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Kosmos ist überall In hundert Milliarden Jahren sind sämtliche Galaxien für uns unsichtbar geworden

03.07.2010 ·  John Cromwell Mather über die Geschichte des Universums: Die Zweifel am Urknall sind ausgeräumt. Vor einem hat Mather in Lindau ganz klar gewarn: wegen der Expansion anzunehmen, es gebe ein Zentrum des Universums.

Von Günter Paul
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Die Frage, wie wir - die Menschen - in die Welt gekommen sind, beschäftigt nicht nur die Biologen. Auch die Astronomen gehen ihr nach, wenngleich auf einer elementareren Basis. Sie untersuchen, wie sich das Universum entwickelt hat, das die grundlegenden Voraussetzungen für jegliches Leben schuf - und haben dabei im Laufe der Zeit enorme Fortschritte gemacht. Die Zeiten, zu denen die Theorie des Urknalls noch ihre Anhänger suchte, sind längst vorbei. Der Urknall gilt als gesichert, seit John C. Mather 1993 zusammen mit George F. Smoot in den Daten des Satelliten Cobe ("Cosmic Background Explorer") in der kosmischen Hintergrundstrahlung die sogenannte Anisotropie entdeckte, die die Verteilung der Materie im Universum 389000 Jahre nach dem Urknall spiegelt.

Jungendlicher Kosmos

Zwar nicht die Geschichte des Kosmos, aber jene von den Erkenntnissen über dessen Entwicklung begann für Mather im Jahr 1929, wie er jetzt in Lindau berichtet hat. Damals stellte Edwin Hubble fest, dass die Bewegung der Galaxien im All einem klaren Gesetz folgt: Die Geschwindigkeit der Galaxien, und zwar von der Milchstraße fort, ist desto größer, je weiter diese Sternsysteme von uns entfernt sind. Im Klartext:

Das Weltall expandiert. Womit sich, wie Mather betonte, durch die Rückverfolgung der Bewegung die Möglichkeit ergab, zumindest ungefähr das Alter des Universums zu ermitteln. Zunächst mit einem überraschenden Ergebnis: Der Kosmos wäre den anfänglichen Daten zufolge jünger als seine ältesten Objekte - was zweifellos nicht möglich ist. Erst nach und nach näherten sich die Astronomen dem heute favorisierten Alter von 13,7 Milliarden Jahren. "Im übrigen", so schloss Mather an, "ist im Jahr 1929 auch entdeckt worden, dass die weltweite Ökonomie kollabieren könne." Mit diesem Hinweis auf den Schwarzen Freitag hat er in Lindau die Zuhörer zur Erde zurückgeholt.

Wir sehen nicht das Ende der Welt

Vor einem hat Mather in Lindau ganz klar gewarnt. Wegen der Expansion anzunehmen, es gebe ein Zentrum des Universums. Gerade das folge aus dem Hubbleschen Gesetz der Galaxien-Bewegung nicht. Und wir sähen auch nicht bis ans Ende der Welt, sondern nur 13,7 Milliarden Lichtjahre weit. Was sich noch weiter von uns entfernt abspiele, könnten wir nicht beobachten.

Für Albert Einstein war die Idee eines expandierenden Kosmos zunächst abwegig. Einstein führte deshalb in seine physikalischen Gleichungen eine Größe ein, die auch ein statisches Weltall erlaubte. Später hat er das als seine größte Eselei bezeichnet.

Sieh doch, der Urknall

Den ersten Durchbruch zur Anerkennung des Urknalls lieferte im Jahr 1964 die Entdeckung der kosmischen Hintergrundstrahlung, die den Übergang vom Strahlungs- zum Teilchenkosmos markiert. Vor allem George Gamow hatte schon Jahrzehnte vorher behauptet, dass das frühe Universum allein mit Strahlung gefüllt gewesen sein musste.

Mit der Existenz der kosmischen Hintergrundstrahlung ließen sich einige kosmische Rätsel erklären, aber andere kamen hinzu. Mather wies vor allem darauf hin, dass nach neueren überraschenden Erkenntnissen vor fünf Milliarden Jahren eine Beschleunigung der Expansion des Universums begann. Adam Riess, einer der an dieser Entdeckung beteiligten Forscher, hat die sogenannte dunkle Energie dafür verantwortlich gemacht. Was die physikalische Erklärung für die dunkle Energie sei, wisse man noch nicht, sagte Mather - ebenso, wie man die Natur der dunklen Materie noch nicht kenne. Durch die Beschleunigung würden jedenfalls immer mehr Galaxien aus unserm Blickfeld verschwinden, und in hundert Milliarden Jahren seien sämtliche Galaxien für uns unsichtbar geworden.

Ferne Welten

Eine der Fragen, die sich dem heutigen Astronomen ganz akut stelle, sei jene nach der Vielzahl erdähnlicher Welten. Bald würden wir - so Mather - wissen, ob außerhalb des Sonnensystems erdähnliche Planeten existierten und ob diese auch ähnliche Atmosphären wie unser Heimatplanet hätten. Die Frage nach der Existenz außerirdischen Lebens, so scheint es, wird sich immer weiter zuspitzen.

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Jahrgang 1946, freier Autor im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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