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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Zusammenstoß im All Einige Trümmer mehr

 ·  Trümmer auf Erdumlaufbahn gibt es viele, doch Kollisionen sind äußerst selten. Nun stießen zum ersten Mal zwei Satelliten zusammen. Sie sorgten für neue Trümmer, brachten die Internationale Raumstation aber damit vorerst nicht in Gefahr.

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Es war fast wie ein Angriff aus dem Nichts: Erst ging er noch normal seinen Aufgaben nach, leitete Telefongespräche und Daten weiter, und plötzlich fiel er in Schweigen - der amerikanische Kommunikationssatellit Iridium 33.

Am Dienstag um 17 Uhr 55 Mitteleuropäischer Zeit ist der ohne Berücksichtigung der Solarausleger 3,60 Meter lange und 560 Kilogramm schwere Erdtrabant mit dem rund 900 Kilogramm schweren Kommunikationssatelliten Kosmos 2251 des russischen Militärs, der seit einigen Jahren außer Betrieb ist, kollidiert und dabei zerstört worden. Trümmer von dieser Kollision, die etwa 780 Kilometer über Sibirien stattfand, sind mittlerweile vom militärischen Überwachungsradar Amerikas geortet worden. Sie fliegen aber noch so dicht zusammen, dass es schwer ist, einen vollständigen Überblick zu gewinnen. Bislang scheinen ungefähr sechshundert Trümmerstücke gezählt worden sein.

Trümmer im Orbit

Trotz der großen, zum Teil durch Explosionen ausgedienter Raketenstufen entstandenen Schrottmengen, die die Erde umkreisen - darunter rund 12 000 mindestens fünf bis zehn Zentimeter große Teilchen, die von Überwachungsstationen verfolgt werden - sind Kollisionen im Weltraum bislang selten. Nur drei Zusammenstöße waren bis Dienstag verbürgt: 1991 schlug ein Trümmerteil auf einen ausrangierten russischen Kosmossatelliten, im Jahr 2005 traf das Trümmerstück einer chinesischen auf das Trümmerstück einer ausrangierten amerikanischen Rakete.

Bei einer weiteren Kollision im Jahr 1996 war der sogenannte Gravitationsgradientenausleger des damals noch intakten französischen Satelliten Cerise vom Fragment einer europäischen Ariane-1-Rakete getroffen worden. Der Ausleger gehörte zum Stabilisierungssystem des Satelliten, das damit beschädigt war. Cerise ist dadurch allerdings nicht vollständig funktionsunfähig geworden.

Keine Gefahr für die internationale Raumstation

Und nun also die erste Kollision zwischen zwei Satelliten im All. Rechnungen beim europäischen Satellitenkontrollzentrum in Darmstadt zeigen, dass sich Iridium 33 und Kosmos 2251 am Dienstag mehrfach nahegekommen sind: Die Bahnperioden sind derzeit - rund sechzehn Jahre nach dem Start von Kosmos 2251 und etwa elf Jahre nach dem Start von Iridium 33 - fast identisch, wie der Abteilungsleiter Heiner Klinkrad sagt. Nur mit einem intakten Manövriersystem hätte Iridium 33 ausweichen können, aber das war nicht verfügbar.

Die Internationale Raumstation ist mittlerweile schon acht Mal auf eine geringfügig veränderte Bahn gebracht worden, wenn die Kollision mit einem Satelliten oder Schrottteilchen auch nur entfernt zu befürchten war. Von den neuen Trümmern droht ihr und ihrer Besatzung keine nennenswerte Gefahr, weil sie sich wesentlich näher an der Erde bewegt als die beiden Satelliten. Zur Zeit fliegt sie in einer Höhe von 356 Kilometern, so dass selbst Ausreißer für sie kaum eine Bedrohung sind.

Auch für einige unbemannte Satelliten wird - ungefähr eine Woche im voraus - regelmäßig berechnet, ob eine Kollision droht. Von den europäischen Satelliten werden so die großen Umwelt- und Erkundungssatelliten Envisat und ERS 2 geschützt. In Amerika gibt es ebenfalls Satelliten, die einem „Risiko-Programm“ unterliegen, in Frankreich gehören alle erdnahe fliegenden Satelliten dazu.

Iridium 33 wir schnell ersetzt

Iridium 33 ist ein Privatsatellit, und für diese Trabanten gelten andere Regeln. Er ist einer von 66 Satelliten des Iridium-Systems - dem zusätzlich noch ein paar Ersatzsatelliten angehören -, das eine weltweite Kommunikation über spezielle Handys ermöglicht. Mit normalen Handys kann man nur telefonieren, wenn sich in der Nähe eine Mobilfunkantenne befindet, die die Signale meist über Satellit weiterleitet. Im Iridium-System kommt man mit wenigen festen Stationen aus. Deshalb kann man mit Iridium-Handys auch in den abgelegensten Regionen noch telefonieren, was das System besonders wertvoll für wissenschaftliche Expeditionen oder für Polarforscher macht. Iridium 33, so hat der in Bethesda (Maryland) ansässige Betreiber erklärt, werde innerhalb der kommenden dreißig Tage ersetzt.

Der 1993 von Plesetsk aus gestartete Kosmos 2251 gehört zu einem System von militärischen Kommunikationssatelliten, die über drei um je hundertzwanzig Grad gegeneinander versetzte Bahnebenen verteilt sind. Die Bahnen befinden sich anfangs im Mittel rund 800 Kilometer über der Erde. Zu weit von den Iridium-Satelliten entfernt, als dass gleich Alarmglocken schrillen müssten. Aber wie nicht zuletzt die Kollision drastisch belegt, ändern sich die Bahnen im Laufe der Zeit, und die Folgen können fatal sein.

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Jahrgang 1946, freier Autor im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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