15.10.2007 · Die Gesamtbetrachtung des Energieverbrauchs ist die eine Sache. Unsere alltäglichen Entscheidungen, welche Verkehrsmittel wir benutzen sollen, sind eine andere Sache - zum Teil wenigstens. Gerade für den umweltbewussten Alleinfahrer ist die Sache klar, wenn er zwischen Auto und Bahn wählen soll.
Die Gesamtbetrachtung des Energieverbrauchs ist die eine Sache. Unsere alltäglichen Entscheidungen, welche Verkehrsmittel wir benutzen sollen, sind eine andere Sache - zum Teil wenigstens.
Gerade für den umweltbewussten Alleinfahrer ist die Sache klar, wenn er zwischen Auto und Bahn wählen soll. Er fährt Bahn. Denn die Bahn fährt sowieso. Ein Zug setzt so viele Tonnen in Bewegung - mit ein paar Passagieren mehr verbraucht er kaum zusätzliche Energie. Wer einsteigt, erhöht die Auslastung und macht die Pro-Kopf-Werte schöner, egal, ob in Liter Benzin oder CO2 gerechnet.
Umweltfreundlich: die Mitfahrzentrale
Es gibt allerdings eine Alternative, die ebenso umweltfreundlich ist: die Mitfahrt in einem unterausgelasteten Pkw durch Anruf bei einer Mitfahrzentrale. Der Anbieter fährt die Strecke sowieso - wie die Bahn. Der „Tarif“ von Hamburg nach Münster (250 km), einfache Fahrt, beträgt 10 bis 12 Euro. Das ist kaum die Hälfte des Preises für den Fernzug mit höchster Ermäßigung (Bahncard 50). Wenn ein so preissensibler Mitfahrer in der Verkehrsspitze das Auto wählt, ist er womöglich noch umweltfreundlicher, denn die Bahn müsste am Ende für alle Leute mit vergleichbarem Bedarf einen zusätzlichen Zug in den Fahrplan aufnehmen.
Das Auto steht rasch besser als die Bahn da, sobald Passagiere an Bord kommen. Im CO2-Vergleich braucht man nur statt des Durchschnittswagens einen modernen Pkw einzusetzen, der den EU-Wert von 140 Gramm auf 100 Kilometer einhält. Sobald zwei Leute im Auto sitzen, stößt dieses Auto pro Person nur mehr so viel CO2 aus, als führen sie mit der Bahn.
Beim Auto lässt sich schneller etwas verbessern
Generell lässt sich beim Auto schneller etwas verbessern. Die lange Lebensdauer des Bahnmaterials, die in einer Betrachtung aufgewendeter Produktionsenergie so erfreuliche Effekte hätte, wendet sich hier gegen den Schienenverkehr. Fortschritte energiesparsamer Bauweise setzen sich nur sehr verzögert durch, wenn Fahrzeuge 30 oder 40 Jahre im Einsatz sind.
Für die fünfköpfige Familie, die via Autobahn oder Fernzug zum Besuch der Großeltern fährt, ist die Entscheidung komplizierter. Auf fünf Personen bezogen, liegt der CO2-Ausstoß eines durchschnittlichen Pkw im Fernverkehr unter 30 Gramm CO2 pro Personenkilometer. Wenn die Familie einen Zug benutzt, der sonst nicht ausgelastet ist, wird klarerweise kaum zusätzliches CO2 erzeugt. Was aber, wenn die Familie zu Beginn der Sommerferien oder zu anderen Spitzenzeiten und auf sehr nachgefragten Routen reist? Da ist die Entscheidung für den Pkw am Ende wohl die am wenigsten umweltschädliche. Denn bei der Bahnreise, die Mama und Papa lange im voraus buchen, verdrängt die Familie im schlimmsten Fall fünf Alleinreisende, die dann möglicherweise - jeder einzeln, versteht sich - mit dem Pkw in den Urlaub fahren.