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: Nur versöhnliche Nachrichten

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Es begann mit einer statistischen Erhebung - damals, als Quirinius Statthalter in Syrien war. Dass man mit Statistik immer noch etwas über Weihnachten erfahren kann, zeigt die theologische Dissertation von Edgar S. Hasse ("Weihnachten in der Presse. Komparative Analysen der journalistischen Wahrnehmung ...

          Es begann mit einer statistischen Erhebung - damals, als Quirinius Statthalter in Syrien war. Dass man mit Statistik immer noch etwas über Weihnachten erfahren kann, zeigt die theologische Dissertation von Edgar S. Hasse ("Weihnachten in der Presse. Komparative Analysen der journalistischen Wahrnehmung des Christfestes anhand der ,Weihnachtsausgaben' ausgewählter Tageszeitungen und Zeitschriften, 1955 bis 2005", Christliche Publizistik Verlag, Erlangen 2010). Er untersucht, wie im vergangenen Halbjahrhundert über das Fest berichtet wurde. Dazu hat er die Weihnachtsausgaben danach ausgewertet, wie häufig, mit welchen Schwerpunkten, Bildern und Symbolen sie das Fest zum Thema machen.

          Methodisch reflektiert und empirisch nachprüfbar stellt er anhand des wohl exemplarischsten Falles die Frage, was denn Säkularisierung eigentlich genau ist: Ende oder Veränderung von Religion, Verlust oder Verwandlung, Untergang oder Wiederkehr? Hasse schreitet in seinem Buch nicht nur einen langen Zeitraum und einen unübersichtlichen Theorieparcours ab, sondern auch ein weites Spektrum von Druckerzeugnissen: von dieser Zeitung über die "Süddeutsche", die "tageszeitung", "Bild" und "Leipziger Volkszeitung" bis zu "Spiegel", "Stern", "Focus", "Bild der Frau", "Bravo" und sogar "Playboy". Wenig überraschend ist zunächst das Ergebnis, dass die Weihnachtsberichterstattung im Vergleich zu den fünfziger Jahren um gut die Hälfte zurückgegangen ist. Zwar steigen die Werte seit den Achtzigern wieder an, aber das macht den Einbruch im Jahrzehnt zuvor nicht wieder wett. Mit dem quantitativen Rückgang geht eine qualitative Veränderung einher. Der kirchliche Charakter des Festes und seine theologische Bedeutung werden durch seine Familialisierung in den Hintergrund gedrängt. Die Bezüge zum Kirchenjahr, zum Ganzen der Heilsgeschichte schwinden, dafür leuchten Motive wie "die heilige Familie", "das heilige Kind" und "die heilige Liebe" umso heller auf. Begleitet wird dies von einer Kulinarisierung des Weihnachtsfestes, der Ausrichtung auf Genuss und Geschenke. Das erfolgreichste Fest des Christentums scheint also aus der Kirche aus- und in die "Privatkathedrale religiöser Individualisierung" eingezogen zu sein, wie Matthias Morgenroth in seiner schönen Studie "Weihnachts-Christentum" (2002) formuliert hat. Diese Linie lässt sich besonders bei "Stern" und "Bild" finden, immer verbunden mit einer sentimentalen Moralisierung. So brachte "Bild", um das "Fest der Liebe" einzuläuten, mehrfach Ausgaben nur mit positiven Meldungen, etwa: "Dieter Bohlen verzeiht Thomas Anders" oder "Roy feiert mit Siegfried Weihnachten". So wurde aus der Guten Nachricht eine Reihe von guten Nachrichten.

          Während bis zum Beginn der achtziger Jahre die steigende Familialisierung direkt mit einer sinkenden Kirchlichkeit gekoppelt war, also eine Konkurrenz zwischen alten und neuen Deutungsmustern herrschte, besteht heute zwischen ihnen ein Verhältnis der Korrelation. Es wird gleichzeitig über das familiäre Feiern wie über Gottesdienste und Predigten geschrieben. Das passt gut zum gegenwärtigen Trend, dass kirchlich gebundene und individualreligiöse Christlichkeit sich nicht mehr bekämpfen, sondern friedlich koexistieren - allerdings auf einem sinkenden Niveau.

          JOHANN HINRICH CLAUSSEN

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