgendwo auf dem Weg ins Erwachsenenleben auf der Strecke geblieben. Die Wohnträume der Befragten jedenfalls orientieren sich im großen und ganzen doch an den wirklichen Verhältnissen: Schließlich würden fast 24 Prozent der Befragten in die Finca des Rockbarden Peter Maffay einziehen - und die liegt auf Mallorca. Vermutlich ist das renovierte Gehöft des Sängers etwas größer und schicker, exklusiver gelegen als das der meisten anderen deutschen Immobilienbesitzer auf der spanischen Insel. Als solcher aber ist er im "siebzehnten Bundesland" alles andere als allein.

"Um Luxus geht es bei den Wohnträumen eigentlich auch nicht", sagt die Sprecherin von Planet Home. Den könne sich in Deutschland ohnehin nur eine verhältnismäßig kleine Gruppe leisten. Das Haus am Strand von Long Island - für sie daher nur eine Chiffre für einen ruhigen Platz, eine Rückzugsmöglichkeit. Das könne auch am Starnberger See sein, meint Siragusano. Oder, weil so ein Anwesen für die Mehrzahl der Immobilienkäufer ebenfalls unbezahlbar ist, in den eigenen vier Wänden, irgendwo in schöner Lage.

Mit dem Eigenheimbesitz ist es hierzulande freilich so eine Sache. "Die Deutschen hinken im internationalen Vergleich hinterher", sagt Stefan Jokl, Geschäftsführer des Instituts für Städtebau, Wohnungswirtschaft und Bausparwesen (Ifs), Berlin. Dort sammelt man alle Daten wie Wohnungsgrößen und Baugenehmigungen. Und die sind rückläufig: Im vergangenen Jahr lag die Zahl der Baugenehmigungen bei 240 000, im Jahr 2000 waren es noch 350 000.

Robert Anzenberger, Mitglied der Geschäftsleitung von Planet Home, sieht eine Ursache in der steigenden Mobilität der Menschen: "Job und Lebenssituation verlangen in unserer heutigen Zeit extreme Flexibilität - vor allem in Wohnortfragen. Für jeden zweiten Mann und jede dritte Frau ist der Kauf einer Immobilie keine Anlage auf Lebenszeit mehr." Die Folge: Häuser und Wohnungen würden zunehmend nur für eine begrenzte Zeit gekauft. So sieht Planet Home eine steigende Nachfrage nach Gebrauchtimmobilien. Was die Zahl der Baumuffel weiter erhöhen könnte.

Wie wohnen die Deutschen eigentlich? Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden lebt mehr als die Hälfte (51,2 Prozent) in Mietwohnungen, die nach 1949 gebaut wurden. In Wohngebäuden, die in der Zeit vor der Wende zum 20. Jahrhundert entstanden, leben 7,3 Prozent und in Gebäuden, die zwischen 1901 und 1918 errichtet wurden, 7,2 Prozent der Bevölkerung. Fast 21 Prozent der Einwohner Deutschlands bewohnen Gebäude vom Baujahr 1978 oder jünger. Und noch mehr Zahlen: Pro Kopf leben wir, laut Ifs, im Schnitt auf etwas mehr als 41 Quadratmeter.

Die Werber der Hamburger Agentur Jung von Matt haben sich ein konkretes Bild davon gemacht, wie es hierzulande im Durchschnittshaushalt aussieht und "Deutschlands häufigstes Wohnzimmer" nachgebaut: mit Schrankwand, CD-Regal, Hängepflanzen und allem, was dazugehört. Müller heißt die fiktive dreiköpfige Familie, die so lebt, und ihre Wohnwelt erstreckt sich auf 89,4 Quadratmeter für 408 Euro Monatsmiete, wie die Agentur recherchiert hat. Herzstück der Wohnung ist das 22 Quadratmeter große Wohnzimmer, für das die deutsche Durchschnittsfrau, offenbar von ewiger Sehnsucht nach dem Süden befallen, eine Einrichtung in warmen Erdtönen auswählt. Als Wohntraum will Jung-von-Matt-Geschäftsführerin Karen Heumann das Durchschnittswohnzimmer nicht bezeichnen. Aber wer so wohne, habe die Einrichtung liebevoll ausgewählt, nach seinem eigenen Geschmack und fühle sich wohl. Wie die Alis und Aylins zwischen Flensburg und Oberammergau leben, wissen die Werber derzeit noch nicht, wenn es jedoch nach Karen Heumann geht, wird ein entsprechendes "türkisches" Wohnzimmer in der Kreuzberger Dependance der Agentur bei sich bietender Gelegenheit eingerichtet.

Alles in allem sind diese Müllers oder wie man sie auch immer nennen mag, in Sachen Wohnen doch pragmatisch. Und das trifft nach Erkenntnis von Planet Home auch auf die Käufer von Eigenheimen zu. Die neue "Mobilitätsmentalität" wirkt sich nach Ansicht von Geschäftsführer Anzenberger auch auf die Investitionen in die Einrichtung und die Bauqualität aus: Die moderne Küche der mittleren Preisklasse beispielsweise erhält demnach den Vorzug vor der teuren Einbauküche fürs Leben. Beim nächsten Umzug könne man sie getrost zurücklassen und sich etwas Neues, Trendiges aussuchen, beschreibt Anzenberger die Haltung. "Käufer zahlen keinen Pfennig mehr für goldene Wasserhähne", sagt der Planet-Home-Geschäftsführer. Wegen der steigenden Energiekosten halten dagegen mehr als 71 Prozent der Befragten Investitionen in die Wärmedämmung und in Solaranlagen (fast 53 Prozent) für sinnvoll.

Angesichts dieser Ergebnisse erstaunt es da schon ein bißchen, welche Promi-Immobilie in der Planet-Home-Umfrage Platz drei der Traumhäuser belegt: die Holzhütte von Richard Gere, in die sich der Hollywood-Star zum Meditieren zurückzieht. Sie befindet sich auf dem Dach seines Hauses im New Yorker Stadtviertel Greenwich Village.

Männer bevorzugen eine offensichtlich teure Immobilie, Frauen ein Haus in idyllischer Lage.

Sieg des Pragmatismus: Käufer halten Investitionen in die Wärmedämmung für sinnvoll.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 30.04.2006, Nr. 17 / Seite V19
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