Wissenschaftler von den Universitäten Münster und Bielefeld halten einen neuen Ansatz bei der Parodontitisbehandlung für sinnvoll. Ob es hilfreich sei, bei der Entzündung des Zahnhalteapparates nur einige wenige Bakterienarten zu bestimmen, wie bisher üblich, sei fraglich, schreiben die Forscher um den Münsteraner Mediziner Dag Harmsen in der Zeitschrift „PLoS One“ (doi:10.1371/journal.pone.0041606).
Die Forschergruppe analysierte acht Proben aus dem Mundraum von Patienten mit chronischer Parodontitis mit der „Personal Genome Machine“, einem Sequenzierautomaten des Unternehmens Ion Torrent (F.A.Z. vom 3. August 2011). Dabei wurde das Erbgut aller im Mund vorkommenden Organismen durch eine DNA-Sequenzierung erfasst und somit nachgewiesen, welche Arten von Mikroorganismen dort leben - ein sogenannter metagenomischer Ansatz. Die Proben, die von vier Patienten stammten, wurden jeweils vor und zwei Monate nach einer Parodontitis-Therapie untersucht.
Für die Behandlung der Erkrankung reinigt der Zahnarzt üblicherweise die Zahntaschen, um bakterielle Beläge (Plaques) zu entfernen. Häufig werden noch zusätzlich Antibiotika verschrieben. Unbehandelt müssen viele Patienten damit rechnen, langfristig Zähne zu verlieren.
Von den vier Patienten in der Studie hatten zwei eine Zahnreinigung und zusätzlich sieben Tage lang die Antibiotika Amoxicillin und Metronidazol erhalten, zwei hatten sich nur der Reinigungsprozedur unterzogen. Die Sequenzierung zeigte, dass beide Regimes zu einer massiven Verschiebung der Keimpopulationen im Mund führten.
Auslöser ist eine gestörte Mikroflora
Die Reduzierung der einen Spezies zugunsten der Vermehrung einer anderen lief derart komplex ab, dass man zu dem Schluss kommt, in Zukunft müsse man auch in der Routinediagnostik und -therapie der Parodontitis eine generelle Anwendung der Gesamterbgutanalyse der Plaque-Proben ins Auge fassen. Schließlich sei die gestörte Mikroflora bei der chronischen Parodontitis der auslösende Krankheitserreger - nicht einzelne Keime.
Allerdings seien dann auch Forschungsvorhaben erforderlich, die den Krankheitsverlauf in Abhängigkeit von der erreichten Veränderung der Mundflora langfristig beobachten. Die Forscher halten es für denkbar, dass dank Automaten wie der „Personal Genome Machine“ eine solche Routine-Sequenzierung bald in greifbare Nähe rückt.
Putzen, putzen, putzen...
Alexander Sonne (AlexanderSonne)
- 18.09.2012, 16:57 Uhr
Sinnloser Hightech-Ansatz.
Thomas Schneider (tomtom44)
- 18.09.2012, 09:40 Uhr